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Erica Tietze-Conrat - Tagebücher, Band II: Mit den Mitteln der Disziplin (1937–1938)
Seite - 186 -
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186 Tagebuch 1938/1 sind  – u. seither war auch d. Elektrizität aus meinen Haaren gewichen, sodaß ich mich [als] gesund betrachten kann. Im Louvre haben wir bis 5 gearbeitet, darum hat uns M. Huyghe aufgesucht, der uns eine Confrontierung des Michelsonschen Bildes im Louvre Montag oder Dienstag ermöglichen wird. Das Photo hat ihn außeror- dentlich gepackt u.  – eigentlich wie ich  – sucht er das Bild nicht bei Tizian, sondern in d. vorangegang[enen] Generation  – Giov[anni] Bellini oder Giorg[ione]  – zu fixie- ren. Hans hat mit Michelson heute Vormittag besprochen, dass er sich nicht schon jetzt auf Tizian festlegen kann, aber die Sache an Silb[erman] weiterleiten würde. Daraufhin wollte Michelson doch noch eine sichere Expertise sich von anderer Seite verschaffen, um doch mit einem Namen in der Hand d. Auseinandersetzung mit d. Händler zu führen. Hans hat in diesem Sinn auch an d. Vogel geschrieben, hinterher aber eine Karte nachgeschickt  – u. ein Telephon an Michelson  – mit d. Entscheidung be z[ie hungsweise] d. Anruf Lionellos bis nach unsrer Konfrontierung d. Bildes mit d. Louvrebildern zu warten  …13 Ein Besuch bei Marignane, der leider „au Midi“ weilt. 30. [Jänner] gegen Mitternacht. Gestern mit Edels „Chez Georges“ in d. Rue Mazarine genachtmahlt, nur ein ein- ziger Tisch frei  – u. am Nebentisch Frau Dr. Ring mit Dr. Huth u. Frau ! Nachher vergeblich  – u. ohne Ernst  – ein Kino gesucht, aber doch in d. Capoulade geendet ! Heute früh Post von zuhaus. Ein Brief von Burgel. („Gustl hätt’ so gern eine Zieh- harmonika ! Sie ist aber leider so teuer  …“) (Die Albertina gewährt uns weiter ihre Gastfreundschaft.) Wir gingen ins Musee André Jacquemart, aber es ist nur von 13– 16 offen, darum zu d. Surréalistes, was ganz interessant war. Dahli, Breton, Masson, Chirico, Max Ernst etc. Lauter Geschlechtsassoziatión. Ein finsterer Saal mit Koh- lensäcken an d. Decke, 4 gleiche Doppelbetten, herum Theatersümpfe, Mannequins u. leider auch Bilder ! Ohne diese etwas Publikum-Packendes, das vielleicht auch für Kunst locker machen könnte. Lockerer jedenfalls als ein anderer Ausstellungsappa- rat. Geluncht bei Georges mit Steiners. Ganz gemütlich  – ohne Hinweis auf Krach mit Tochter. Nachher zuhause ausgeruht u. Wäsche gewaschen u. zu Mme Steiner ins Atelier gefahren, ihre neuen Bilder anschauen, die akurat so waren wie die alten, die wir vor drei  – fünf  – sieben etc. Jahren gesehen hatten. Nach 4 bei Flochs als die ersten Gäste  – die dann auch zu kaltem Aufschnitt als d. letzten blieben. Es kamen sukzessive M et Mme Tischler, M Edel et Mlle Brooks, M et Mme Lévy-Gutmann, M Eisenschitz, M Kars, der gerade seine Frau zur Bahn gebracht hatte. Sie fährt nach Prag, um dort ein Haus zu kaufen u. einzurichten, in dem sie halbjährig wohnen wollen  – Er sagt mit, daß er irrsinnig war, vielleicht noch ist  – u. weiß Gott, ich muß es glauben  …14
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Erica Tietze-Conrat Tagebücher, Band II: Mit den Mitteln der Disziplin (1937–1938)
Entnommena aus FWF-E-Book-Library
Titel
Erica Tietze-Conrat
Untertitel
Tagebücher
Band
II: Mit den Mitteln der Disziplin (1937–1938)
Herausgeber
Alexandra Caruso
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2015
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-79545-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
346
Kategorie
Biographien
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