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Tagebuch 1938/1
übrig geblieben ist. Dann St. Croce, schließlich Uffizien. Zumittag trafen wir Burgs
im Oreste, die von ihrem röm[ischen] Aufenthalt wenig befriedigt waren. Wir flo-
gen nachmittag gegen Impruneta zu aus. Kamen aber nicht bis hin, da uns d. Abend
überraschte. Ich bin ganz verliebt in diese Landschaft. Heute kam Nachricht von
Trude, daß sie endlich zu Geld gekommen ist !
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(Abends).
Und von Weixlgärtner Neues aus d. Museum. Soll ich auf Stix schon den Nekrolog
schreiben ? ! Wenn er nicht mehr organisatorisch drüber schweben kann, wird er d.
Weg zurück in d. Wissenschaft finden ? Oder wird er ganz versiveringern ?
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Wir haben heut im Gabinetto bei versperrter Türe ganz allein u. ungestört gear-
beitet. Palma Giov[ane], der hier sehr reizvoll vertreten ist. Natürlich sind wir nicht
fertig geworden. Um vier Uhr holten uns Burgs ab ; eigentlich hätte d. Frau schon um
½ 12 fahren sollen u. wir hatten schon gestern abend von ihr Abschied genommen.
Sie aber hatten sichs umüberlegt u. die gemeinsame Abreise am späten Nachmittag
beschlossen. Wir sahen noch eine Messerschmidtbüste bei dem Antiquitätenhänd-
ler an, von dem er uns früher eine falsche Adresse gegeben hatte. Sie ist sehr gut.
Der scharfe Geruch, ein schöner Bleiguß, der im Aufsatz d. Kris nur nach d. Abguß
in Gips reproduziert ist. Es wurde mächtig gehandelt, aber zwischen 4000 einer-
seits u. 3000 andererseits kam es zum toten Punkt. Dr Burg wird auf unseren Rat
d. Stück erst d. Vict[oria] + Albertmus[eum] anbieten, bevor er d. Handel perfekt
macht. Dann brachten sie uns per Einspänner zum Institut u. waren noch anwe-
send, wie wir eine d. Parmig[ianino] zugeschrieb[ene]
Z[eich nung] in d. Wiener Akad[emie] mit d. Piazza S.
Spirito beim Aussteigen identifizierten. Dann Winki
winki – immer wieder – u. fort. Oben lud uns Glaser
für Freitag abends ein – u. – per Teleph[on] – Beren-
son für Mittwoch Nachmittag. Wir arbeiteten bis
Schluß, nachtmahlten bei Oreste u. schrieben dabei
ein Karterl an d. Burgl. Jetzt schreiben wir zuhause
weiter. Unsre Signorine haben d. Wasser schon aufs
Gas gestellt u. sind in d. Klappe gekrochen. Das Haus
gehört uns allein. Es war heute ein tiefblauer Tag,
aber frisch u. windig. Jetzt hängt ein feines Kipfel am
schwarzfunkelnden Himmel.92
5. [April]
Heut war ein guter Arbeitstag (nur vorübergehend
durch Gespräche mit Bodmer u. Giglioli unterbro-
chen). Palma fertig. Die ausgestellten Tintor[ettos] u.
Abb. 68 : Tizian, Helm.
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Erica Tietze-Conrat
Tagebücher, Band II: Mit den Mitteln der Disziplin (1937–1938)
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- Titel
- Erica Tietze-Conrat
- Untertitel
- Tagebücher
- Band
- II: Mit den Mitteln der Disziplin (1937–1938)
- Herausgeber
- Alexandra Caruso
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2015
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-79545-2
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 346
- Kategorie
- Biographien