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Nikolaus II. Esterházy und die Kunst - Biografie eines manischen Sammlers
Seite - 158 -
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GESTALTEN WIE EIN KÖNIG158 100 Revolutionsklassizistische Einflüsse finden sich um Wien in erster Linie bei Kleinbauten im Garten (Pyramide auf dem Anninger, Joseph Hardtmuth, 1811), Grabmälern (Festetics- Mausoleum in Keszthely, 1820) oder aber in späteren Kirchenprojekten (Kathedrale in Gran, 1824). Moreaus Projekt wirkte aber in seiner architektonischen Disposition in der später er- bauten Weilburg bei Baden (Joseph Kornhäusel, 1820) und in Details des Palais Razumofsky in Wien nach, wovon sich Pläne in der fürstlichen Modell- und Plansammlung befanden (vgl. Inventare über die Modelle, Pläne und Instru- mente des ehemaligen Hofbauamtes, 1818, in : EPA, Prot. 5757 und 5758), fort. 101 Vgl. zum Palais und der Zuschreibung an Mo- reau : Kalamár 2004, S.  123ff. 102 Zu nennen sind – auch formal – die mit den das ganze Gelände durchziehenden Drives ver- gleichbaren Planungen Friedrich Ludwig von Sckells (1750–1823) in Nymphenburg (1804– 07) oder den Englischen Garten in München (1804/1807). gleichzeitig ähnliche Architekturen geschaffen, doch dies fast ausschließlich für Kleinbauten in Gärten100, nicht aber in solch wahrlich größenwahnsinnigem Maß- stab und schon gar nicht vor dem Hintergrund der Koalitionskriege. Allein die do- minante Eisenstädter Säulenstellung verpflanzte Moreau 1806 zum Wiener Palais der Fürstin Lubomirska101, die auch Nikolaus’ Architekten Thomas de Thomon für die Galerieausmalung in Łańcut beschäftigt hatte. Für die das Schloss umfangenden Gartenanlagen gibt es ebenso wenig ver- gleichbare Umgestaltungen oder gar Neuanlagen von Gärten um 1805102. Denn prinzipiell waren die großen englischen Gärten Deutschlands, in Potsdam, Wör- litz, Weimar, Schwetzingen, Wilhelmshöhe und Laxenburg, kurz nach 1800 voll- endet oder die Arbeiten fast gänzlich zum Erliegen gekommen. Die genannten politischen und wirtschaftlichen Gründe sowie die gesellschaftliche Wahrneh- mung des absolutistischen Luxus verhinderten größere Bauarbeiten. Lediglich die Anlagen der Brüder von Esterházy-Fürstin Maria Hermenegilde, Fürst Aloys I. und Johann I. Liechtenstein, in Südmähren wuchsen parallel mit den Planungen für Eisenstadt in gigantischem Ausmaß. Ausgehend von einem zentralen Schloss- garten, jenem in Eisgrub, entstand auch hier eine Kulturlandschaft, in der ein System von Alleen, Reitwegen, Garten- und »nobilitierten« Nutzbauten in weite- ren, kleinen Gartenanlagen eine ganze Region neu ordnete. Die Gartenplanungen, die ökonomischen und gestalterischen Grundlagen der Liechtenstein-Gärten um Eisgrub und Feldsberg waren einzige und wichtigste Parallelentwicklung, Vorlage und Vergleichsobjekt für die Esterházy-Gärten in Eisenstadt. »Profil nach der Laenge an dem Hochfürstlich Esterhazyschen Schlosse zu Eisenstadt«, kolorierte Federzeichnung von Joseph Ringer d. J. (1754– 1833), nach dem Entwurf von Charles Moreau (1760–1840), 1815. Esterházy Privatstiftung, Archive, Plansammlung (Nachlass Ringer).
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Nikolaus II. Esterházy und die Kunst Biografie eines manischen Sammlers
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Nikolaus II. Esterházy und die Kunst
Untertitel
Biografie eines manischen Sammlers
Autor
Stefan Körner
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2013
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 2.0
ISBN
978-3-205-78922-2
Abmessungen
23.0 x 28.0 cm
Seiten
404
Kategorie
Kunst und Kultur
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