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Jauner Edler von Falpatann 2i)4 Zauner Edler von Falpatann
welcbe Altäre, Kanzeln und allerlei
Kirchengegenstande arbeiteten. Der On»
kel. ein mittelmäßiger Künstler, mehr
eigentlich ein geschickter Steinmetz, mit
den Elementen des Steinmetz» und Holz»
schnitzfacbes vollkommen vertraut, dazu
cin ehrlicher Mann, ein Meister der alten
Schule, nahm sich des Neffen warm an
und lehrte ihn gründlich, was er ver>
stand. Zehn Jahre arbeitete Zauner bei
ihm und eignete sich in Bearbeitung
jeden Stoffes eine mechanische Fertigkeit
an, die ihm in der Folge bei Losung der
schwierigsten Aufgaben der Bildhauer-
kunft die wesentlichsten Dienste leistete,
und deren mangelnde Kenntniß selbst
der genialste Bildhauer oft nur zu sehr
empfindet. So tüchtig vorgebildet, das
Handwerksmäßige, das in jeder Kunft
vorkommt, leicht und mit Geschick bemal»
tigend, kam er 4766 nach Wien, von
seinem Meister mit einem Empfehlungs-
schreiben an Professor Sch le t te re r
Md. XXX, S. 95) versehen, der sich
auch des jungen Künstlers gütig annahm.
Die erste Probe seines Könnens legte
Zaun er in zwei großen Engeln ab, die
er im Steinbruch aus dem Grobm
meißelte und dann in acht Tagen fertig
brachte. Auf der Akademie studirte er
nun an den vorhandenen Kunstwerken
und aus geeigneten Büchern mit allem
Fleiß die Anatomie des menschlichen
Körpers. Fünf Jahre arbeitete er da»
selbst, dann trat er in die Dienste deS
damals mit Arbeiten für den Schloß-
garten in Schönbrunn beschäftigten Hof-
statuarius I . W. Beyer ^Bd. I, S. 363),
dem er nun wesentlich^ Dienste leistete,
theils bei des Künstlers eigenen Schöpfun.
gen, theils bei solchen, die, obwohl er
sie allein ausführte, nicht als sein Werk
galten. Indessen aber war in ihm doch
der Drang nach Höherem erwacht, und! ! je lebendiger derselbe wurde, desto unzu»
! länglicher erschien ihm das von ihm
! bisher Geleistete. Dabei sah er weniger
^ auf den Gelderwerb und vertiefte sich ins
! Studium der eigentlichen Kunst, ins»
besondere der amiken, ohne jedoch die
bedeutendsten Schöpfungen neuerer Kunst
zu vernachlässigen. Als erRaphael Don»
ner's Statuen, die nachmals den Brun«
nen auf dem Neuen Markt in Wien
schmücken sollten, unter einem Haufen
von Karren, Schaufeln und Taglöhner-
gerathen entdeckte, trug er Sorge, sie
von der barbarischen Last zu befreien.
Neben seinem Fache studirte er mit allem
Eifer Architectur, als eine in gewissem
Grade dem Bildhauer unentbehrliche
Wissenschaft. Die Bedürfnisse des Lebens
bestritt er durch eine ganz eigenthümliche
Arbeit. Der berühmte Anatom und
Augenarzt Professor Ios. Bar th ging
eben daran, auf Kosten des Hofes ein
Cabinet von aus Holz geschnitzten ana»
tomisch »pathologischen Präparaten zu
errichten und wählte zur Ausführung
seines Planes unseren Künstler, dessen
Genauigkeit und schärfste Treue in Nach»
ahmung der Natur kennen zu lernen er
Gelegenheit gehabt. Ein Jahr lang
arbeitete Zaun er an Barth's Präpa»
raten, und zwar mit solchem Erfolge,
daß ihn die Kaiserin durch öffentliche
Verleihung der goldenen Medaille aus-
zeichnete und zur weiteren Vervollkomm»
nung ermunterte. Als Beispiel seiner
genialen Ausführung dieser Arbeit sei
der von ihm aus Spindelbaum, vul^o
Pfaffenkäppleinholz, M Basrelief geschnit-
tene Schädel, der in das Museum der
Universität kam, angeführt. Infolge
seiner besonderen Geschicklichkeit in dieser
Arbeit wurde ihm der ehrenvolle Antrag
gestellt, für ein Iahrgehalt von 1000 fl.
durch zwölf Jahre als anatomischer
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Wurmser-Zhuber, Volume 59
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Wurmser-Zhuber
- Volume
- 59
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1890
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 428
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon