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Nikolaus II. Esterházy und die Kunst - Biografie eines manischen Sammlers
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Der Fürst sammelt in London Innovationen 143 73 Vgl. Andrian-Werburg, Victor Freiherr von : Öster reich und dessen Zukunft, Wien 1847 ; ähnlich Kübeck, Carl Friedrich Freiherr von : Tagebücher, hg. von Max von Kübeck, Teil 1 (1810–1839), Wien 1909, zit. nach : Stekl 1973, S.  126. 74 Vgl. Rechnungen zur Reise : EPA, DD 1803/1695, 5. April 1804 ; CD 1805/1817, 4181, 25. April und 9. September 1805. 75 Die Stationen legte jedoch der Fürst penibel fest, der kaum Spielraum für Pölts eigene Interessen und Ideen gewährte. Als Pölt vorschlug, seine Reise über Holland, Frankreich und Deutschland zu verlängern, verbot ihm der Fürst dies, da er jeden Umweg als verlorene Zeit empfand : Die »schönsten, und anwendbarsten Gegenstände [hätte er] in England sich bereits eigen gemacht« (vgl. Anton Pölt an Nikolaus II., 1. April 1805 und fürstlicher Kommentar, in : EPA, CD 1805/1818). Im Grunde machte Nikolaus seine Beamten zu seinem verlängerten Forscherarm. 76 Nikolaus sandte Ideen und Planmaterial, so Robertson, William : A collection of Various Formes and Stowes, used for … Preserving Tender Exotics, London 1798 (Esterházy Privatstiftung, Schloss Eisenstadt, Fürstliche Bibliothek). Auch Pläne zu hochspezialisierten Gewächshausanlagen des Wiener Augartens (Pfirsichhaus im Prinz Albert Garten) und Schönbrunns (Ananashaus, Wein- haus) stammen aus dieser Zeit (vgl. MOL, FAE, T2, Nr.  1282, 1474). sidenz Eisenstadt und des Majorats benötigte. Die alten und neuen Kunstwerke, das neue Wissen in Botanik, Museologie, Technik und Landwirtschaft, die Trends und Moden in Architektur und Landbaukunst übertrug der Fürst nach Eisenstadt. Kis- tenweise nach Wien gesandte Publikationen und Geräte, aber auch angeworbenes Fachpersonal gaben den fürstlichen Projekten auf seinen ungarischen Herrschaften einen europäischen Erfahrungshorizont. Nikolaus war am Puls der Zeit und be- stimmte innovativ, selbstbewusst und kenntnisreich seine Umwelt. Dabei übernahm er jedoch nicht unkritisch jede Neuerung, wie etwa die englischen Kleinarchitektu- ren im gothical revival. In Paris hatte er Napoléon, dessen ungeheure Aufstiegskraft ganz Europa als Sinnbild des Erfolgs faszinierte, erlebt und dessen Werk bewun- dert. Dieser bewies, welch ungemeine Möglichkeiten bestanden, wenn mit großer Willensstärke und Zielstrebigkeit gestaltet wurde. Er bewies, dass eine Erneuerung des absolutistischen Systems möglich war. Er machte zudem deutlich, welche große Rolle Kunst und Wissenschaft bei der Zurschaustellung der Macht hatten. In Lon- don hatte Nikolaus die englische Kleinaristokratie erlebt, die Lenker eines beson- nenen Fortschritts war und damit ihre Daseinsberechtigung als Bindemittel der Nation recht erfolgreich gefunden hatte73. Entsprechend galt ihr die Hochachtung des Volkes aufgrund ihrer Innovationsleistung und nicht wegen der Privilegien, wie es auch Charles Louis de Montesquieu eingefordert hatte. In seinem Aufsaugen von künstlerischem und technischem Fortschritt schien Nikolaus II. 1803 also Teil einer jungen fortschrittlichen Oberschicht in Österreich, die gemäßigte Reformen lostrat und damit den Bildungstransfer auch der Bevölkerung zugänglich machte. Derart eignete sich auf seiner Reise nicht nur der Fürst Wissen an, sondern er initiierte auch für seine Mitarbeiter den Wissenstransfer. Neben dem Material zu Experimenten oder Büchern schickte er so z. B. seinen Eisenstädter Gärtner Anton Pölt (Schlossgärtner ab 1791, Hofgärtner 1801–1808) für mehr als ein Jahr »in die vorzüglichsten Gegenden Englands, um die Treybereyen und dessen Verfahrungs Arten zu sehen«74. Der Gärtner sollte auf ausdrücklichen Wunsch des Fürsten das Hauptaugenmerk auf blühende Frühlingskulturen und chemische Pflanzenpräpa- rate legen, also dezidiert wissenschaftliche Recherchen für die Eisenstädter Samm- lungen vornehmen75. Damit war die Reise von 1803 Initialzündung der Umsetzung des wichtigsten Großprojektes von Fürst Nikolaus II., welches bereits um 1797 durch verschiedene, allerdings nicht konsequent verfolgte Initiativen vorbereitet worden war, nämlich die Formung der Eisenstädter Kulturlandschaft, die das zeitgenössische Diktum der Verbindung des Schönen mit dem Nützlichen erfüllen sollte. Nikolaus verlor keine Zeit bei der Umsetzung der neuen Ideen und wies schon während der Reise stetig Änderungen für das erste Bauprojekt dieser Kulturland- schaftsidee an, die Eisenstädter Treibhäuser. Ausgehend vom erst 1802 eingeweih- ten Orangeriebau hatte Architekt Maximilian von Verschaffelt in der ersten Jahres- hälfte durch vielfältige Anweisungen des Fürsten aus Paris und England die Pläne verändern und die Anlagen stetig vergrößern können76. Fünf erhaltene Planvari- anten belegen die Formen- und Organisationssuche der Bauten, die ganzheitlich Gartenkunst, Architektur, Botanik, Landespflege und -wirtschaft, Sammlerfleiß und Weltbildung verbinden sollten, wie die geplante Inschrift des Orangeriebaus verkündete : »Der Natur und Kunst gewidmet«. Im Herbst 1803, also gleich nach der Rückkehr des Fürsten, entstanden wiederum gänzlich überarbeitete Pläne, die
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Nikolaus II. Esterházy und die Kunst Biografie eines manischen Sammlers
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Nikolaus II. Esterházy und die Kunst
Untertitel
Biografie eines manischen Sammlers
Autor
Stefan Körner
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2013
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 2.0
ISBN
978-3-205-78922-2
Abmessungen
23.0 x 28.0 cm
Seiten
404
Kategorie
Kunst und Kultur
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