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Erica Tietze-Conrat - Tagebücher, Band II: Mit den Mitteln der Disziplin (1937–1938)
Seite - 148 -
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148 Tagebuch 1937/3 Original vom Anf[ang] d. Jahrhunderts war  – ferner daß es sich zur Zeit Vasaris nicht mehr in Venedig befunden hat, da es Gonsalvo mitgenommen hatte (Vasari schreibt „gerüstet“, der Stich zeigt es doch ohne Rüstung, nur mit d. Schwert)  – von wann wäre die Kopie ? Das Bild ist seit dem Ende des 18. Jhs in der Familie, wohin es durch Heirat kam ; die Eltern der eingeheirateten Anfreri hatten die Sammlung um 1750 zusammengebracht. Es ist auf Holz gemalt, eine große Tafel. Kopiert man im 18. Jh. auf Holz ? Dazu kommt noch, daß Waagen es zu Beginn des 19. als „Ko- pie eines bedeutenden venez[ianischen] Bildes“ nennt. Ist es dieses Exempl[ar], das Waagen so bezeichnet hat ? Oder wäre es erst kürzlich kopiert worden ? Dagegen spricht, daß d. Orig[inal] dann nie aufgetaucht wäre u. daß man in moderner Zeit alte venez[ianische] Bilder, die als Giorgione in d. Familie gelten, wohl dunkler zu kopieren gewußt hätte. Ich könnte mir vorstellen, daß das alte Bild zu Beginn d. 19. Strich um Strich übermalt worden wäre. Dafür würde auch sprechen : die Tafel ist mehrmals vertikal gesprungen  – oder gewölbt nur ?  – ohne daß man in d. Malerei selbst etwas Klaffen sieht ; So muß es doch wohl  – einmal  – stark übermalt worden sein. Ist vielleicht doch etwas drunter ? Offene Fragen. Was wir sonst fanden, war im großen Durchschnitt unbedeutend, mit kleinen besseren u. guten Dingen eingestreut. Aber d. Anlaß, weswegen wir kamen, ist nicht aufgeklärt worden.  –5 10. [Juli] (Beim dinner in einem volksmäßigen „Lakal“ mit Musik. Daran schon zu erkennen, daß wir mit unserm Roxburghe Hôtel hineingefallen sind. Es ist für uns zu teuer, wir essen auswärts.) Die Ankunft in Edinburgh war hinreißend schön. Diese Princes Street ist wirklich eine große Überraschung : die eine Straßenseite ganz besonders vornehm, gerade gezogene lange Häuserfront, die andere Seite ohne Häuser, das abfallende Terrain u. das eingeschnittene Tal mit Gärten besetzt und jenseits eine wundervolle Verbindung von Ferne u. Zugehörigkeit [–] die Schloßhügel, ein Ho- hensalzburg auf einem, eine Art Nürnberg auf dem zweiten Rücken. Das alles  – noch gegen 10 Uhr nachts in den warmblütigsten Sonnenuntergang getaucht. Und auch noch wenige Minuten vor 10h d. Post offen u. d. Poste Restante-Briefe behebbar ! Der heutige Tag war fast durchgängig feucht u. nur jetzt am Abend ist es bißchen netter geworden. In jedes Geschäft, in das wir kamen, die gleiche einleitende oder abschlie- ßende Frage „seems we shall have another rain“. So blieben wir zumeist im Museum, das so erstklassig ist, wie wir es nach Heinzens Katalog gar nicht erwartet hatten. Die ausgestellten Zeichnungen sind mit geringen Ausnahmen sehr gut, die Auswahl aus ein paar Dutzend Klebebänden, wie wir uns in vielstündiger Arbeit überzeugen konnten, gelungen. (Am Nachmittag haben wir ein halbes Dutzend Photos machen können). Ein mitten drinnen stecken gebliebenes Cima zugeschriebenes Bilderl zeigt eigentlich, wie d. Zeichenstil unter der Malerei steckt. Der große Jacopo Bassano ist famos  – ein Gegenüber zum Hampton Courter, so leicht und hell. Kein Maler war so
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Erica Tietze-Conrat Tagebücher, Band II: Mit den Mitteln der Disziplin (1937–1938)
Entnommena aus FWF-E-Book-Library
Titel
Erica Tietze-Conrat
Untertitel
Tagebücher
Band
II: Mit den Mitteln der Disziplin (1937–1938)
Herausgeber
Alexandra Caruso
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2015
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-79545-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
346
Kategorie
Biographien
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