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Erica Tietze-Conrat - Tagebücher, Band II: Mit den Mitteln der Disziplin (1937–1938)
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191 Tagebuch 1938/1 von 3 Jahrhunderten verdanken ! Und da wohnt ein Mann, der bei uns Gym- nasiallehrer in seine Paßrubrik schreiben würde u. hat eine von vor anderthalb Jahrhunderten von einem Groß-Groß- etc. Vater zusammengebrachte Z[eich- nun g]en s[amm]l[un]g, die  – wie wir ges- tern geschätzt haben  – 4500 Pfund wert ist ! Wir haben sie geschätzt  – aber nur f. d. Versicherung, denn niemand denkt an verkaufen. Sie geht an d. Neffen d. Dame über einen derzeit 37jährigen jungen Mann, der einer d. Direktoren d. Bank of England ist, aber jedes Weekend zum Reiten irgendwo benützt. Sein jüngerer Bruder zieht d. Pferde auf, er aber ist Herrenreiter u. macht von Oktober bis April jede Woche mit ihnen ein Ren- nen. Und sieht genau so aus. Wozu noch hinzusetzen, dass er restlos rothaarig ist u. darum Ruby als Rufname bekom- men hat. Wer war sonst noch zu Gaste ? Ein junger Zivilbeamter aus Afrika, ein ehemaliger Schüler aus Eton, der sich selbst ins Bein geschossen hat  – d. h. sein Revolver ging unglücklicherweise in d. Tasche los  – irgendwo draußen in d. Wüste, sodaß schon d. Brand hinzugekommen war, als man ihn ins Spital gebracht hatte ! Ferner ein Neffe des Hauses, der vor kurzem von seiner zweiten Südpolexpedition heimgekommen war, bei der sie entdeckt hatten, daß es dort doch zwei Kontinente gab u. nicht einen, wie man ursprünglich angenommen hatte. Dann Elisabeth Wil- son, die wir schon vom Sommer her kannten (eine Nichte von […]), ohne nähere Erkennungszeichen. Eine plötzlich auf- u. wieder abtauchende ältere Dame mit er- frorenem Gesicht u. Augen, die aber doch mehr vom Porto als vom Frost zu kommen schienen. Im übrigen mehr Staffage und ohne Namen. Wir haben die S[amm]l[un]g durchgearbeitet u. über auch „geschätzt“ ; nachher haben wir in einem Brief Pophams gelesen, daß d. Colnaghi Leute (Byam Shaw), für solche Schätzungen 1% verlangen. Haben also d. Leute etwa 45 Pfund erspart, was einem Österr[eicher] mit Minder- wertigkeitsgefühlen ein sehr angenehmer Gedanke ist. Es ist erstaunlich, wie gut wir im Sommer in such a hurry d. Aufnahmen gemacht haben. Nur ganz wenige Blätter haben gefehlt, die wir nachzutragen hatten  … Abb. 54 : Georg Ehrlich, Selbstporträt, 1940, ehemals Sammlung Erica Tietze, New York.
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Erica Tietze-Conrat Tagebücher, Band II: Mit den Mitteln der Disziplin (1937–1938)
Entnommena aus FWF-E-Book-Library
Titel
Erica Tietze-Conrat
Untertitel
Tagebücher
Band
II: Mit den Mitteln der Disziplin (1937–1938)
Herausgeber
Alexandra Caruso
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2015
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-79545-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
346
Kategorie
Biographien
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