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Erica Tietze-Conrat - Tagebücher, Band II: Mit den Mitteln der Disziplin (1937–1938)
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241 Tagebuch 1938/1 das laut war, sodaß wir d. Fenster schließen mußten. Am Morgen Regen, aber unbedeutend, schlechtes Licht, erst nachmittag erfreulich. Wieder den ganzen Tag im Museum, diesmal z[um] T[eil] mit Zeichnun- gen. Wir haben alles durch gesehen u. einiges pho- to graph[iert]. Eine Serie von Imperatoren, die hier „nach Stichen ?“ heißen, scheinen uns die von Fetti gezeichneten Originale zu sein. Jedenfalls stimmen sie nicht mit den Tizian-[…]stichen überein. Der Direttore Pallucchini (ein ausnehmend sympathischer Jüngling mit einer hochschwangeren Frau, die uns am Nachmittag zum Tee empfing  –) war gerade seit ges- tern nicht mehr Direktor. Sein Vertreter (noch keiner defi nit[iv]) Castelfranco aus Firenze wurde gerade eingeführt. Er selbst geht nach Venedig, Commune. Barbantini scheint nur mehr d. Ausstellungsspezi- alist sein zu wollen. Abends nach Parma, wo wegen des (heutigen) Viehmarktes alle Hotels voll waren u. nur mehr ein Zimmer mit Matrimonialbett u. auf d. Straße ! Entsprechend geschlafen.  –115 Fortsetzung am Nachmittag in Piacenza (Wir haben schon alles besichtigt !) Un- ser Vormittag in Parma war sehr lohnend, trotzdem für unsere Venezianer nichts herausgeschaut hat. Die Stadt hat so ganz andern Charakter als etwa Bologna. Keine Bogen, alles weit, landstadtmäßig. Eigentlich öde. Aber d. Bezirk Baptisterium Dom etc. unerhört eindrucksvoll. Das Baptisterium immer eine große Überraschung. Das Detail nicht so fein u. bedeutend wie in Modena, aber dafür durch Fülle u. Überfülle wirkend. Das Museum gut aufgestellt ; die Correggios […], jede Bildklasse allein ein Raum mit besonderen Möbeln dazu. Es war nur die gleichfalls angestellte  – Gat- tin des Direttore anwesend, die uns die paar völlig unbedeutenden venezianischen Z[eich nung]en, die sie haben, zeigte u. dann einen eigenen Karton mit hunderten Blättern einer Privatsamml[ung], deren jedes sie per Leika aufgenommen hat u. jetzt damit nach Florenz reisen wird, um umfassendere Studien anzustellen. Ich hab noch selten so einen Dreck beisammen gefunden. Bei jedem Blatt fragte sie den Hans „che pensa, professore ?“ Ich hüllte mich in meine laienhafte Anonymität u. genoß es, wenn Hans vollkommen sprachlos vor solcher Minderwertigkeit blieb. Wenn die Arme dann K[ün]stler á la Sebastiano oder Tintoretto vorschlug u. er doch nur Dreck Dreck dreimal Dreck war ! Wir fuhren dann nach Piacenza den Schachtelkäse im Zug dinierend. Hier hatten wir d. Museo Comunale auf d. Programm, da einmal ein paar Pordenonezeichn[ungen] auf d. Rückseite von Puttenskizzen publiziert worden waren. Es waren aber nur Anatomien von irgendwem späteren. Ferner d. Madonna Abb. 72 : Baptisterium von Parma.
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Erica Tietze-Conrat Tagebücher, Band II: Mit den Mitteln der Disziplin (1937–1938)
Entnommena aus FWF-E-Book-Library
Titel
Erica Tietze-Conrat
Untertitel
Tagebücher
Band
II: Mit den Mitteln der Disziplin (1937–1938)
Herausgeber
Alexandra Caruso
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2015
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-79545-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
346
Kategorie
Biographien
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