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GESTALTEN WIE EIN
KÖNIG198
Programmierung seines Musik- und Festbetriebes konservative Wege. Die zeitge-
nössischen Strömungen und Entwicklungen in der bildenden Kunst schienen ihm
fremd. Vielleicht verunsicherten sie ihn und waren eines fürstlichen Sammlers daher
nicht würdig. Immer ging es bei seinem zweifelsohne leidenschaftlichen Sammeln
und Kunstfördern um die Hervorhebung seiner Person, die Mehrung der Geltungs-
macht seiner Familie und eher selten um allgemeine idealistische Werte, wie die Ge-
schmacksbildung oder gar die Öffnung des Musenhofes für das erstarkende Bürger-
tum. Denn seine Sammlungen blieben dem Publikum noch verschlossen. Seine Feste
waren nur für die hermetische Adelsgesellschaft bestimmt. Nur das Theater öffnete
der Fürst regelmäßig für die Bürger, denen dann sogar Erfrischungen gereicht wurden.
Es war die umfassendste, intensivste, teuerste, aufwendigste, aber auch kürzeste
Phase im Kunstschaffen des Fürsten Nikolaus. Sie begründete seinen Nachruhm,
der mit schillernden Vergleichen triumphierte. So wurde Nikolaus II. Esterházy
zum il Magnifico in Anlehnung an den Renaissancefürsten Lorenzo de’Medici sti-
lisiert245. Sein Musenhof in Eisenstadt wurde zum »Weimar des alten Ungarn«246
erhoben, also wiederum mit einem aufgeklärt-absolutistischen deutschen Muster-
staat verglichen, der mit seinen Geistesgrößen auch den Eisenstädter Hof personell
beeinflusste. Beinahe hätte 1807 auch Johann Wolfgang von Goethe Nikolaus’ Ein-
ladung angenommen247. 245 Vgl. Pohl/Botsiber 1927, S. 106 ; Hárich 1959,
S. 67.
246 Vgl. Benyovsky 1937, S.
41.
247 »… mit der freudigsten Erwartung der Er-
füllung dieses Versprechens entgegen sehen«
(vgl. Heinrich Schmidt an Johann Wolfgang
Goethe, 6. März 1807, in : Klassik Stiftung
Weimar [Hg.] : Regestenausgabe Briefe an Goethe,
Nr. 5/610 (http://ora-web.swkk.de/swk-db/
goeregest/index.html). Goethe wurde 1812 zum
Ehrenmitglied der Wiener Akademie ernannt,
was ihm Nikolaus’ Sohn, Paul (III.) Anton,
übermittelte (vgl. Brief Prinz Paul [III.] Anton
an Johann Wolfgang Goethe, 27. Februar 1812,
in : Regestenausgabe Briefe an Goethe, Nr.
6/375
[http://ora-web.swkk.de/swk-db/goeregest/
index.html]).
Trauung Kaiser Franz’ II. und Maria Ludovikas in
der Wiener Augustinerkirche, 1808. Gemälde von
Johann Baptist Hoechle (1754–1832), um 1810. Schräg
hinter dem Kaiser steht Nikolaus II. als Kapitän
der Königlich Ungarischen Adeligen Leibgarde.
Kunsthistorisches Museum Wien, Gemäldegalerie.
Nikolaus II. Esterházy und die Kunst
Biografie eines manischen Sammlers
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Titel
- Nikolaus II. Esterházy und die Kunst
- Untertitel
- Biografie eines manischen Sammlers
- Autor
- Stefan Körner
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2013
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 2.0
- ISBN
- 978-3-205-78922-2
- Abmessungen
- 23.0 x 28.0 cm
- Seiten
- 404
- Kategorie
- Kunst und Kultur