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Zerich 340 Zerkowitz
C;. Miklos und dann das Kanzleramt
an der bischöflichen Kathedrale. Auf
seinem Gebiete schriftstellerisch thätig,
war er immer ein eifriger Kämpfer der
streitbaren Kirche, die er, so oft sich ihm
Gelegenheit darbot, gegen die leider nur
zu häufigen Angriffe der Protestanten
Ungarns energisch vertheidigte. Diese
polemischen Artikel veröffentlichte er meist
im siebenbürgischen Blatte „Uuit vL
Men", d. i. Vergangenheit und Gegen«
wart. Auch die in Pesth erscheinende
„lteiiAio" brachte Arbeiten aus seiner
Feder, darunter eine entschiedene und
sachgemäße Entgegnung auf einen
von Seite der Protestanten ausgegan.
genen ganz unberechtigten Angriff des
die Interessen des Katholicismus un-
gemein fördernden, aber auch im Gebiete
der Volksbildung sehr thätigen St. Ste«
phansvereines in Pesth. Endlich wirkte
er auch in erwähnter Richtung in dem
ungarischen Kirchenblatte „kla^ar
8ion". Von seinen selbständig erschie-
nenen Arbeiten kennen wir nur die
Schrift: ^^ j . ^?«^)ttl /s/<3c?s?sttls<3^ es
öz>?oH", d. i. Herrschaft und Besitz des
Papstes (Klausenburg 4860, 8".); in
dieser, so viel wir wissen, nicht in den
Buchhandel gelangten Schrift, vertritt
er mit allen theologischen und politischen
Giünden die weltliche Herrschaft des
Papstes. Auch im Gebiete des Vereins»
Wesens für die Förderung des Katho«
licismus thätig, ist er Mitgründer und
wirkendes Mitglied des Karlsburger
katholischen Lesevereines und anderer
Institute, welche sich die Wahrung und
Stärkung des Katholicismus zur Auf«
gäbe stellen.
l k 3 ? 2, r i r 6 k. 3 7 ^ 7
l i k ^6256l, d. i. Ungarische Schriftsteller.
Sammlung von Lebensbeschreibungen. Von Jacob Ferenczy und Joseph Daniel ik
(Pesth l83«. Gustav Emich. 8<>.) Bd. I,
3. 623.
Zerkowitz, Sidonie (Dichterin und
Schriftstellerin,geb. zu Tobitschau
in Mahren um das Jahr 1833). Ueber
die jüdische Abstammung dieser Frau
geht in der Familie derselben fol>
gende Ueberlieferung: S i d o n i e s Nr»
ahn väterlicherseits sei Banquier Kaiser
Rudolfs I I . in Prag gewesen und von
ihm geadelt worden, weil er demselben
öfter in Geldverlegenheiten zu Hilfe ge»
kommen. Ein Herr von Zerkowitz soll
auch unter den adeligen Juden auf dem
Prager Friedhofe sein Grab haben. Ein
Urahn mütterlicherseits, vorher Jude, sei
dann Großinquisitor in Spanien gewor-
den und habe eine Tochter Namens
Agui l ia gehabt, die ein bedeutendes
Dichtertalent besaß. Durch eine Ver>
schwörung gegen sein Leben habe er sich
zur Flucht genöthigt gesehen, sei mit
seiner Tochter nach Mähren gekommen
und zu seinem ursprünglichen Glauben
zurückgekehrt. Aus der Ehe dieser Tochter
stammt die Familie mütterlicherseits.
Sidonies Vater, eine sinnige poetische
Natur, war Arzt in Tobitschau, lebte aber
in ärmlichen Verhältnissen und wurde
von armen Kranken, die er meist um»
sonst behandelte, sehr geliebt. Die Mutter
besaß weniger wissenschaftliche Bildung,
aber ungemein große geistige Gaben, ein
seltenes Sprachtalent und eine bewun»
derungswürdige Fertigkeit in weiblichen
Handarbeiten. Den ersten Unterricht er»
hielt Sidonie von ihren Eltern. Bis
zum zwölften Jahre arbeitete sie vom
frühen Morgen bis in die Nacht hinein
gehäkelte Tüchlein und erwarb damit
taglich die für die damaligen Verhält«
nisse ansehnliche Summe von 23 bis
30 Kreuzer Conventions-Münze, indem
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Wurmser-Zhuber, Volume 59
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Wurmser-Zhuber
- Volume
- 59
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1890
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 428
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon