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Erica Tietze-Conrat - Tagebücher, Band II: Mit den Mitteln der Disziplin (1937–1938)
Seite - 233 -
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233 Tagebuch 1938/1 rar geben will u. am Abend ein Angebot aus Toledo (Ohio) für 1939/40 ganz oder halbjährig. Gut gezahlt. Wir nehmen natürlich an, aber mit Aussteigemöglichkeit. In d. Uffiz[ien] haben wir gestern 2 Z[eichnung]en, die als anon[ym] deutsch be- z[ie hungsweise] Bonifazio Veronese lagen, als Arbeiten des Bartolome till oder sill oder fell zusammengebracht (Fell ?), laut gleicher Aufschrift auf Rückseite. Eine andre Z[eich nung] ergab abgekletzelt* den Namen Jesse, Maler zu Nerlingen oder Uberlingen, datiert 1496. Eine Monstranz hatte gleichfalls auf d. Rückseite eine gleichzeitige deutsche Zeichn[ung], die sich auf d. ausgeführte Goldschmiedestück (?) bezieht. Dann haben wir mit der 1000 Blätter umfassenden Menge der Paesi an- gefangen. Der gute Giglioli bringt uns durch sein unaufhaltsames Reden mit uns zur Raserei ! Wir flüchteten ins Institut, wo wir vor allem d. Photos weiter durchsahen. Um ¾ 7 holten wir Mrs. Hartley ab u. begrüßten auch die Geschwister Visani an der Sperre. Stoffel soll unbeschreiblich „calm“ sein. Es war sehr gut, von ihm erzählt zu bekommen. Wir gaben es an Trude weiter. Ich war am Abend (Toledo, keine Nachricht v. Burgl, etc.) so schlaflos, daß ich nachts ein halbes Phanodon nehmen mußte.100 14. [April] abends. (Noch immer nichts von Burgl !) Dafür (gibt’s da ein „dafür“ ?) ein sehr ermuntern- der Brief von Saxl. Wir haben heute in d. S[amm]l[un]g Horne d. Z[eichnung]en durchgearbeitet. Zu unserm Empfang waren drei Herren, darunter Conte Gamba, erschienen, die uns einem Vertrauensmann dort übergaben. Die früheren Venetianer sind in einem Kastel beisammen, z[um] T[eil] interessante Blätter. Wir sahen noch d. Grenzgebiete durch, zuletzt die „Stranieri“ und frühen, unter den Ignoli secl. XIX eine Originalskizze von Tintoretto u. z[war] glaub ich diesmal wirklich von Ja[copo] u. nicht von Do[menico].  –101 Hans war nach Tisch Haarschneiden, dann gingen wir zum Restaurator Markicz am […], der sich in einer ehemaligen Kirche ein Atelier eingerichtet hatte. Leider konnten wir d. Bilder, deretwegen wir kamen, nur mehr in Photos sehen, sie waren schon an Asta nach Venedig zurückgeschickt worden. Wir werden sie uns dort an- sehen. Dann fuhren wir zu Mrs. Shapley, die im Villino von I Tatti (Berenson) ganz hoch oben in einem Bauernhaus von 1675 phantastisch wohnt. Wir tranken d. Tee im Freien u. blickten in das blühende Frühlingsland hinaus, während uns d. Duft der Glyzinien, die das Haus umranken, beglückte. Es war eine reine Freude. Und Mrs. Shapley, ein gütiger stiller Mensch, den Leiden innig u. heiter gemacht hat, paßt gut in diese Landschaft. Das Zusammensein tat uns wohl. Die beiden Mäderln (16 u. vielleicht 13) sehen kränklich u. arm aus. Wir gingen ein langes Stück wieder zufuß zurück, bis wir zur Stadtzone kamen, von wo die Filovia nur mehr 50 ct kostet. Zu- * abgekratzt
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Erica Tietze-Conrat Tagebücher, Band II: Mit den Mitteln der Disziplin (1937–1938)
Entnommena aus FWF-E-Book-Library
Titel
Erica Tietze-Conrat
Untertitel
Tagebücher
Band
II: Mit den Mitteln der Disziplin (1937–1938)
Herausgeber
Alexandra Caruso
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2015
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-79545-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
346
Kategorie
Biographien
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