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Der Fürst schöpft neue Hoffnung 235
421 Vgl. Schmidt 1856, S. 128.
422 Vgl. Absage an Cecil Cherubini, 20. Novem-
ber 1811, in : EPA, Protocollum Exhibitorum,
1811/6377. Cherubini insistierte noch 1813
wegen der angebotenen Stellung (vgl. Luigi
Cherubini an Carl Zichy, Paris, 21. April 1813,
in : Széchényi-Nationalbibliothek, Budapest,
Handschriftenabteilung, Acta Musicalia Ester-
házy, 3191, ehem. EPA, CD 1813/2765). Der
Komponist begann aber nach der Begegnung
mit dem enthusiastischen Musikliebhaber Ni-
kolaus sein umfangreiches kirchenmusikalisches
Werk, das ihm besonders nach 1815 auch in
Paris endlich den gewünschten Publikumserfolg
bringen sollte. E. T. A. Hoffmann verglich 1814
Cherubinis mit Haydns kirchenmusikalischem
Werk : »Cherubinis dreistimmige Messe, soviel
Geist und Kunst übrigens daran verwendet, er-
füllt doch nicht im mindesten die Bedingungen
wahrer Kirchenmusik, da mehrere Sätze ganz
theatralisch sind« (Hoffmann 1983, S.
551).
423 Textbücher heute anscheinend im Bestand der
ÖNB, Wien, Musiksammlung, Handschriften :
Aschenbrödel. Eine Zauberoper mit Ballet in drey
Aufzügen, handschriftliches Textbuch und
Souflierbuch, 32714, 32715.
424 Vgl. Schmidt 1856, S. 125ff.
425 Leipziger Allgemeine Musikalische Zeitung, Jg. 13
(1811), Nr. 21 (Mai 1811), Sp. 357–359.
426 Vgl. EPA, CD 1810/5221. Zu den Umbauten
vgl. EPA, CD 1810/5029, 5038, September
1810. und war Auslöser von neuen musikalischen Ideen für Nikolaus’ Musenhof in Ei-
senstadt. So wurde detailliert die Gründung eines Konservatoriums für Musik in
Eisenstadt geplant421. Aber Nikolaus II. kam Ende des Jahres 1811 von seiner Idee,
Cherubini nach Eisenstadt zu holen, ab und brach sein Wort422.
Dagegen erwies sich die mitgebrachte Oper Isouards als durchschlagender Er-
folg am Wiener Theaterhimmel. Nach der erfolgreichen deutschen Uraufführung
als Aschenbrödel im September 1810 in Eisenstadt schenkte der glückliche Fürst
Partitur und Buch seinem Theaterdirektor Schmidt, der beides sofort den Wiener
Theatern gewinnbringend verkaufte423. Aschenbrödel wurde daraufhin nach der Pre-
miere am Kärntner-Tor-Theater ab dem 2. April 1811 zur meistgespielten Oper
und zum Liebling des Publikums und sollte bis 1823 107 Vorstellungen erleben424.
Auch die Leipziger Allgemeine Musikalische Zeitung jubelte : »Nicht Kunst, nur Natur
glaubte man zu sehen.«425 Denn Nikolaus hatte damit Ifflands Forderungen nach
einem naturnahen Theater auf die Wiener Bühnen gebracht und ein feines Gespür
für künstlerische Neuerungen bewiesen.
Die Paris-Reise war im Zusammenhang mit der nachfolgenden Friedenszeit
also wiederum Beginn einer Aufbruchs- und Entwicklungszeit der hochtraben-
den Pläne für die Sammlungen und kulturellen Initiativen in Eisenstadt und Wien.
Nikolaus zeigte altgewohnte Schnelligkeit, Radikalität und Wetteifer mit ande-
ren Sammlungen, wie etwa Malmaison. Dabei erwies sich der Fürst als innovativ,
vorausschauend, aber auch unbeständig und unzuverlässig in seinen Anwerbungs-
ideen, so bei Cherubini und Poggi, die er – vielleicht im enthusiastischen Eifer – mit
falschen Versprechungen für seine Projekte gewonnen hatte. Mit dem dennoch er-
folgreichen Kauf der Poggi-Sammlung bot sich eine Gelegenheit zur Neuordnung
von Kunstsammlung und Aufstellung, die sich erstmals dem Publikum öffnen sollte.
7.3 Eröffnung der Esterházy-Galerie in Laxenburg
Während in Eisenstadt weiter am Schloss gearbeitet wurde, begannen auch in den
Kunstsammlungen weitgreifende Veränderungen. Denn Nikolaus verlegte um den
Jahreswechsel 1810/11 die Standorte seiner Sammlungen.
Schon im September 1810, also sofort nach der Rückkehr aus Paris, ließ er den
Umzug der Bibliothek und der Kupferstichsammlung vom Palais der Ungarischen
Transport der Pottendorfer Gemäldegalerie nach
Laxenburg, Radierung von Joseph Fischer (1769–
1822), 1811. Museum der Schönen Künste, Budapest,
Grafische Sammlung.
Nikolaus II. Esterházy und die Kunst
Biografie eines manischen Sammlers
Entnommen aus der FWF-E-Book-Library
- Titel
- Nikolaus II. Esterházy und die Kunst
- Untertitel
- Biografie eines manischen Sammlers
- Autor
- Stefan Körner
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2013
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 2.0
- ISBN
- 978-3-205-78922-2
- Abmessungen
- 23.0 x 28.0 cm
- Seiten
- 404
- Kategorie
- Kunst und Kultur