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Tagebuch 1938/1
wir seit fast einem Jahr schon besitzen ! Es ist d. ausgezeichnete Z[eichnung], deren
Photo wir bei Scharf sahen, das Original diesen Jänner bei de Burlet, jetzt steht es
fest, d. Z[eichnung] ist von Antonio Campi
– wer hätte das gedacht ! Das Bild gehört
zu einer Folge von Gerechtigkeitsdarstellungen d. Rathauses in Brescia. Die Z[eich-
nun g]en sonst in Brescia sind recht unbedeutend.130
Anmerkungen
1 Reiseroute vom 20. Jänner–15. Mai 1938, 1. Büchel
(Attnang-Puchheim) (A) – (Wels) – Salzburg (A) – Basel (CH) – Paris (F) – Dieppe – London
(GB)
– Malvern
– London
– Kingston Lacy (HT)
– Paris (F)
– Wien (HT)
– Turin (I)/(ETC)
–
Genua (ETC) – (Livorno) – Rom – Grottaferrata – Rom – Neapel – Florenz – Fiesole – Flo-
renz – Ponte a Mensola – Florenz – Siena – Florenz – Bologna – Modena – Parma – Piacenza –
Cremona
– Piacenza – Mailand – Lugano (CH)
– Mailand (I) – Bergamo – Brescia – Verona.
Liesbeth Askonas war Studentin HTs an der Wiener Universität gewesen. Den Akten
des Archivs der Universität Wien/Nationalien ist zu entnehmen, dass Askonas vom WS
1932/33 bis zum SS 1936 als ordentliche Hörerin inskribiert gewesen war. Am 13.9.1936
wurde ihr ein Absolutorium ausgestellt – was bedeutete, dass sie sämtliche Pflichtlehrver-
anstaltungen abgeschlossen hatte und sich ihrer Dissertation widmen konnte. Diese wurde
jedoch nicht mehr an der Wiener Universität approbiert. Interessantes Detail am Rande
Während Askonas in den Nationalien anfänglich als Religionszugehörigkeit „mosaisch“ an-
führte, bezeichnete sie sich ab dem SS 1934, also ausgerechnet in der Zeit der stärksten
Klerikalisierung, als „konfessionslos“ (Archiv der Universität Wien, Nationalien, Liesbeth
Askonas ; zu Lisbeth Askonas siehe TB 1938/1, 25.2.; TB 1938/2, 13.9.).
Aus einem Brief ETCs an ihren Sohn Andreas erfährt man etwas mehr über ihr Verhältnis
zu den beiden angehenden Kunsthistorikerinnen Liesbeth Askonas und Ditta Santifaller
(siehe TB 1938/1, 9.4.) „Heute gibt die Liesbeth ihre Dissertation ab ; es hat lang genug
gedauert. Diese alten von [Julius von] Schlosser noch herkommenden Rigorosanten mo-
ckieren sich alle sehr über den neuen Kurs ; am Sonntag war die Santifaller da, die erzählte,
wie in jeder Dissertation ein Stück Strukturanalyse und
– womöglich
– Baldachinableitung
sein müsse. Erstere ist einfach eine andere Ausdrucksform für genaues Einsehen in ein
Kunstwerk, was mir doch für einen Kunsthistoriker Voraussetzung zu sein scheint. Letz-
teres geht allerdings kaum bei dem Thema, das die Santifaller arbeitet (Tiepolo als Ra-
dierer), belastet aber sehr die arme Liesbeth, die eine Joyeuse Entrée (Festzug) in Brügge,
eine Miniaturhandschrift von 1500 u. einige […] behandelt. Da die Festdekoration an den
Brügger Straßen überall Architekturen zeigt, so ergibt sich überall ein Verhältnis zum go-
tischen Baldachin, aus dem Sedelmayer [sic !] bekanntlich die ganze gotische Architektur
ableitet. Papa sagt (aber nur zu mir) wenn einer einen Vogel hat, so ist das sein gutes Recht ;
das Schlimme ist nur, wenn er einen Schüler zwingt, denselben Vogel zu haben …“ (Brief
ETC an Andreas Tietze in Istanbul vom 7.12.1937, Privatarchiv Filiz Tietze). Gemeint
war Hans Sedlmayr (1896–1984), der 1936 die Nachfolge Julius von Schlossers auf dem
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Erica Tietze-Conrat
Tagebücher, Band II: Mit den Mitteln der Disziplin (1937–1938)
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- Titel
- Erica Tietze-Conrat
- Untertitel
- Tagebücher
- Band
- II: Mit den Mitteln der Disziplin (1937–1938)
- Herausgeber
- Alexandra Caruso
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2015
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-79545-2
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 346
- Kategorie
- Biographien