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Zuber, Aihanasiüs 286 Zuber, Athanasius
e82,lli6ai, d. i. Siebenbürgens adelige Fann«
lien (Klausenburg t854. 8°.) S. 249.
Zuber, Athanasius (Bischof von
Augustopolis und Missionär, geb. in
Wien am 2. Jänner 1824, gest. in
Gmunden am 14. Mai 1872). Der
Sohn eines Kaufmannes in Wien,
besuchte er das Schottengymnasium
daselbst, bezog die Wiener Hochschule
und trat im Jahre 1843 in den
Orden der Capuciner. I n demselben
vollendete er die theologischen Studien
und wurde am 1. Juli 1848 zu Neutra
in Ungarn zum Priester geweiht. Lange
schon trug er das Verlangen, das Christen-
thum unter den heidnischen Völkern,
namentlich unter denen Nordamerikas zu
verkünden. Als dann 1830 ein Ordens»
bruder, der seit 1844 in New-York dem
Misfionsberufe obgelegen, nach Europa
kam, um neue Arbeiter für den Wein»
berg des Herrn zu sammeln, war Zuber
einer der Ersten, die sich meldeten. Die
ihm von seinen Provinzoberen versagte
Erlaubniß nöthigte ihn, solche bei seinem
Ordensgeneral anzusuchen. Inzwischen
war Zuber von Preßburg in die Seel-
sorge nach Linz versetzt worden, und dort
traf ihn aus Rom die Nachricht von
seiner Aufnahme in das Collegium der
Propaganda zugleich mit der Verstand i-
gung, daß er nicht nach Nordamerika,
sondern nach Ostindien gesendet werde.
Obwohl in seiner Erwartung getäuscht,
ging er, geh'orsam seinen Oberen, statt
nach Nordamerika nach Asien. Im No-
vember 1830 begab er sich nach Rom,
wo er am 30. December sein letztes Rigo-
rosum im Collegium der Propaganda
ablegte. I m Jänner 1851 trat er seine
Reise an. Nach mancherlei unvermutheten
Zwischenfällen kam er über Aegypten in
Aden und endlich in Bombay an. Von
da ging er nach einiger Rast nach Patna, dem Schauplatz seiner künftigen segens-
reichen Thätigkeit. Dort entwickelte er
bald einen solchen Eifer in seinem Be>
rufe, daß er schon am 9. Juli 1834 zum
Bischof von Augustopolis in partibus
inüäsliurn confecrirt wurde. Er zahlte
erst 30 Jahre. I n der 400.000 Be-
wohner fassenden Stadt Patna waren
seine nächsten Werke ein Waisen- und
Erziehungshaus für arme Kinder, für
welche er Münchener Klosterfrauen berief,
dann ein Seminar zur Heranbildung
von Jünglingen für den Priesterftand.
Um die dazu erforderlichen Geldmittel
zu erlangen, reiste er selbst 1836 nach
Europa, von wo er, nachdem er in Ita-
lien, Deutschland und Frankreich reiche
Gaben für seine Zwecke gesammelt hatte,
in seine Diöcese zurückkehrte. 1837 brach
im Westen Indiens die bekannte Militär-
revolution aus und verbreitete ihre
Greuel über das ganze englische Indien.
Es ist nicht Aufgabe unseres Werkes, den
Gang dieser entsetzlichen Ereignisse, das
mitleidlose Gebaren der Engländer, die
Erbitterung der Eingeborenen und die
Grausamkeit zu schildern, welche diese
Rebellion von allen Seiten im Gefolge
hatte, und durch welche auch Zuber
wiederholt in große Gefahren für seine
ission und sein Leben verwickelt wurde;
die unten angedeuteten Quellen geben
einigermaßen einen Einblick in diese ent»
setzlichen durch Fanatismus und Racen-
haß heraufbeschworenen Zustände. Zu-
ber wendete mit großer Umsicht die Ge»
fahren von den seiner Obhut anver-
trauten Anstalten ab und that Alles, um
dieselben vor den Greueln der Solda»
tesca zu sichern. Aber die furchtbaren
Ereignisse, welche alle seine Kräfte m
Anspruch nahmen, brachen auch die,'
selben. Schon 1838 riethen ihm die
Aerzte, Indien zu verlassen und im
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
Zichy-Zyka, Volume 60
- Title
- Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
- Subtitle
- Zichy-Zyka
- Volume
- 60
- Author
- Constant von Wurzbach
- Publisher
- Verlag der Universitäts-Buchdruckerei von L. C. Zamarski
- Location
- Wien
- Date
- 1891
- Language
- German
- License
- PD
- Size
- 13.41 x 21.45 cm
- Pages
- 430
- Keywords
- Biographien, Lebensskizzen
- Categories
- Lexika Wurzbach-Lexikon