Page - 306 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Wurmser-Zhuber, Volume 59
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Zelinka, Andreas 306 Andreas
aber noch war seine Zeit nicht gekommen,
die Wahl siel nach hartem Kampfe auf
Doctor Sei l ler , «zind Zelinka ward
erster Vice»Bürgermeister. Seine Wirk»
samkeit für die Gemeinde in der Zeit
von 1831—1860 zu schildern, siele weit
üder die uns gesteckten Grenzen. Dies
ist Aufgabe eines Biographen, der das
Lebensbild dieses seltenen Menschen zu
Nutz und Fronkmen aller Bürger und der
Wiener insbesondere zu zeichnen unter»
nimmt. Als dann 186l der „neueVölker-
frühling", wie publicistische Schwär»
mer diesen Anbruch einer neuen Zeit
nannten, über Oesterreich hereindrang
und nach Kundmachung der Februar»
Verfassung in Wien ein neuer Gemeinde»
rath gewählt wurde, befand sich Dr. Ze-
linka unter den Wenigen, die wieder in
denselben gelangten, und als der Kampf
um»die Person des neuen Bürgermeisters
ziemlich heftig entfachte, ging doch am
16. Juni 1861 Zelinka aus der Wahl-
urne hervor. I m Juni 1864 wurde er
wiedergewählt, und im Juli 1867 er«
folgte zum dritten Male seine Wahl.
Auch seine geschichtlich bedeutsame und
dem Wohl der Hauptstadt ganz gewid»
mete Wirksamkeit als Bürgermeister
muffen wir einer anderen Feder über»
lassen. Nur eines Momentes sei Erwäh
nung gethan, seiner Haltung in der
Kriegszeit 1866, wo er, anhänglich und
treu seinem Kaiser, doch die Unabhängig»
keit seines.Charakters strenge bewahrte
und sich seiner Pflichten gegen die Bürger
Wiens entschieden bewußt blieb. Durch
sein Auftreten in jenen schweren Tagen
hat er unter allen Parteien seinem An»
sehen Bahn gebrochen und der Stellung
des Bürgermeisters der Reichshauptstadt
den im Laufe der Zeit abhanden gekom»
menen geschichtlichen Stempel in Ehren
wieder aufgedrückt. Wie aber die Wiener Bürgerschaft den Werth des Mannes
erkannte, ging aus der rührenden Theil»
nähme der Bevölkerung hevor, als er im
Winter 1864 lebensgefährlich an dem
Uebel erkrankte, dem er vier Jahre spater
erlag. So wie seine Bürger, schätzten der
Kaiser und die Regierung ihn hoch und
gaben es wiederholt und in entsprechen«
der Weise kund. Der Kaiser verlieh ihm
1862 den Orden der eisernen Ksone
drittem Classt, 1866 das Comthurkreuz
des Franz Joseph »Ordens; nebftdem
zeichneten ihn in ahnlicher Weise die
Könige von Bayern, Preußen und
Sachsen und der Sultan aus. Seit
1862 war Zelinka Mitglied des nieder«
österreichischen Landtages, seit 1864
Landmarschall-Stellvertreter, 1867 berief
ihn der Kaiser ins Herrenhaus. Eine
Sammlung der Charakterzüge aus des
Bürgermeisters Leben, von seinem ge-
flügelten Worte „Schad't nix, schad't
nir", das öfter bei ganz komischen An«
lassen seinen Lippen entfiel, bis zu seinen
im Sterben gesprochenen Worten „Holz
— für die Armen", würde sich zu einem
wahren Volksbuche gestalten und zeigen
einen Bürger, wie es wenige auf Erden
gibt, und wie es alle anderen sollten
werden. Die Quellen geben reiches Ma-
terial zu einem solchen Charakterbilde.
Bürgermeister Zelinka hatte sich, als er
noch einfacher Justitiar war, im Jahre
1830 mit Monica, der Tochter eines
auf der Wieden ansässigen wohlhabenden
Bürgers, des Lederermeisters Schön»
bichler, vermalt. Seine Ehe war eine
sehr glückliche, doch blieb sie kinderlos.
Nach mehrjähriger schmerzlicher Krankheit
starb seine Gattin M o n i c a am
16. September 1867. Das Testament
unseres Bürgermeisters Zelinka gibt
der Herzensgüte der Verblichenen ein
rührendes Zeugniß.
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Wurmser-Zhuber, Volume 59
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Wurmser-Zhuber
- Volume
- 59
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1890
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 428
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon