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Erica Tietze-Conrat - Tagebücher, Band II: Mit den Mitteln der Disziplin (1937–1938)
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230 Tagebuch 1938/1 halten, der eine Verbindung zu Mrs. Shapley (wegen d. Chicago Univers[ity] Press) herstellen wird. Es wäre nett, wenn unser Venetian Katal[og] gleich im Anschluß an seine Neuauflage d. Florentiner Kat[alogs] dort erscheinen könnte. Als er hörte, daß Stix gehen mußte, sagte Bibi, daß um den kein Schad wäre : he was an innkeeper and no scientific man. (Hart, aber in vielem doch zutreffend). Wir gingen bis in die Däm- merung hinein zufuß zurück ; am Rand d. Stadt erst nahmen wir d. Autobus. So ein wundervoller Abend !94 7. [April] Heut war einiges  – kleines  – verpatzt ; erstens mußten wir früh aufstehen um recht- zeitig auf d. Questura zu kommen u. da waren zum Frühstück d. Semmeln noch nicht da. Zweitens war das bei d. Quästur ein ganz lächerlicher Zeitverlust. Drittens war die „Deutsche Arbeitsfront“ heute geschlossen u. wir müssen morgen wiederum hin- gehen. Viertens  – nein sonst war nichts verpatzt. Wir haben gut gearbeitet, interes- sante Blätter gesehen u. uns eingesehen. Z.  B. d. Tizian von Hadeln zugeschr[iebene] Z[eichnung] d. Lagernden, die Fr[öhlich]-B[um] für eine Tintor[etto]z[eichnung] hielt, ist das sicher nicht. Es hat nichts von Tintor[etto]’s Abstraktheit, sondern ist d. Bild- entwurf (vielleicht unter Benützung einer Skulptur) zu einem Prometheus. Man sieht noch deutlich d. Ketten an d. Armen u. den Adlerkopf. Darum auch d. Abwehrges- tus d. Hände, der so gar nicht zu der übrigen Greisenruhe paßt. Im Institut trafen wir mit d. Santifaller zusammen, die zum Erschrecken krank aussieht. Der Leiter  – Kriegbaum  – ist aus Berlin zurück ; Hans hat sich mit ihm unterhalten. Wir haben wieder einmal zuhaus genachtmahlt, den beiden ragazze, die so einsam sind, den Wurstel vorgemacht.95 9. [April] (Gestern kamen wir erst gegen 11 nachhaus, sodaß ich nicht mehr zum Schreiben kam. Auch nicht zum Briefeschreiben u. es ist ein Luftbrief von Lili angekommen !) Wir haben in d. Früh d. Buch, das sich Anderl gewünscht hat, für ihn besorgt ; das wird sein Geburtstagsgeschenk. Die Arbeit im Gabinetto war qualvoll gestört, da sowohl Bod- mer als  – o Schreck !  – auch Giglioli unanbringbar waren. Wir haben dann bei einem Händler Z[eichnung]en angeschaut, es war aber nix. Im Instit[ut] gearbeitet, von wo wir mit Glaser in sein Landhaus hinaufgingen. Dort hat erst ein Kamin im Speisezimmer geraucht, dann aber ein Ofen im Wohnzimmer sehr ausreichend geheizt. Es war eine kleine Gesellsch[aft], d. Bruder d. Frau, ein Dr. Pudelko mit seiner Frau (einer Tochter Rebers), die sehr liebe Frau Purrmann, die Strohwitwe ist, da ihr Mann sich gerade in Berlin um d. Weiterführ[ung] d. Villa Romana (die ihm anvertraut ist) bemüht. Sie wurde ihm für ein Jahr zugesagt, bis ein geeigneter Nachfolger gefunden wäre. Wiede- rum hörten wir, wie sehr Zimmermann wackle ; man macht ihm im Nachhinein we- gen d. Versteigerungskatalog des „Berliner Museums“ eine Disziplinaruntersuch[ung].
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Erica Tietze-Conrat Tagebücher, Band II: Mit den Mitteln der Disziplin (1937–1938)
Entnommena aus FWF-E-Book-Library
Titel
Erica Tietze-Conrat
Untertitel
Tagebücher
Band
II: Mit den Mitteln der Disziplin (1937–1938)
Herausgeber
Alexandra Caruso
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2015
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-79545-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
346
Kategorie
Biographien
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