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Zay von Csömör, Karl 222 Zay von Csömor, Kar
rismus und Protestantismus
gleichstellte, eine Ansicht, der man auf
betreffender Seite keinen Glauben sckenkte,
und welche vielmehr konfessionelle Ab>
neiqung gegen die ungarische Sprache
aufstachelte. Schon im Vormärz verfolgt?
der Graf energisch sein Ziel, die völlige
Magyarisirung Ungarns und dessen
gänzliche Trennung von Oesterreich in
Bezug auf die Reichsverwaltung, das
heißt, unter demselben Herrscher ein
eigenes verantwortliches Ministerium,
eigene Finanzverwaltung, eine eigene
Armee, als Hauptaufgaben seines Lebens.
Er führte die Ausarbeitung und ein»
stimmige Annahme eines neuen Unter-
richtssyftems durch, in dessen Folge die
Studienordnung den Forderungen der
Gegenwart angepaßt und das magya«
rische Idiom zur Unterrichtssprache er>
twben wurde. Auf den Reichstagen sprach
ec sich wiederholt markig für die Voll-
derechtigung der Bürger und Bauern,
für die Gleichstellung aller übrigen chrift-
lichen Confessionen und selbst der Juden
mit den Katholiken aus. I m Siege des
Magyarenthums sieht er den Sieg des
Protestantismus, im Siege des letzteren
die glorreiche Zukunft seines Vaterlandes.
Auf diese Lichtseiten seines staatsmänni«
schen Wirkens, womit er offenbar der
Zeit voraneilte, fielen aber als Schlag-
schatten die unzähligen Schmähungen,
Verleumdungen, Drohungen, die ihm
Slaven und Romanisten in vollem
Maße spendeten. Mit diesem unverfälsch-
ten Magyarenthum verband er aber un>
erschütterliche Treue gegen die österrei-
chifche Dynastie, von der Ueberzeugung
getragen, daß die Existenz Ungarns un-
zertrennlich mit der Aufrechthaltung jener
verbunden sei. Die Muße, welche ihm die
öffentlichen und Berufögeschäfte übrig
ließen, widmete er der Verwaltung seines Besitzes und der Literatur, vorzugsweise
der deutschen, was ihn aber nicht hinderte,
in allem Deutschen und von Deutschen
Kommenden ein Blendwerk des Satans
zu erblicken. Er schrieb selbst mehrere
Flugschriften und Zeitungsartikel in
deutscher und magyarischer Sprache, ohne
jedoch seinen Namen zu nennen. Von
diesen sind uns überhaupt bekannt:
„Nies Buch gehört dem Vaterlande" (184.);
— „Schrtibln an die PraieZZaren zu Tentschan"
(Leipzig 1841, Otto Wigand, gr. 8".)
und „Nie ungarische Frage im mähren Dchte"
(Pesth 1864, Räth, gr. 8".). Auch schrieb
er für den Wiener „Wanderer", und
sollen die mit „Von der Donau" be»
zeichneten Artikel aus seiner Feder ftam>
men. Schließlich erwähnen wir noch,
daß Graf Zay im denkwürdigen Reichs«
tage von 1861 seine kurze Rede mit den
Worten schloß: „Er hatte wohl ge«
wünscht, daß die Adresse ein Mißtrauens-
votum gegen das Wiener Ministerium
enthalten hatte, doch wolle er sich der
Ansicht der Majorität s^ vgl. zum Ver»
ständniß: Iärnbor, Bd. X, S. 60)
unterordnen und erkläre sich einfach für
Deak's Adresse, den er nach Luther,
Washington und Szöchänyi am
höchsten achte." Graf Karl war zwei»
mal vermalt: seit 22. Mai 1820 mit
Karoline geborenen von Pronay
von Täth-Prona (geb. 27. Februar
l803, gest. 24. Februar 1852)' zum
zweiten Male seit 16. Februar 1837 mit
der katholischen 3l l o i s i a geborenen
Gräfin Beränyi von Karancs'Be-
röny (geb. 23. Jänner 183l). die ihn
überlebte. Nur aus erster Ehe hatte er
Kinder, und zwar fünf Söhne und eine
Tochter, sämmtlich aus der Stammtafel
ersichtlich.
Einige Kraftftellen aus de« Vrasen Karl Zay
politischen Neden und Aufsähen. «Wir wählen
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Wurmser-Zhuber, Volume 59
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Wurmser-Zhuber
- Volume
- 59
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1890
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 428
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon