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GESTALTEN WIE EIN
KÖNIG172 133 Vgl. Kohl 1842, S. 30.
134 Vgl. EPA, CD 1803/45, 7. Januar 1803 ;
1803/655, 5. März 1803.
135 Vgl. Kalamár 2004, S. 133ff.
136 Es ist anzunehmen, dass Charles Moreau den
Plan zum Garten entwarf, obwohl Nikolaus
1806 in einem Brief vom Gärtner Joseph Smith
spricht, der auch schon die Anlagen in Baum-
garten (vgl. Nikolaus II. an Henriette Zielinska,
6. Januar 1806, in : MOL, FAE, P134, E,
Nr. 804) und an der Landstraße (vgl. Kontrakt
Nikolaus II. mit Erzherzog Carl zum Verkauf
der Landstraße, 3. Februar 1810, in : ÖNB,
ALB, Port 16, 19 Kar) angelegt hatte.
137 Chambers 1772, S.
64.
138 Vgl. Franz Karl 1819.
139 Vgl. Strobl von Ravelsberg 1907, S. 196.
bereits in Zusammenhang mit Schloss Baumgarten erwähnt, das jetzt durch Pot-
tendorf als privates Refugium und Lieblingssitz des Fürsten133 abgelöst wurde. –
Während der Paris-Reise ließ Nikolaus Pläne zum Bau von Treibhäusern anferti-
gen134. Nach der Rückkehr begannen die Arbeiten im Garten um das Schloss, die
1806 erweitert und 1808 im Wesentlichen abgeschlossen wurden135. Es entstand
ein üppiger Landschaftsgarten, dessen prägendes Element die reich verzweigte und
wasserreiche Fischa war136. Von Norden fließt sie fast gerade auf das Schloss zu
und öffnet damit einen weiten Blick auf die Höhen des Schneeberges. Verbrei-
terte Wasserflächen, Inseln und stetig wechselnde Durchsichten vom Garten boten
immer neue Blicke auf das Schlosskonglomerat von unterschiedlichen Bauphasen
und -stilen. Die mittelalterlichen Türme und die barocken Fassaden kontrastierten
mit weit geschwungenen Wegen, dichten Laubholzanpflanzungen und einzelnen
Nadelhölzern auf den nördlichen Rasenflächen des Gartens. Trauerweiden an den
Brücken nahmen die seit William Chambers übliche sentimentale Positionierung
dieses Baumes am Wasser auf. Am Wasser standen kleine Schiffe für die Benutzung
bereit und gewährten durch ihre Bewegung »a thousand momentary varied pictu-
res«137, wie Chambers es für den englischen Garten einforderte.
Der Pottendorfer Garten war berühmt138. Besonders die unterschiedlichen Brü-
cken und Dutzende Schwäne, nordamerikanische Trompetengänse und türkische
Enten, die von einem eigenen Arzt betreut wurden139, ließen die Gäste schwärmen.
Mit dem Pottendorfer Garten am Rande der Eisenstädter Kulturlandschaft, die
im Schlossgarten der Hauptresidenz der Familie ihr Zentrum hatte und durch die
Hänge des waldreichen Leithagebirges begrenzt wurde, war ein sehr privates Re-
fugium entstanden, welches das »Gartenreich« Nikolaus’ abrundete. Über Alleen »Plan von den englischen- dann neuangelegten
Kuchelgärten in Pottendorf«, Planzeichnung von
Jakob Rauschenfels von Steinfeld (1779–1841), wohl
nach einem Entwurf von Charles Moreau (1760–
1840), um 1806. Esterházy Privatstiftung, Archive,
Plansammlung.
Nikolaus II. Esterházy und die Kunst
Biografie eines manischen Sammlers
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Titel
- Nikolaus II. Esterházy und die Kunst
- Untertitel
- Biografie eines manischen Sammlers
- Autor
- Stefan Körner
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2013
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 2.0
- ISBN
- 978-3-205-78922-2
- Abmessungen
- 23.0 x 28.0 cm
- Seiten
- 404
- Kategorie
- Kunst und Kultur