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Nikolaus II. Esterházy und die Kunst - Biografie eines manischen Sammlers
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GESTALTEN WIE EIN KÖNIG142 64 Valentin Hauter an die Stalldirektion, 5. Mai 1803, in : EPA, CD 1803/4039. Geliefert wurden ein viersitziger Staatsgalawagen für die Fürstin, ein Barutschka und das Carical für den Fürsten (vgl. EPA, CD 1803/3608, 2. Dezember 1803). Die Fürstin hatte sich zunächst in Wien einen neuen Staatsgalawagen bauen lassen wollen, was der Fürst aus London versagte und ihr dafür selbst ein Londoner Gefährt bestellte (vgl. EPA, CD 1803/299, 647, Januar–Mai 1803). Vgl. Stall und Wagenburg Inventarium von Wien u. Eisen- stadt, 1818, in : EPA, Prot. 6087, hier wohl : Nr.  2. 65 Oftmals fälschlicherweise als Matson bezeichnet. 66 Vgl. EPA, CD 1803/3076, 3734, November–De- zember 1803. 67 Vgl. Vaterländische Blätter für den österreichischen Kaiserstaat, Jg. 8, Nr.  86 (26. Oktober 1816), S.  505. 68 Vgl. Janetschek 1984 und Janetschek 1986. Eine erste englische »Feuer-Maschine« in Wien wurde 1722 für das Gartenpalais Schwarzenberg vom englischen Ingenieur Isaac Potter und dem Architekten Joseph Emanuel Fischer von Erlach installiert. 69 Vgl. dazu Patriotisches Tageblatt, Jg. 1805, Nr.  50 (11. Mai 1805), S.  199f. 70 Das berühmte Bild : »An observer entering a room full of Britains’s 200 wealthiest men in 1825 might be forgiven for thinking that the Industrial Revolution hab not occured« (Rubin- stein : William D.: Men of Property. The very wealthy in the British Since the Industrial Revo- lution, London 1981, zit. nach : Berghoff 1994, S.  102). 71 Vgl. Franz Karl 1819, S.  12f. Abbildung der Reste der Konstruktion in Kristan 2009, S.  84. 72 Vgl. EPA, CD 1810/1721, 16. März 1810. Be- schreibung des Mechanismus und der Vorzüge : Sartori 1812, S.  120. In Laxenburg und Schön- brunn gab es auch Aufzüge, die allerdings mit Menschenkraft betrieben wurden. ria Hermenegilde wollte nun, »wie jetzt die hiesige Mode ist, auf englische Art  … fahren«64, was daraufhin auch in Wien zum neuesten Luxus wurde. Die spektakulärste Neuerung, die Nikolaus allerdings aus London mitbrachte, war die Dampfmaschine. Im Juni 1803 schloss der Fürst mit dem Konstrukteur David Watson am Soho Square in London65 den Vertrag zur Erbauung einer vier PS starken Dampfmaschine zum Wasserpumpen, die von Anfang an für den Gar- ten von Eisenstadt und den Betrieb der dortigen Wasserfälle und Bewässerungen gedacht war. Damit standen hinter der Bestellung keine wirtschaftlichen Beweg- gründe, sondern lediglich das künstlerische Ansinnen, seinen Garten zu verschö- nern. Watsons Maschine folgte dem Patent für Hochdruckmaschinen von Richard Trevithick (1771–1833), der 1803 in London mit der Entwicklung der London Steam Carriage für Furore gesorgt hatte. Scheinbar schneller als dieses Gefährt fuhr, wollte der Fürst seine Dampfmaschine haben und drängte darauf, in nur drei Monaten Bau, Probelauf und Überführung per Schiff nach Ungarn abzuwi- ckeln66. Wieder wurde ein Experte angeworben, der Mechaniker Johann Dietrich Langreuter (1774–1812), der von London nach Eisenstadt übersiedelte und mit der Installation und Wartung der neuen Maschine betraut wurde67. Im Dezember 1803 erreichte das technische Wunderwerk den Garten von Eisenstadt und dürfte damit die erste Dampfmaschine überhaupt gewesen sein, die nicht für wirtschaft- liche Zwecke eingesetzt wurde. Dennoch war sie mehr als eine fürstliche Spielerei, vielmehr trug die Eisenstädter Dampfmaschine wegen ihrer Popularität als die Erste ihrer Art in den habsburgischen Erblanden68 und infolge der Vorführungen eines verkleinerten Modells in Wien69 wesentlich zum Technologietransfer nach Österreich bei. Prinzipiell wurde jedoch aus Nikolaus II. kein Motor der frühindustriellen Re- volution, denn zu klein waren seine Förderungen technischer Innovationen. Und so blieb er auch nach den Erfahrungen in der »Werkstatt der Welt«, wie man Eng- land später nennen sollte, den angestammten Wirtschaftsgebaren auf seinen Herr- schaften treu, die er allerdings gemäßigt mit technischen Innovationen reformierte. Hierin unterschied er sich von den hocharistokratischen landowners auf der Insel, denen man kurz nach 1800 Fortschrittsblockade nachsagte. Denn der Adel in den höchsten Sphären blieb den angestammten Traditionen und Wirtschaftsstrukturen treu und überließ die Innovationen in Technik und frühindustrieller Revolution, wie den Kanal- und Eisenbahnbau, den aufstrebenden Kleinadligen und Bürgern70. Und die Technikbegeisterung Nikolaus’ hielt an. 1809 konstruierte der spätere soge- nannte Maschinendirektor Langreuter eine Auffahrtsmaschine für das Eisenstädter Schloss71, welche mit einer Abfallsicherung drei Etagen miteinander verband und 1810 gebaut wurde72. Auch die Konstruktionszeichnung eines Wasserklosettstuhls nach englischen Vorbildern belegt dies. Die große Reise nach Paris und London in den ersten acht Monaten des Jahres 1803 war, wie die Italienreise 1795, Beginn einer neuen Lebensphase mit zahlrei- chen Projekten des von Neugier und Entdeckerfreude getriebenen Fürsten. Beide Male hatte er sich sofort und schnell entschlossen, in kurzen Friedenszeiten der Epochenwende in die wichtigsten Städte Europas zu begeben – zunächst nach Rom und Neapel, wo er seine Kunstsammlungen begründete und mit Geistesgrößen und Kunsttheoretikern zusammentraf ; dann nach Paris und London, wo er die neuesten Architekturen und technischen Innovationen sah, die er zur Erneuerung seiner Re-
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Nikolaus II. Esterházy und die Kunst Biografie eines manischen Sammlers
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Nikolaus II. Esterházy und die Kunst
Untertitel
Biografie eines manischen Sammlers
Autor
Stefan Körner
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2013
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 2.0
ISBN
978-3-205-78922-2
Abmessungen
23.0 x 28.0 cm
Seiten
404
Kategorie
Kunst und Kultur
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