Seite - 197 - in Nikolaus II. Esterházy und die Kunst - Biografie eines manischen Sammlers
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Der Fürst gründet einen Musenhof 197
234 Vgl. Pohl/Botsiber 1927, S. 109.
235 »… die Sammlung religiöser Musik, zu deren
Bildung Mozart, Cherubini und mehre andere
berühmte Componisten allmälig beigetragen
hatten, war eine der schönsten von Europa«
(d’Oritigue, Joseph : Franz Liszt, in : Neue Zeit-
schrift für Musik, Jg. IV (1836), Nr. 4, S. 14).
Den Bestand bearbeitet momentan umfassend
James Armstrong, Williamsburg.
236 Hummel, der mit dem Ankauf der Haydn-
Musikalien betraut war, bemerkte, dass der
Fürst zunächst besonders an Haydns unveröf-
fentlichten Werke interessiert war, und spitzte
zu : »dieses bewog den Fürsten um so mehr sich
um diesen Schatz hauptsächlich zu bewerben«
(Johann Nepomuk Hummel an Breitkopf &
Härtel Leipzig, 5. November 1814, zit. in :
Benyovsky 1937, S. 48). Vgl. Sadie 1980.
237 Vgl. hierzu : Rice 2003. Die Musikaliensamm-
lung Schwarzenberg ist bis dato zu wenig
erforscht, war aber bedeutend kleiner (vgl. Stekl
1973, S. 197). Zu nennen sind ferner die Mu-
sikaliensammlungen von Erzherzog Rudolph
in Wien, der Fürsten Lobkowitz in Raudnitz,
von Reichsritter von Heß, Baron du Beyne und
Ignaz Fuchs v. Puchheim (freundlicher Hinweis
von Marko Motnik, Wien).
238 Vgl. Verzeichnis von Stücken, die 1805 in
die Schatzkammer eingebracht worden sind,
30. Oktober 1805, in : MOL, FAE, P108, Rep.
8, Fasz. C, o. Nr.
239 Haydn hatte dies in seinem Testament vom Ap-
ril 1809 festgelegt : »einen kleinen Platz in der
Schatzkammer zu Forchtenstein zu vergönnen«
(vgl. Pohl 1867, S. 166, Nr.
56).
240 Vgl. Rosenbaum, Karl Joseph : Tagebücher,
6. August 1801, in : ÖNB, Han, Ser. 194, S.
12r.
241 Vgl. EPA, CD 1810/2539, o. D.
242 Nikolaus II. an die Domänendirektion, 1. März
1811, in : MOL, FAE, P118, Rep. 110, S. 99–
100. Andere Zuwächse der historischen Schatz-
kammer gab es unter Nikolaus II. nicht.
243 Vgl. EPA, DD 1811/810, 24. Januar 1811.
244 Isidor Neugass an Nikolaus II., 20. Dezem-
ber 1806, in ehem. EPA, GC 1806, Fasz. 20,
Nr. 3484, zit. in : Meller 1915, Quellenteil :
Nr. 142. Kirchenmusiker ihrer Zeit gelangten auch viele besondere Drucke, Geschenke und
Autografen anderer Komponisten, wie von Johann Sebastian Bach, in die Samm-
lung. Hinzu kamen Stimmmaterialien, die der Fürst von seinen Reisen mitbrachte
oder bei den Komponisten selbst, wie bei Michael Haydn, Johann Georg Albrechts-
berger, Antonio Salieri, Abbé Georg Joseph Vogler, Carl Fribert und eben Ludwig
van Beethoven, beauftragte. Zahlreiche Werke der damaligen Kirchenmusik wur-
den zudem Fürst Nikolaus gewidmet. Und auch alte Werke ließ der Fürst kopieren,
um sie seiner Sammlung einzuverleiben, so von Georg Reutter, Michael Haydn
und Giuseppe Bonno, die Nikolaus’ Lieblingskomponisten waren234. So wuchs der
Bestand im Eisenstädter Kirchenmusikarchiv binnen weniger Jahre von 890 (1804)
auf 1.800 (1824) Werke, wobei die meisten Zugänge 1804 bis 1810 zu verzeichnen
waren, als die Hofhaltung und Bedeutung des Musenhofes ihren Höhepunkt er-
reichte und auch das Musikarchiv Berühmtheit erlangte235.
Zum einen ging es Nikolaus II. beim Kirchenmusikarchiv um die Bindung mu-
sikalischer Rechte von unveröffentlichten Werken, die sich vielleicht ökonomisch
ausnutzen ließen236. Vorrangig war es jedoch das leidenschaftliche Interesse des
Fürsten an religiöser Musik, die er für seine Zeit mit großer Begeisterung und dem
Anspruch der Vollständigkeit und ohne wesentliche Vergleichsbeispiele sammelte.
Einzig bekannte »Konkurrentin« auf diesem Sammelgebiet war Kaiserin Maria
Theresia (1772–1807), die seit 1792 eine ähnliche Sammlung liturgischer Musik
zusammengetragen hatte237. Das Esterházy-Musikarchiv belegte aber auch die Re-
ligiosität und das Sendungsbewusstsein Nikolaus’, die jahrhundertealte Kirchenmu-
siktradition am Esterházy-Hof weiterzuführen.
In dieser Familienkontinuität dachte Nikolaus wohl auch, als er Erinnerungs-
stücke an Joseph Haydn aus seinem Privatbesitz der barocken Schatzkammer der
Familie auf Burg Forchtenstein einverleibte. Unter den Memorabilia bedeutender
fürstlicher Ahnen des 17. Jahrhunderts, die auch Nikolaus II. erweiterte238, reihte
sich ab 1801 – auf Haydns Wunsch239 – die Gedenkmünze des französischen Kon-
servatoriums der Musik ein240. Eigens für die Schatzkammer kaufte Nikolaus II. in
St. Petersburg dann 1810 Haydns Ehrenmedaille der russischen Akademie241, die
zusammen mit Urkunden »zum ewigen Angedenken dieses berühmten Mannes«242
in die Schatzkammer überführt wurden243. Der Fürst nutzte den Geniestatus seines
ehemaligen Dienstnehmers, um den Ruhm des Hauses dauerhaft zu mehren, indem
er dessen Erinnerungsstücke unter den Familienerinnerungen musealisierte. Damit
konnte sich Nikolaus in die Annalen der Kunstmäzene einschreiben, wie eine zeit-
genössische Rezeption belegte : »Rom verdankt Virgil den Maecen ! Ganz Europa
segnet Ew. Durchlaucht um Hayden !«244
Die Jahre von 1803 bis 1810 waren die Glanzzeit von Nikolaus’ kulturellem En-
gagement. Seine beträchtlichen Ausgaben beim Aufbau seines Musenhofes, bei
der Anwerbung von hoch qualifiziertem Personal, bei wichtigen Ankäufen für die
Sammlungen, die prunkvollen Feste, spektakulären Musik- und Theateraufführun-
gen brachten Esterházy europaweit schnell die erwünschte Bekanntheit.
Zielgerichtet, qualitätsbewusst und öffentlichkeitswirksam wusste der Fürst hierfür
geeignetes Personal anzuwerben und zu vereinnahmen. Innovativ und begeistert trieb
er eine inhaltlich-systematische Ordnung und Erforschung seiner Sammlungen voran,
versuchte sich beim Kunstfördern und Sammeln jedoch nur selten in Experimenten.
Denn im Wesentlichen beschritt er bei den Objekten seiner Sammlungen und der
Nikolaus II. Esterházy und die Kunst
Biografie eines manischen Sammlers
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Titel
- Nikolaus II. Esterházy und die Kunst
- Untertitel
- Biografie eines manischen Sammlers
- Autor
- Stefan Körner
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2013
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 2.0
- ISBN
- 978-3-205-78922-2
- Abmessungen
- 23.0 x 28.0 cm
- Seiten
- 404
- Kategorie
- Kunst und Kultur