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Tagebuch 1938/1
hen hatten). Wir hatten im Klub Ren-
dez-vous mit Saxl, der uns in the Gallery
einen Tee servieren ließ, was mir, die ich
ihn einzuschenken hatte, etwas peinlich
war (aber es ging in keinem anderen
Raum, weil Frauen nicht hinein dürfen !).
Wir sprachen bric-à-brac. Hoffentlich
schaut was dabei raus. Dann zu Colna-
ghi, wo wir Z[eichnung]en, die für uns
vorbereitet waren, ansahen u. nachhause
to change. Schließlich zu Oppé, wo wir
eine Viertelstunde mit d. Suche d. Hau-
ses verloren (auch das ist d. Übliche
dort) u. schließlich mit ihm u. Tochter
dinierten u. ohne letztere bis nahe Mit-
ternacht wieder über d. Z[eichnung]en
saßen. Zuhause ein sehr zuversichtlicher
Brief von Anderl, daß er sich entschlos-
sen hat Stambul zu seinem Wohnsitz zu
nehmen
– für d. nächsten Jahre.26
14. [Februar]
Den Samstag (12.) waren wir d. ganzen Tag im Brit[ish Museum], haben dann im Bett
liegend Korrekt[uren] gemacht (Tiziangraphe) u. mit Dr. Churchill gedinnert, mit
Aspirin u. heißer Limonade (Hans) geschlafen. Gestern, Sonntag rather lazy gewesen.
D. h. ich hab in d. früh meinen Duvetartikel geschrieben, Hans wichtige Briefe. Dann
bei Gombrichs mit Kurzens zusammen gewesen, gemütlich, heiter. Heiter weil jung u.
glücklich – aber doch Emigranten ! Zumittag zuhause mit Ruth, George – Georg als
Gast Rest […]. Brief an Anderl, der uns geschrieben hat, daß er Stambul f. d. nächsten
Jahre als Wohnsitz haben will. Zum Nachtmahl bei Burgs, wo uns d. Frau ein Huhn
gebraten hat (leider nicht ganz durch, was ihr Selbstgefühl drückte). Gespräch über
Yarborough Giorgione. Nachher kam Dr Freudenberg mit Gerda, er ist schöner denn
je. Nicht zu glauben, daß er aus d. heutigen Deutschland stammt. So sahen d. Freunde
Feuerbach aus. Heut vormittag Photo v. Bordone vom Burl[ington] Mag[azine] zu-
rückbekommen, hab so ein übles Gefühl, daß sie d. falsche Seite d. Vict[oria] + Alb[ert
Mu seum] Z[eichnung] reprod[uziert] haben ! Brief von Burgl (herzig u. guter Dinge,
nur über sich u. Gustl. Ein bisserl Großmama. Aber als ob d. Armbrusterg[asse] nicht
existierte). Im Vict[oria] + Alb[ert Museum] noch einmal d. Blätter durchgearbeitet,
eine 2. Version d. Campizeichnungen f. S[an] Sigismondo gefunden. Keine Ahnung,
ob wir wirkl[ich] alles gesehen haben, da man uns nur Mappen „vorsetzt“.27
Abb. 56 : Andreas Tietze in Istanbul, ca. 1938.
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Tagebücher, Band II: Mit den Mitteln der Disziplin (1937–1938)
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- Titel
- Erica Tietze-Conrat
- Untertitel
- Tagebücher
- Band
- II: Mit den Mitteln der Disziplin (1937–1938)
- Herausgeber
- Alexandra Caruso
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2015
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-79545-2
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 346
- Kategorie
- Biographien