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GESTALTEN WIE EIN
KÖNIG162 103 Vgl. Nikolaus II. an Henriette Zielinska,
29. März 1806, in : MOL, FAE, P134, E,
Nr. 807.
104 Vgl. Nikolaus II. an Henriette Zielinska, 8. No-
vember 1804, in : MOL, FAE, P134, E, Nr. 784.
105 Vgl. zu den Anfängen und Grundlagen der
Anlagen : Körner 2005.
106 Pflanzeneinkäufe z. B. in : EPA, CD 1808/5038,
5426.
107 Vgl. Kalamár 2004, S. 135.
108 Vgl. Colin, Joseph Theodor : Gründlicher Un-
terricht, die besten französischen Obstbäume zu
pflanzen, und derselben Früchte zu benutzen. Auf
Verlangen mehrerer Gartenliebhaber herausgegeben,
Eisenstadt 1802. Colin war Hofkaplan Niko-
laus’ II. Esterházy.
109 Vgl. EPA, CD 1812/4743, 28. Oktober 1812.
Damals jedoch Umgestaltung zum Küchengar-
ten.
110 Vgl. auch Fürstlich Esterházysches Institut zu
Eisenstadt, in : Oekonomische Neuigkeiten und
Verhandlungen, Jg. 13 (1818), S. 433–435. Später
leitete die Schule Prof. Joseph Groß (vgl. EPA,
CD 1812/16, 791 sowie Schweickhardt 1834,
S. 11).
111 Vaterländische Blätter für den österreichischen Kai-
serstaat, Jg. 1, Nr. XXIV (29. Juli 1808), S. 199f.
112 Sicher hatte die Eisenstädter Schule auch im
Georgikum in Keszthely ihren Vorläufer, wo
von Graf Franz Széchényi und Georg Festetics
1797 die erste forst- und landwirtschaftliche
Forschungs- und Lehranstalt Europas gegrün-
det worden war. Tobler betont jedoch, dass es
nach den Akten des EPA keine nachweisbaren
Verbindungen mit dem Georgikum gab (vgl.
Tobler 2010, S. 151).
3.3 Eisgruber Nützlichkeit als Grundlage der Kulturlandschaft
Als in seinem Eisenstädter Garten ab 1805 die Mauern wuchsen, Säulen gemeißelt,
Erde umgewühlt, Bäche verlegt, Bäume ge- und verpflanzt wurden und stetig neue
Lieferungen von botanischen Kostbarkeiten ankamen, verbrachte der Fürst viel Zeit
zu Pferde in den umliegenden Wäldern. Nikolaus beschrieb in einem privaten Brief,
wie er emsig Stellen für neue Gestaltungsmöglichkeiten von Bauten und Garten-
anlagen im Leithagebirge erkundete103. Damit war der Waldpark um den Marien-
tempel zum Vorzeichen einer größeren gartenkünstlerischen Landnahme der Eisen-
städter Kulturlandschaft geworden, die Nikolaus für die Umgebung seiner Residenz
erträumte. Und wieder stand eine Reise am Beginn eines Gestaltungsaufschwunges.
So besuchte der Fürst im November 1804 die Güter seines Schwagers Aloys
Liechtenstein in Feldsberg und Eisgrub104, wo er neue Inspirationen sammeln konnte.
Hier, zwischen Südmähren und Niederösterreich, fand Nikolaus eine im Wachsen
begriffene Kulturlandschaft vor, die wichtige Vorbild- und Konkurrenzwirkung auf
die Entwicklung der Landschaft um Schloss und Garten von Eisenstadt hatte. –
Auch in Eisgrub begannen 1804, nach einer langen Phase des Experimentierens,
die großen Umgestaltungen des Gartens nach einem einheitlichen Plan, der Jagd-
gebiete, Schlösser, Garten- und Nutzbauten, Aussichtsplätze und künstliche Ge-
wässer zusammenschloss. In Verbindung mit den Liechtenstein’schen forstlichen
Plantagen und Obstgärten, die die pittoresk-ästhetischen, aber auch ökonomisch-
botanischen Forderungen an die verschönte Nutzlandschaft erfüllten, wuchs paral-
lel zu Eisenstadt ein Gartenreich, das die Forderung der Verbindung des Schönen
mit dem Nützlichen erfüllte105. In vorbildlichen Einrichtungen, wie Schaugärten
und einer Schule (ab 1803), wurde dieses Wissen an die Liechtenstein’schen Unter-
tanen vermittelt und damit weiterentwickelt.
Nikolaus, in engem Kontakt zu seinem Liechtenstein-Schwager stehend,
konnte hierauf aufbauen. So bezog er Eisgruber Exoten für die Eisenstädter An-
lagen106, konnte damit sofort nützliche und schöne Waldbäume für Gartenkunst,
Landesverschönerung und Volkswirtschaft in seinen Anlagen auspflanzen und
warb sogar einen Eisgruber Gärtner ab107. Auch die emsigen Bemühungen um
die Förderung der Botanik, vor allem durch die Pflanzensammlung in den ste-
tig wachsenden Eisenstädter Orangerien und Pflanzhäusern, brauchten den Ver-
gleich mit Entwicklungen in England und Eisgrub, mit denen Esterházy wettei-
ferte, nicht zu scheuen. So wuchsen ab 1804 in Eisenstadts Gärten nicht nur die
ausgepflanzten exotischen Baumgruppen, sondern auch Nutzanlagen zur Pflan-
zen- und Waldkunde. Fürst Nikolaus gründete systematische Obstbaumplanta-
gen in St. Georgen, über die wissenschaftlich publiziert wurde108, eröffnete den
forstbotanischen Garten am Oberberg109 und ab 1806 die Eisenstädter Forst-
schule110. Er finanzierte die Schuleinrichtung und den Lebensunterhalt für an-
fangs fünfzehn Zöglinge, die von vier Professoren neben der praktischen Arbeit
in Arithmetik, Geometrie, Pflanzenzeichnen, Geschäftsstil, Landbaukunst und
Forstwissenschaften unterrichtet wurden. Hiermit zog sich der Fürst neue ge-
eignete Beamte für seine Wälder heran. Die Presse lobte die Schule als patri-
otisch-volksökonomischen Eifer »für alles Gute und Gemeinnützige und seine
[des Fürsten] Neigung zu großen und nützlichen Unternehmungen« und seine
»musterhaften Wirtschafteinrichtungen«111, die mit der erwähnten Eisgruber Bil-
dungsanstalt verglichen wurde112.
Nikolaus II. Esterházy und die Kunst
Biografie eines manischen Sammlers
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Titel
- Nikolaus II. Esterházy und die Kunst
- Untertitel
- Biografie eines manischen Sammlers
- Autor
- Stefan Körner
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2013
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 2.0
- ISBN
- 978-3-205-78922-2
- Abmessungen
- 23.0 x 28.0 cm
- Seiten
- 404
- Kategorie
- Kunst und Kultur