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Tagebuch 1938/1
gesehen, bei Buonarroti dann die merkwürdig auseinandergehenden Jugen[d]proben.
Zum Ausfliegen war das Wetter zu windig u. kalt, so blieben wir sonntäglich Siesta
haltend ein Stündchen zu bett, arbeiteten dann ein weiteres Stündchen u. suchten
Georgis auf in d. Via Lorenzo il Magnifico 18, die noch heute nach fünf Jahren in
d. Erinnerung an Anderl schwelgen. Von ihnen bekamen wir d. Adresse von Anderls
Freund Pierre, den wir demnächst ausnützen wollen. Am Rückweg schauten wir zur
kranken Santifaller hinauf, in deren kleinem Zimmerl ein Radio aufgestellt worden
war, um das sich die übrigen Insassen d. Pensione scharten. Ob das f. d. fiebernde
Santifaller das Richtige ist ? ! Morgen kommt Carlo Visani zu ihr, sie will doch wissen
ob sie reisen kann
– soll.98
12. [April] früh
Gestern war für uns ein Tag, der Hoffnung machte. Ein Telegr[amm] von Taylor-
Worcester, daß sich etwas vielleicht im Smith College für nächstes Jahr machen las-
sen wird. Ein Brief von Frau v. Winter, die meine Andeutung verstand u. auf sie
einging. „Ich habe gestern von Ihrem Gatten ein Feuilleton über d. Marienburg im
Tagblatt mit großem Vergnügen gelesen !“ Dieses Feuilleton lag seit 1927 im Tagblatt
in d. Redaktion ! Als große Aktualität für d. Zeit d. Wahlpropag[anda] wurde es jetzt
herausgeholt. In d. Uffizien haben wir mit dem Aufarbeiten angefangen. Im Institut
hab ich mich mit Kriegbaum unterhalten, dann – im Vorübergehen – Graf Antoine
Seilern begrüßt, dem Hans – gerade jetzt – Platten zum Nach-Wien-Mitnehmen
ins Hotel bringt. Stoffel schreibt von einem kranken Finger, der geschnitten werden
mußte u. ihn behindert. O[nkel] F[elix] mit Hanki auf Weekend gefahren. Nur ein
paar Zeilen. Es muß doch ein Brief von ihm verloren gegangen sein.99
Abends.
In der Marucelliana (wo wir heut arbeiten wollten) sind bis nach Ostern Reinigungs-
arbeiten ; wir gingen zurück in d. Uffizien. Ein Brief von Dr Burg gab uns d. Auftrag,
die Messerschmidtbüste für ihn zu besorgen. Wir taten das gleich nach Tisch, d. h.
nach d. Nachmittagsuffizien (diesmal in d. Galerie) u. weil wir schon im Kaufen drin-
nen waren, haben wir die Kreidezeichn[ung] auf Blau, die wir für einen frühen Corla
oder späten Ercole de’ Roberti halten, um 300 L (für Burg) gekauft. Pierre Cornell,
Anderls Freund aus Paris, holte uns im Institut ab. Er ist ein Dampfplauderer u. wir
waren durch eine Karte Trudes nicht darauf gestimmt. Immerhin gingen auch diese
Stunden vorrüber. Daß er mit so viel Herzlichkeit an Anderl denkt, macht ihn uns im
vorhinein sympatisch.
14. [April] früh.
Gestern war ein – finanziell – vielversprechender Tag, diesmal schon Greifbares. In
d. Früh ein Brief vom Holbeinverlag, der uns eine à conto Rente auf unser Hono-
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Erica Tietze-Conrat
Tagebücher, Band II: Mit den Mitteln der Disziplin (1937–1938)
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- Titel
- Erica Tietze-Conrat
- Untertitel
- Tagebücher
- Band
- II: Mit den Mitteln der Disziplin (1937–1938)
- Herausgeber
- Alexandra Caruso
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2015
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-79545-2
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 346
- Kategorie
- Biographien