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Zdekauer, Karl Conftantm Kunrad
ragt. An den meisten Humanitäts» und
Wohlthatigkeitsvereinen war er als Mit»
glied betheiligt; um den zur Erhaltung
und Wahrung des Deutschthums so wich
tigen und energisch thatigen deutschhisto
rischen Verein Böhmens erwarb er sich
erhebliche Verdienste, er wirkte als eines
der eifrigsten Mitglieder und Förderer
desselben auch im Comite zur Gründung
einer höheren Töchterschule in Prag; an
dem in der Biographie seines Bruders
Friedrich geschilderten Aufschwung des
Eisenbahnwesens in Böhmen hatte auch er
wirksamen Antheil und die Bustshrader
Bahngesellschaft wählte ihn zum Ver-
waltungsrathe. Als 1866 Böhmen plötz-
lich zum Kriegsschauplatz wurde, die
öffentlichen Cafsen» und Geldinstitute vor
dem der Hauptstadt in ungeahnter
Schnelle — weil ja feindlicherseits Alles
vorausgeplant und eingeleitet war —
sich nähernden Feinde in Sicherheit ge-
bracht werden mußten, war er es, der
den dadurch entstandenen Schwierigkeiten
unerschrocken gegenübertrat und mit
ten in der aller Handelsverbindungen
beraubten Stadt durch ebenso umsichtige
als energische Vorkehrungen im ent»
scheidenden Augenblicke die zu Staats»
und Gemeindezwecken nöthigen Geld«
mittet beschaffte und durch seinen Rath
und Einfluß der feindlichen Macht gegen-
über für die Regelung der Geldverhält«
nifse und die Wiederaufnahme des Han>
dels mit Erfolg wirkte. Diese vielseitige
und verdienstliche Wirksamkeit fand aller«
höchsten Ortes wiederholte Würdigung:
1863 erhielt er das Ritterkreuz dos
Franz Josephs Ordens, 1867 den Orden
der eisernen Krone dritter Classe und
infolge dessen den erbländischen Ritter»
stand; 4869 wählte ihn der böhmische
Landtag zum Director der Hypothekar»
bank; in gleicher Stellung befand er sich auch bei der böhmischen Sparcaffe,
und 1870 wurde er Viceprästdent der
Prager Handelskammer. Ein plötzlicher
Tod rief ihn im vollen Mannesalter von
34 Jahren aus dem Leben. Seiner Ehe
mit Anna geborenen Artus, die als
Präsidentin des Prager deutschen Frauen»
Erwerbvereines und des deutschen
Madchenlyceums nach Frauenart das
Wirken des Gatten ergänzte, entftam-
men drei Kinder: Konrad und Kar l
und Amelie, Gattin des Doctors der
Medicin Otto Kahler, zur Zeit Pro»
fefsors der Medicin an der Wiener Hoch»
schule.
, Konrad Ritter v. sSchrifl -
steller, geb. in Prag am 13. Ma
1847), bekannter unter dem Pseudonym
Curt von Zelau. Ein Sohn des
Or. Karl Ritter von Z d e k a u e r.
Chefs der Großhandlungsfirma, aus
dessen Ehe mit Anna geborenen
r t u s , besuchte er das Gymnasium
auf der Prager Kleinseite und bezog nach
Beendigung desselben im Herbst 1863
die Universität Leipzig, auf welcher er die
Rechte und Cameralia horte. Der Krieg
1866 nöthigte ihn zur Rückkehr nach
Oesterreich, wo er an der Hochschule
Prag die Rechtsstudien fortsetzte, an
jener zu Gratz dieselben beschloß und
1871 daraus die Doctorwürde erlangte
1872 trat er in den Staatsdienst, in
welchem er aber die streng juridische
Laufbahn, die seinen Neigungen wenig
zusagte, mit einer publizistischen Stel»
lung im Ministerium des Auswärtigen,
und zwar in außerordentlicher Verwen
düng vertauschte. Als Oesterreich 1878
zur Besetzung Bosniens und der Herze-
gowina schritt, wurde er zum Leiter des
Preßbureaus im Hauptquartier des Feld'
zeugmeifters von Phil ippovitsch er-
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Wurmser-Zhuber, Volume 59
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Wurmser-Zhuber
- Volume
- 59
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1890
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 428
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon