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s Joseph Christian 231 Zedlitz, Joseph Christian
tenden Sonderabdruck erschien, führt er
den erhebenden Gedanken durch: daß
nur Begeisterung der Born sei,
aus welchem alles Leben qui l l t ,
lind daß ohne sie die Welt im
Gemeinen zerfallen wäre, und
wählt zur poetischen Gestaltung dieser
erhebenden Idee unter den großen Todten
der Jahrhunderte die heterogensten Na
men, wodurch aber eben der Reiz der
Dichtung gesteigert wird, wir nennen vor
allen den damals gehaßten Imperator
Napoleon, dem Byron, Wallen
stein, Joseph I I . , Tasso, Kanning.
Goethe, Petrarca und Laura,
Romeo und Jul ie folgen. Die Dich
tnng, welche im Ganzen 107 Canzonen
umfaßt, zählt zu den Perlen, der deutschen
Poesie und sichert ihrem Sänger eine
bleibende Stelle auf dem deutschen
Parnaß. Was Zedlitz sonst noch schrieb:
seine auf eindringliches Studium spa»
nischer Dramatiker hinweisenden Dramen,
seine „Gedichte", unter welchen „Die
nächtliche Heerschau", wir sagen nicht zu
viel, die Runde auf dem Erdball machte,
heute aber, wie Uhland in „Des San»
gers Fluch" singt, „versunken und ver-
geffen" ist, sein zierliches Märchen „Wald-
fräulein" und die durch packende Ge»
staltung so wirksam und zur rechten Zeit
qesungenen Soldatenlieder, beurkunden
."lberall den echten Dichter, aber reichen
nicht im kleinsten Theile an jene erschüt-
ternden Canzonen hin, die ohne Refrain
verkünden, Alles ist eitel, nur nicht der
Genius im Menschen. Auch ist Zedlitz
der Verfasser des nach des Kaisers
Franz Tode umgeänderten Textes der
österreichischen Volkshymne. Die Analyse
seiner „Dramen", mit welchen sich die
Kritik am meisten beschäftigte, gehört
nicht in dieses Werk; aber überall, und
selbst wo-er irrt, schaut der Dichter her» aus, der es versteht, unser Interesse
und in den schwierigen psychologischen
Kämpfen, die er darstellt, unsere Theil-
nahme zu gewinnen. An Ehren hat es
dem Dichter nicht gefehlt. Sein Monarch
zeichnete ihn mit dem Ritterkreuze des
Stephansordens, König M a x i m i-
l i a n I. von Bayern mit seinem Maxi»
milianorden für Kunst und Wissenschaft
aus, nachdem ihm des Königs Vater
bereits den Ludwigorden verliehen hatte.
Wie die kaiserliche Armee den Poeten für
seine flotten Soldatenlieder ehrte, wird
in den Quellen berichtet. Wir können
aber diese biographisch-literarische Sil'
houette nicht besser schließen als mit den
Worten, mit welchen jüngst R. Mären»
holtz einen dem Andenken des Dichters
gewidmeten im literarischen Vereine zu
Dresden gehaltenen Vortrag geschlossen;
diese Worte, die ebensowohl dem Dichter
als dem Menschen gerecht werden, lau»
ten: „Neidlos hat Zedlitz dem Ver-
dienste größerer Zeitgenossen gehuldigt;
G o e t h e's Weltruhm, den die jüngere
Romantik herabzuwürdigen suchte, mit
warmer Begeisterung gepriesen, Beet«
hoven's Genius Kränze der Huldigung
aufs Grab gelegt, Gri l lparzer's hell-
aufleuchtendes Gestirn mit aufrichtigen
Freundschaftsworten gefeiert. An den
Thaten und Schicksalen des eigenen
Volkes hat er mit vollem Herzen Antheil
genommen, Oesterreichs Fürsten, Gene-
rale und Patrioten mit edler Hingabe
gepriesen und dem gemeinsamen Vater«
lande, das der Hader der Fürsten zer-
rissen hatte, nie seine Theilnahme ent>
zogen. Die Dienste, welche er, den
wahren Interessen Deutschlands zuwider,
einem Mettern ich leisten mußte, oer»
zeihen wir ihm jetzt, denn — prooul
dsnQUZ i8ta. nsFotia.. War sein Dichter-
rühm auch durch die Mangel seiner Be>
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Wurmser-Zhuber, Volume 59
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Wurmser-Zhuber
- Volume
- 59
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1890
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 428
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon