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Erica Tietze-Conrat - Tagebücher, Band II: Mit den Mitteln der Disziplin (1937–1938)
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296 Tagebuch 1938/2 Regen ! Hier in Vicenza seit 160 Tagen ! Die Bilder hier, die wir von Kirche zu Kirche gehend, fanden [abgebrochen] 18. [Mai] Dopolavoro u. z[war] schon Padua u. wieder gutes Wetter. Meine Füllfeder war ausgegangen  – setzte fort, weiß aber nicht, wie ich d. Satz beenden wollte. Vicenza hat uns sehr enttäuscht. Wenn man nicht auf Architekt[ur] ausgeht, ist es sehr zweitrangig. Dieser Maganza wie eine Übersetzung von allen möglichen fernen Dingen ins temperamentlos  – Bürgerliche. Provinziell im schlimms- ten Sinn. Nicht eigenbrödlerisch for- mal, sondern auf ein banales Publikum Rücksicht nehmend. In einer Kirche, in der wir einen wohl unterrichteten Mess- ner kennen lernten, sprach uns auch ein Prete an, der schließlich einen Giorgione zeigen wollte, den er privat besaß. Es war ein Istituto Protti wo wir ihn zu sehen bekamen (Großer Palazzo, in dem 60 Familien heruntergekommener Adeliger Wohnung u. Unterstützung aller Art be- kommen). Es war ein Bild um 1510/20 Porträt eines Bärtigen, aber ein schwaches geistloses Bild. Am Nachmittag zogen in unser Hôtel fünfzig ungarische Philharmoniker ein, die ein Konzert am Abend (Di- rigent Karl Krüger aus Kansas City !) geben sollten. Es wurde aus allen Fenstern zu uns herein auf verschiedensten Instrumenten gleichzeitig geübt, weswegen wir (end- lich doch) ins Kino gingen. Da d. Platz nur 10 L. kostete, brachte die Wochenschau Wintersport, u. a. aus „Austria“ und keine Aktualitäten, die uns unangenehm gewesen wären. Aber es waren geschlagene 3 Stunden u. dabei haben wir nicht einmal das Ganze mitgemacht.  –3 Wir kamen um 9 zum Essen, es war schon d. zweite auf d. Karte gestrichen. Und heute früh haben wir wiederum alle möglichen Kirchen besehen u. sind um 11 nach Padua gereist. Die Ungarn waren uns aber schon zuvorgekommen u. hatten unser Hôtel (Centenario) besetzt, sodaß wir wiederum ins Stoppelo fuhren. Wir waren in Kirchen u. Museen fleißig, haben Moschetti erreicht u. den Z[eichnungen]ka- Abb. 77 : Der hl. Zeno fischt in der Etsch, Bronzetor der Basilika San Zeno, 12. Jh., Verona.
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Erica Tietze-Conrat Tagebücher, Band II: Mit den Mitteln der Disziplin (1937–1938)
Entnommena aus FWF-E-Book-Library
Titel
Erica Tietze-Conrat
Untertitel
Tagebücher
Band
II: Mit den Mitteln der Disziplin (1937–1938)
Herausgeber
Alexandra Caruso
Verlag
Böhlau Verlag
Ort
Wien
Datum
2015
Sprache
deutsch
Lizenz
CC BY-NC-ND 3.0
ISBN
978-3-205-79545-2
Abmessungen
17.0 x 24.0 cm
Seiten
346
Kategorie
Biographien
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