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Erica Tietze-Conrat - Tagebücher, Band II: Mit den Mitteln der Disziplin (1937–1938)
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190 Tagebuch 1938/1 Lombard[en] u. Genuesen (aber da nur die vordere Kastelreihe, ohne Reserven etc.) Wir haben d. Liste unserer photogr[aphischen] Desiderata überreicht, die  – soweit sie vorhanden sind  – bis zu unserer Rückkehr vorbereitet werden sollen. Wir haben nach einer Dossozeichn[ung] gefragt, die nicht auffindbar war u. in wirklich aufop- ferungsvoller Weise vom ganzen Staff  – schließlich mit Erfolg  – gesucht wurde. Die Leute sind wirklich ganz besonders freundlich. Das Herz tut mir weh, wenn ich an d. Betrieb denk, an d. Ton, wie er jetzt bei uns in d. Albertina herrscht. Die mißtrauische Feindseligkeit, oder Wurschtigkeit* des Beamtentums. Die Abwechslung gerade in diesen atmosphär[ischen] Dingen ist es, die d. Reisen so wohltuend macht. Hans hat d. Billete besorgt u. nach Tisch noch mit Rockefeller  – Carnegie  – Leuten auf d. Bd St. Germain wegen Stipend[ium] f. Anderl gesprochen.  –17 Floch kam pünktlich, mußte aber zu einer Sitz[un]g d. österr[eichischen] K[ün]st- l[er] bundes, der am 28. Febr[uar] ein Fest gibt. Wir trafen uns erst nach d. Diner vor d. Dôme u. gingen mitsammen in ein Kino, wo erst ein schrecklich synchronis[ierter] Film La dame aux Gardénia (Ann Harding) gegeben wurde u. dann ein sehr lustiger (Le Rosier de Mme Husson) mit Fernandel als Keuschheitsprämierter. Das Lustigste dabei war aber trotz alledem Floch  …18 5. Febr[uar] (im Zug nach Malvern).19 Die Fahrt war so angenehm, wie man sich nur wünschen konnte, das Meer spiegel- glatt. Die Passkontrolle ein Kinderspiel ! Dr. Churchills Car (Littlewood) auf Viktoria Station, ein allerliebstes Haus in entzückender Lage zu unserem Empfang bereit  – die Hausfrau erst für Mittwoch zurückerwartet. Dinner  – teleph[onischer] Anruf (Malvern), Christine u. Georg, der gerade bei d. Bergner war, dann noch gegen 10h herüberkam. Alles sehr gelungen. Das Bad d. Höhepunkt. Heute strahlender Früh- ling.20 7. [Februar] Nach d. Frühstück u. d. letzten 2 Aufnahmen, in Malvern. Das waren zwei sehr nette Tage. So ein engli- scher Landsitz ist schon etwas sehr eindrucksvolles, besonders zur Weekend-zeit. Im Hause aller Comfort bei räumlicher Weite, die ungemein wohltut. Nun müßte ich eigentlich zu jedem Wort mehrere Ausrufungszeichen setzen. Vom Auto angefangen, mit dem man Sonntags nach Tisch durch ein ganzes Skizzenbuch von Gainsborough eilen kann, über den ebenso optisch wie gastronomischen Reiz eines mit 4 roten Kerzen besetzten Silber u. Politurschimmernden Dinnertisch, bis zu d. Zauber des Badezimmers ist es eine  – sprechen wir es nun so aus  – wirklich gemütliche Pracht. Mein Gott, ist dieses Land noch reich, sind diese Parks noch anerkannter Selbst- zweck mit ihren Hecken, die ihre tiefen undurchdringlichen Blätterdächer der Pflege * Gleichgültigkeit
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Erica Tietze-Conrat Tagebücher, Band II: Mit den Mitteln der Disziplin (1937–1938)
Entnommena aus FWF-E-Book-Library
Titel
Erica Tietze-Conrat
Untertitel
Tagebücher
Band
II: Mit den Mitteln der Disziplin (1937–1938)
Herausgeber
Alexandra Caruso
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2015
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-79545-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
346
Kategorie
Biographien
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