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GESTALTEN WIE EIN
KÖNIG182 161 Vgl. Schreiben Nikolaus II. an I. B. Skal, Official
im Obersthofmeisteramt, 31. Dezember 1806,
ehem. in : EPA, CD 1806/6231, zit. in : Meller
1915, Quellenteil : Nr. 143.
162 Vgl. Antwort auf das Angebot des Wiener
Händlers Huybens, in : EPA, CD 1811/5142,
1.
Oktober 1811.
163 So z. B. beim Vorschlag Fischers zur Verwen-
dung des Vizeinspektors Clerck, EPA, CD
1806/5133, 23. Oktober 1806.
164 Vgl. Pommier 2006.
165 Vgl. EPA, CD 1808/3082, 14. Juli 1808.
166 Georg v. Gáal bezeichnete die Sammlung als
»literarischen Apparat dieser Kunstanstalt«
(Georg v. Gáal an Paul III. Anton, 1. Januar
1836, in : EPA, Beilage zu Prot. 5910). Zu dem
Bestand, der sich heute im Museum der Schö-
nen Künste Budapest befindet, vgl. Ujvári 2007.
Fischer sammelte für seinen Fürsten – wie auch im Kupferstichkabinett – im Hin-
blick auf Vollständigkeit. Es sollten alle Schulen der Kunstgeschichte mit den
wichtigsten Meistern präsent sein, weswegen qualitätsvoll vertretene Meister nicht
durch mehrere ihrer Werke vertreten sein mussten. So lehnte Fischer ein Gemälde
Lucas Cranachs aus der kurfürstlich-bayerischen Sammlung ab, da es bereits ein
Werk des Meisters in der Sammlung gab161. Oder aber er schrieb im gleichen Fall
einem Händler über dessen angebotene Stücke : »Von denen übrigen will ich Euer
Durchlaucht nichts vorschlagen, da die fürstl. Gallerie im Besitze von bessern ist.«162
Sammlungsstrategisch hatte Nikolaus bzw. sein Vertrauter das Konzept der kaiser-
lichen Bildergalerie im Belvedere vor Augen, auf das sich Fischer auch immer wie-
der bezog163. Schon am Ende des letzten Jahrhunderts war hier – nahe dem Prin-
zensitz an der Landstraße gelegen – unter dem Kupferstecher und Kunstkritiker
Christian von Mechel nach Meistern und Schulen geordnet und gehängt worden,
was für alle europäischen Sammlungen der Folgezeit, auch für den Louvre unter
Denon, vorbildhaft war164. In diese museologische Tradition stellte sich auch die
Galerie Nikolaus’ II., der sich damit einmal mehr von der fürstlichen Kunstpolitik
seines Großvaters abhob und diese weiter entwickelte.
Nikolaus erwies sich als qualitätsbewusster und zeitgemäßer Neuerer, wenngleich
ihn zeitgenössische Kunst in diesen Tagen nicht interessierte, denn es galt zunächst,
eine Galerie alter Meister in vorbildlicher Zusammenstellung zu erschaffen.
Neben dem zielgerichteten Kaufen waren besonders die wissenschaftliche Ar-
beit und der fachliche Austausch wichtige Teile der »Kunststrategie« Nikolaus’ und
seiner Berater. So stand Galeriedirektor Fischer mit dem Kustos der Kupferstich-
sammlung der Wiener Hofbibliothek, Adam von Bartsch (1757–1821), und den
Sammlungsverantwortlichen der grafischen Sammlung von Herzog Albert von
Sachsen-Teschen, dem Verantwortlichen der Bildergalerie von Johann I. Liechten-
stein und mit Graf Lamberg-Sprinzenstein in engem Kontakt. Ein Bestand von
1808 aus der fürstlichen Bibliothek ausgegliederten Künstlerviten und kunsthis-
torischer Fachliteratur165 begründete die bis heute bestehende Handbibliothek der
Esterházy-Galerie und zeigte den fundierten Sammlungszugang an166.
Als weiteres Forschungsinstrument, als Bindeglied der beiden bildenden Kunst-
sammlungen, aber auch als Mittel zur Bekanntmachung der neuen Galeriebestände,
gründete der Fürst 1808 eine kleine Kupferstecherschule. Wohl wieder von einem
leicht aufklärerischen Bildungsgedanken beeinflusst, finanzierte das Institut zwi- Zettel des großen Inventars des Esterházy-
Kupferstichkabinetts, verfasst von Ludwig Wieland
unter der Anleitung von Joseph Fischer, 1808/09.
Esterházy Privatstiftung, Schloss Eisenstadt,
Fürstliche Bibliothek.
Nikolaus II. Esterházy und die Kunst
Biografie eines manischen Sammlers
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Titel
- Nikolaus II. Esterházy und die Kunst
- Untertitel
- Biografie eines manischen Sammlers
- Autor
- Stefan Körner
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2013
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 2.0
- ISBN
- 978-3-205-78922-2
- Abmessungen
- 23.0 x 28.0 cm
- Seiten
- 404
- Kategorie
- Kunst und Kultur