Page - 344 - in Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich - Wurmser-Zhuber, Volume 59
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Zernecke 344 Zerr
sind in Form einer Thorarolle auf
einem einzelnen Papierstreifen von
52 Centimeter Höhe und 4 Meter Länge
an beiden Enden an Cylinderstäben be-
festigt. Sie sind von socialer Tendenz,
^ Wildgeruch vermischt sich mit Weih»
rauckduft, und man glaubt Herrenhuter-
Hymnen in atheistischer Modernisirung"
zu lesen, wie ein Kritiker» treffend be-
merkt; diese Gedichte, schon in tl. Auf-
läge erschienen, stellen die Gründe und
die Tragik des Ehebruchs dar. — „Das
Gretchen von heute" (Wien 1890, Ver-
lag der ^ a H5oä.s" in schmal oblangem
Format) ist ebenfalls von socialer Ten-
denz. Es enthält auch reizende Einzeln-
heiten und gibt psychodramatisch ein
Bild modernen Liebens, wie es der Ma>
terialismus der Zeit gestaltet. Es tritt für
das vermögenlofe Mädchen ein, das „ge»
liebt" und nicht „geheiratet" wird, und ist
eine Anklage gegen jenes moderne Freier-
thum, von welchem die Dichterin das
arme Gretchen sagen läßt: „du wirft zur
Schwalbenblaut wählen, die dir das
Nest erbaut". Die sinnberückende Dar-
stellungsweise der erotischen Leidenschaft
hat den Staatsanwalt veranlaßt, das
Buch in Oesterreich zu verbieten.
Neue Freie Presse (Wiener polit. Blatt)
December <874, Nr. 3703 und 3709: „Ma-
dame Kulokutronis". — Kaktus (Wiener
Witzblatt, gr. Fol.) l574. Nr. 34 im Feuil«
leton: „Blaustrumpf und Fürstin".
Zernecke, Julius Eduard (Architect,
geb. in Danzig 1813, gest. zu Wien
26. September 1844). Ein Schüler und
Landsmann des berühmten preußischen
Architecten Schinkel, begann er seine
künstlerische Laufbahn unter seinem Onkel,
dem Stadtbaurathe Zernecke in Dan»
zig. I n der Folge kam er nach Berlin
und betheiligte sich unter Aufsicht des
Berliner Architecten Eduard Knoblauch an der Ausführung deS von demselben
entworfenen und geleiteten Prachtbaues
des dortigen russischen Gesandtschafts-
Hotels. Nun erhielt er einen ehrenvollen
Ruf nach St. Petersburg, mußte aber
denselben seiner schon damals wankenden
Gesundheit wegen, welcker das nordische
Klima gefährlich werden konnte, ab-
lehnen. Dieser Umstand brachte ihn im
Spatherbst 1840 in das unter milderem
Himmelsstrich gelegene Wien, wo er nun
bleibenden Aufenthalt nahm und mehrere
Bauten ausführte und leitete, die seinem
Namen in der Baugeschichte dieser Stadt
zu einer Zeit, als noch der berüchtigte
Kasernenbaustyl in voller Blüte stand,
ein ehrenvolles Andenken sichern. Wir
nennen von diesen Werken das nach dem
Plane Professor Förster's ausgeführte
Pereira'sche Börsenhaus in der Weih»
burggasse in Wien, die Bauten für den
Grafen Taroucca in Czech, für den
Gutsbesitzer Pargfrieder in Wetzdorf,
wo nachmals auf dem Heldenberge das
berühmte jetzt in vollem Verfall begriffene
Armeemausoleum entstand; dann in
Wien den Sperlsaal und die Aus-
schmückung des sogenannten Wagner'»
schen Kaffeehauses an der Ferdinands-
brücke, von welch' letzterer Arbeit freilich
heute nichts mehr zu sehen ist. Leider
raffte den ungemein strebsamen Künstler,
der durch sein anspruchsloses, biederes
und offenes Wesen viele Freunde und
Gönner gewonnen hatte, der Tod im
Alter von erst 29 Jahren dahin.
N e a l i s. Cutiositäten und Memorabilien«
Zerikon von Wien (Wien 1846. Ler. 8«)
Bd. I I , S. 424.
Zerr, Anna (Sängerin, geb. zu
Baden-Baden 26. Juli 1822, gest.
auf ihrer Besitzung zu Winterbach bei
Karlsruhe 13., nach Anderen 14. Juni
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Wurmser-Zhuber, Volume 59
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Wurmser-Zhuber
- Volume
- 59
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1890
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 428
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon