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GESTALTEN WIE EIN
KÖNIG146 80 Vgl. Ehmke 2001, S. 60.
81 Verschaffelt plante 1802/03 einen großen eng-
lischen Garten nördlich und nordöstlich des
Schlosses in der reizvollen Hanglage des Leitha-
gebirges. Gegenüber dem Schloss sollte an einem
Pleasureground eine große Kaskade entstehen,
den östlichen Gartenteil ein Tempel dominieren.
Schlängelwege, wie sie Verschaffelt aus Schwet-
zingen und München kannte, durchzogen den
Garten und wurden von kontrastierten Gehölz-
pflanzungen mit üppigen Blumenbeeten als ein
englischer Garten deutscher Prägung gestaltet.
Damit wollte er sich von den landschaftlichen
Vorbildern Englands abgrenzen und gestalte-
risch den Vorgaben Cay Lorenz Hirschfelds
(1742–1792) folgen, der z. B. mittels Blumenan-
pflanzungen Belege der künstlerischen Schöpfer-
kraft des Menschen im Garten präferierte. Der
Besucher sollte nicht glauben, er spaziere bloß
auf einer Wiese herum.
82 Zum Föhrenwald siehe Kalamár 2001 und
Kalamár 2005.
Sonne Pannoniens lag um Eisenstadt, so weit das Auge reichte, Esterházy-Land.
Erleichternd für das umfangreiche Projekt des Fürsten waren die Vorarbeiten sei-
ner Vorfahren, welche die Landschaft für einen großen Hof nutzbar gemacht und
»nobilitiert« hatten, wie die ausgedehnten Jagdareale und Tiergärten um Eisenstadt
oder die unter Fürst Anton begonnene Neuordnung des Schlossplatzes mit den
Stallungsgebäuden, die Nikolaus ja unter zahlreichen Schwierigkeiten weiterentwi-
ckelt hatte. Nach der Phase des Suchens konnte nun die erträumte Umgestaltung
seiner Residenz nach ganzheitlichem Konzept und unter der Federführung des aus
Paris »mitgebrachten« Architekten Charles Moreau beginnen. Damit wurde der
Vorabend des Dritten Koalitionskrieges in Europa der Beginn eines Gigantenwerks
in Eisenstadt.
Schon während der Paris-London-Reise hatte der ungeduldige Nikolaus mit
den Veränderungen der Planungen im Lichte der neuen Erkenntnisse mit den
Treibhaus- und Orangerieanlagen begonnen. Auch Pläne zur Umgestaltung des ge-
samten Gartens als »englische Anlagen«80 waren unter Maximilian von Verschaffelt
im Werden. Diese sollten in den nächsten Monaten sukzessive in den Verantwor-
tungsbereich von Charles Moreau übergehen81, der als erstes Projekt als fürstlicher
Architekt jedoch einen ganz neuen Garten nördlich des Schlosses Eisenstadt in den
Leithagebirgshängen zu entwerfen hatte – Nikolaus II. veranlasste die Anlegung
des sog. Föhrenwaldes.
3.1 Marientempel und Maschinenhaus als Voraussetzung
Nachdem das Grundstück hoch über dem Schloss vom Fürsten erworben worden
war, ließ er hier von Moreau einen Garten anlegen, dessen Zentrum der bereits
erwähnte Nachbau des Pavillons der Madame Moreau bei Orsay sein sollte82. Was
mit der Abkehr vom großen Schlossgartenprojekt abermals als die übliche mani-
sche Planlosigkeit des Fürsten erscheinen mochte, war jedoch klug erdacht. Denn
es entstand im Sinne der modernen sentimentalen Landschaftsgärten ein kleiner
Waldpark aus bestehenden amerikanischen Föhren, der eine Fingerübung zu Grö-
ßerem war. Hier sollten die großen Bauvisionen für die Kulturlandschaft und das
Schloss an einer überschaubaren Musterbaustelle und die Leistungsfähigkeit der
fürstlichen Bauverwaltung erprobt werden. Im Föhrenwald testete Nikolaus seinen Gedenkstiche der Medaillen zu den Bauten der
Eisenstädter Kulturlandschaft im Jahr 1805:
Marientempel im Föhrenwald (Baubeginn 1804,
versenkt September 1805), Rampe am Schloss
(September 1805). Esterházy Privatstiftung, Archive.
Nikolaus II. Esterházy und die Kunst
Biografie eines manischen Sammlers
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Titel
- Nikolaus II. Esterházy und die Kunst
- Untertitel
- Biografie eines manischen Sammlers
- Autor
- Stefan Körner
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2013
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 2.0
- ISBN
- 978-3-205-78922-2
- Abmessungen
- 23.0 x 28.0 cm
- Seiten
- 404
- Kategorie
- Kunst und Kultur