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Der Fürst baut eine Kulturlandschaft : Eisenstadt 163
113 Thaer schreibt, er habe von Fürst Carl Lich-
nowsky (1761–1814) vom Interesse des Fürsten
für agrarische Innovationen gehört (vgl. Thaer
an Nikolaus II., 20. August 1807, in : EPA, DD
1807/5540). Nikolaus II. ist auch Subskribent
von Thaers erstem Band der Grundsätze der
rationellen Landwirthschaft/Begründung der Lehre
und des Gewerbes : Oekonomie oder die Lehre von
den landwirthschaftlichen Verhältnissen, Berlin
1809 ; vgl. Tobler 2010. Da solcherlei Innovationsfreude von Eisenstadt in die deutschen Lande drang, mel-
dete sich 1808 der angesehene Begründer der Agrarwissenschaft, der Preuße Al-
brecht Daniel Thaer (1752–1828), beim Fürsten113. Nikolaus finanzierte daraufhin
die Ausbildung von zwei Esterházy-Praktikanten im brandenburgischen Mustergut
Thaers in Möglin und ließ nach deren Erkenntnissen ab 1808 zwei Mustergüter
auf Esterházy-Land anlegen, um die neuen Anbauideen aus dem Norden auch in
Ungarn zu erproben.
Fürst Nikolaus II. setzte also am Beginn des Ausbaus seiner Kulturlandschaft auf
botanische Neuerungen und Raritäten und wollte so eine mustergültige Entwick-
lung von innovativer und nachhaltiger Landespflege sowie repräsentativer Garten-
kunst für Eisenstadt initiieren. Dem Vorbild seines Schwagers Aloys Liechtenstein
in Eisgrub nacheifernd, entsprach der Fürst so den aufgeklärten Forderungen nach
Wissenschaftsförderung und mit seinen Lehrgärten und seinem Schulprojekt der
patriotischen und aufklärerischen Idee der Bildungsvermittlung, aber auch seinem
hoch motivierten Gestaltungswillen, dem er eine idealistische Grundlage geben
wollte, die schnell deutschlandweite Bekanntheit erreichte.
Denn Nikolaus rechtfertigte mit dem aufgeklärten Nützlichkeitsstreben, welches
das Handeln der Aristokratie altruistisch motivierte, die Daseinsberechtigung sei-
ner weiterhin bestehenden ständischen Macht. Er dürfte aber auch einfach vom in
Paris und England gesehenen Fortschritt, den neuen Möglichkeiten der exotischen
»Plan des neuanzulegenden Fasangartens auf der
Antauer Hutweide«, Planzeichnung von Matthias
Pölt (1742–1810), kurz vor 1810. Ungarisches
Nationalarchiv, Budapest, Familienarchiv Esterházy.
Nikolaus II. Esterházy und die Kunst
Biografie eines manischen Sammlers
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Titel
- Nikolaus II. Esterházy und die Kunst
- Untertitel
- Biografie eines manischen Sammlers
- Autor
- Stefan Körner
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2013
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 2.0
- ISBN
- 978-3-205-78922-2
- Abmessungen
- 23.0 x 28.0 cm
- Seiten
- 404
- Kategorie
- Kunst und Kultur