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Nikolaus II. Esterházy und die Kunst - Biografie eines manischen Sammlers
Seite - 171 -
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Der Fürst baut eine Kulturlandschaft : Eisenstadt 171 127 Vgl. Wiener Zeitung, Jg. 1811 (6. November 1811). 128 Vaterländische Blätter für den österreichischen Kaiserstaat, Jg. 1, Nr.  XLVII, XLVIII (18., 21. Oktober 1808), S.  368–371. 129 Vgl. Grohmann, Johann Friedrich : Ideenmaga- zin für Liebhaber von Gärten, Englischen Anlagen und für Besitzer von Landgütern, um Gärten und ländliche Gegenden … zu verschönern und zu veredeln, Leipzig 1799, Tafel 260. Grohmanns Ideenmagazin ist auch in der Esterházy-Biblio- thek vertreten. 130 Vgl. Rosenbaum, Karl Joseph : Tagebücher, 26.  Juni 1799, in : ÖNB, Han, Ser. 195, S.  29r. 131 Vgl. Nikolaus II. an Henriette Zielinska, 17.  Mai 1800, in : MOL, FAE, P134, E, Nr.  713. 132 Vgl. EPA, CD 1802/2071, 10. Juli 1802. Fabrikstandort eine Art frühe Gartenstadt dar. Die »liberalen Grundsätze« dieses in den Ländern der Monarchie damals mustergültigen, äußerst produktiven und lukra- tiven Fabrikstandortes zeigten sich besonders in der Einrichtung von Kindergarten, Schule und Bibliothek für die Arbeiter. Diese Initiativen des Fabrikgründers Thorn- ton, »immer regen Eifer[s] für alles Gute und Schöne«, verbanden sich mit den Ideen und Möglichkeiten des »kunstliebenden Fürsten Nikolaus v. Esterhazy«127, wie die Wiener Zeitung in diesem Zusammenhang schrieb. Ein Plan im ehemaligen fürst- lichen Bauarchiv zeigt vermutlich das Wassermaschinengebäude von Pottendorf, das die Einflussnahme des Fürsten auf die nützliche frühindustrielle Anlage mit einer schönen Fabrikarchitektur belegen dürfte, da es »das Ansehn fürstlicher Pallästen [hatte], wodurch sie die österreichischen Anstalten dieser Art überhaupt vor jenen in England auszeichnen …«128 Im Gegensatz zu England, dem Land der industri- ellen Revolution mit all seinen Kehrseiten, wie Massenquartieren und schmutzigen Fabrikshallen, war es in Pottendorf gelungen, eine Industrieanlage in die Kultur- landschaft einzubinden, gar zu einem Glanzpunkt zu machen, wo sich Innovation und Kunst trafen, wie es die deutschen Gartenmagazine der Zeit auch forderten129. Angetrieben wurden die Maschinen vom Wasser, das über einen sandsteinverklei- deten Kanal zur Fabrik gelenkt wurde. Der ab 1808 auf Esterházy-Land angelegte Kanal wurde gleichzeitig Teil eines groß angelegten Wasserstraßenprojektes Niko- laus’ für seine Kulturlandschaft, das jedoch in Teilen erst viel später umgesetzt wurde. Die besonders in England gesehene und in der deutschen Gartenliteratur kurz nach 1800 viel diskutierte ästhetische Gestaltung wirtschaftlicher Bauten zeugte wiederum von der Modernität und Aufgeschlossenheit des gestaltenden Gutsbe- sitzers Nikolaus. Seine Ideen und Pläne zu Kuhställen und der Einfluss auf einen großen Industriebau beweisen das gesamtheitliche Denken des Fürsten für seine Esterházy-Herrschaft nach 1803. Neben seinen volkswirtschaftlichen Initiativen, die ihn als Modernisten aus- zeichnen sollten und sich um den repräsentativen Hauptsitz der Familie in Ei- senstadt gruppierten, stand aber auch die Suche nach einem privaten Rückzugsort. Dieser entstand schließlich nahe der nobilitierten Industrieanlage von Pottendorf ab 1804 im dortigen Schloss und Garten und wurde schnell zum Lieblingssitz Ni- kolaus’ II. 3.6 Schloss und Garten Pottendorf als privates Refugium Die in Österreich gelegene Herrschaft Pottendorf schloss direkt an die ungarischen Besitzungen der Esterházy an und war seit 1702 im Besitz der Grafen Starhemberg. Bereits 1799 dürften diese das im Kern mittelalterliche Schloss auf einer Insel des wild verschlungenen Fischa-Flusses Nikolaus zur Nutzung überlassen haben. So feierte hier der Fürst den Namenstag seines Sohnes Paul Anton130 und plante im Mai des Folgejahres, den romantisch in einem barocken Garten gelegenen Bau für Henriette Zielinska zu mieten131. 1802 gingen Schloss und Herrschaft, in der im Jahr darauf auch die Garnspinnerei Thorntons angesiedelt wurde, durch Kauf in fürstlichen Besitz über132. Schloss Pottendorf erweiterte damit die Eisenstädter Kulturlandschaft nach Norden und wurde privater Gegenpart zum höfischen Eisenstadt mit seiner Reprä- sentationsmaschinerie. Nikolaus hatte die Sehnsucht nach bürgerlicher Einfachheit
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Nikolaus II. Esterházy und die Kunst Biografie eines manischen Sammlers
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
Titel
Nikolaus II. Esterházy und die Kunst
Untertitel
Biografie eines manischen Sammlers
Autor
Stefan Körner
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2013
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 2.0
ISBN
978-3-205-78922-2
Abmessungen
23.0 x 28.0 cm
Seiten
404
Kategorie
Kunst und Kultur
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