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Ferkowitz 342 Zerkowitz
dem rechten Platze sei. Sie selbst! gierde ahnungslos gegenüberstehende
empfand große Neigung zum Theater, ^ Madchen so zu umgarnen, daß ihre
betrieb Declamationsübungen, und alle! Phantasie in das Netz sie rettungslos
Welt verwies sie einstimmig zur Bühne;! trieb; er trug ihr seine Hand an, erzählte
man rühmte ihr auffallendes Talent für
die Kunst, für welche sie auch durch ihre
Erscheinung vorzugsweise berufen sei.
Die sogenannten Kunstmacene fehlten
auch nicht, die natürlich auf Kosten der
Ehre des Mädchens die Auslagen be- ihr von seinen Reichthümern, dem be»
rühmten Namen seiner Familie, von den
Aussichten auf eine glänzende Stellung,
die ihm in Athen vorbehalten sei. Alle
diese Angaben wurden von jungen Grie<
chen, die sich Studien halber in München
streiten wollten. Aber im Ekel vor befanden, und sogar von dem Münchener
solchem Geschäft ließ sie sich darauf nicht ! griechischen Archimandriten bestätigt. Und
ein. wie verlockend sich ihr auch die Zu»
kunft, als große Künstlerin zu tragiren,
darstellte. Da griff ein wirklicher Mäcen
werkthätig ein. Sie erhielt von einer
Seite die Mittheilung, daß König Lud.
wig I I . von Bayern sich lebhaft für das
eigenartige Mädchen interessire und sie
auf seine Kosten für das Theater wolle
ausbilden lassen. Das war im November
des Jahres 1874. Diese Aussicht war ihr
willkommen, sie reiste nach München,
wurde zu einer Probedeclamation auf
das Hoftheater zugelassen, von welcher es
abhing, ob sie auf Kosten des Königs
ihre Bühnenausbildung erhalten solle.
Die Probe siel glänzend aus. Da führte
ihr am zweiten Tage ihres Aufenthaltes
in München das Verhängniß eine Person
in den Weg, die alle bisherigen Plane
umwerfen sollte. Es war ein Enkel des
berühmten griechischen Nationalhelden
Theodor Kolokotroni , des Siegers
von Tripolizza in den Freiheitskämpfer!
des Jahres 1829. Der hinkende junge
Mann machte nichtsweniger als einen
günstigen Eindruck auf die angehende
Künstlerin. Er war mütterlicherseits
ein Enkel des suzeränen regierenden
Fürsten der Moldau und Walachei. Von
fast fieberhafter, ja unheimlicher Leiden-
schaft für das Mädchen ergriffen, verstand
er es, das unerfahrene, berechnender Be> im Geiste die Noth ihrer Eltern über»
blickend, welcher sie durch Annahme des
Antrages mit einem Schlage ein Ende
bereiten könne, begann sie zu schwanken,
wollte aber doch vorher den Rath des
Hoftheater < Intendanten, vor dem sie
Probe gespielt hatte, einholen, und
als sie diesem den Fall vorlegte, sprach
er die entscheidenden Worte: „Fräulein
Zerkowitz, es ist besser eine Fürstin
Kolokotroni zu sein, als eine Ra-
chel in sx>6 erst werden zu wollen."
Sie reiste nun mit ihrem Bräutigam nach
Venedig, trat dort zum Katholicismus
über, verschaffte sich die Großjährigkeits»
erklärung von Seite ihres Vaters und
wurde nach drei Wochen von dem Propste
der St. Marcuskirche Gius. Marchiori
mit dem Fürsten Kolokotroni getraut.
Nun reiste sie mit ihrem Gatten nach
Athen und überzeugte sich daselbst bald,
daß er wohl einer der vornehmsten Fa-
milien Athens angehöre, seine Angaben
bezüglich seiner hohen Abkunft auf Wahr-
heit beruhen, er selbst aber demoralisirr
und mit seiner Familie deshalb entzweit
sei. Hatte sie ihn schon mit Widerwillen
und aus Berechnung geheiratet, so
widerte er sie nunmehr physisch und
moralisch an: sie setzte nun alle Hebel
in Bewegung und es gelang mit Hilfe
einiger in Athen gewonnenen Freunde
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Wurmser-Zhuber, Volume 59
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Wurmser-Zhuber
- Volume
- 59
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1890
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 428
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon