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Tagebuch 1938/2
müde gemacht. Dieses tägliche von Zei-
tung zu Zeitung auf d. Kriegsausbruch
warten, ist nervenabspannend. Beson-
ders war es das bis Samstag abend : da
erst kam nämlich Trudes Telegramm aus
Dornach ! Ein Stein war uns vom Her-
zen. Hans mit seiner Gewissenhaftig-
keit hat furchtbar darunter gelitten, daß
sich ihre Abreise immer wieder verzö-
gerte – schon am Samstag vorher hatte
sie ihr amerik[anisches] u. englisches
Visum im Paß gehabt ! „Wenn Trude
einmal draußen ist, werde ich gar keine
Sorgen haben“, hatte er vorher immer
wieder gesagt. Aber bei d. jetzigen Lage
d. Weltgeschichte ist das doch nicht so
leicht durchzuführen. Was haben wir
Posi t[i ves] geleistet ? Wesentliches für
die Verlängerung unserer Aufenthalts-
erlaubnis bis 10. Dez[ember] in Frank-
reich, um unser amerikan[isches] Visum
hier abzuwarten. Für dieses die fehlen-
den Leumundsnoten aus Holland, Ita-
lien, Wien und USA eingeleitet. Uns um
eine Wohnung in d. Cité Univers[itaire]
umgeschaut u. gefunden, daß das nicht d.
Richtige für uns wäre u. Floch ersucht, uns eine andre Wohnung zu suchen. Einzel-
nes in d. Louvredessins durchgeschaut. C’est tout.32
22. [September]
Hôtel Europe et Poste, Besançon (zu teuer ?) Wir sind vorgestern abends hier ange-
kommen, es ist ja ein reizendes Städterl. Wir haben gestern vor- u. nachmittag im
Museum gearbeitet. Der Direktor
– Mercier
– ist leidend u. lebt auf d. Lande ; er hat
sich selbst einen Substituten gezahlt, Allemand, sehr nett. (Seine Frau war Schülerin
von Rouchès). Die Sammlung – berühmt fürs 18. Jh. – ist eigentlich auch sonst sehr
bedeutend. Die Bilder (Cranachs, ein Schäufeleinmännerportr[ät] (dort anon[ym]),
das von Buchner schon publiz[ierte] (?) Grünewaldportr[ät] – u. das wundervolle
vene z[ia nische] Bild, das jetzt im Mus[eum] Cariani heißt
– Noahs Trunkenheit ! Von
wem kann es sein ? Für Cariani stammt nur d. Format u. das Stück Giorgione, das
drinnensteckt
… Ausgezeichnet d. Zeichnungssamml[ung] ! Dürer, bez[iehungsweise]
Abb. 88 : Trude Tietze, geb. Inwald – „Wenn Trude einmal draußen
ist, werde ich gar keine Sorgen haben.“
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Erica Tietze-Conrat
Tagebücher, Band II: Mit den Mitteln der Disziplin (1937–1938)
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- Titel
- Erica Tietze-Conrat
- Untertitel
- Tagebücher
- Band
- II: Mit den Mitteln der Disziplin (1937–1938)
- Herausgeber
- Alexandra Caruso
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2015
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-79545-2
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 346
- Kategorie
- Biographien