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Tagebuch 1938/2
noch die umfassenden Kenntnisse, die damals als Teil der allgemeinen Bildung galten ; und
weil er seine Leidenschaft in kurze Augenblicke konzentrieren muß, ist er angewiesen, si-
cher zu gehen, sich auf Autoritäten zu stützen, die ihm gleichzeitig für seine unvergleichlich
erheblichere Investition Sicherheit bieten. […] er fühlt sich gedeckter, wenn ein Fachmann
von Rang und Namen verpflichtet ist, in dem Kunstwerk die von ihm erteilte Expertise zu
verteidigen.“ (Tietze 1928a, 379–380.)
7 Zu HTs kulturpolitischen Aktivitäten siehe TB 1938/1.
„Vickerl“ – Wienerisch, Koseform für „Viktor“ – wahrscheinlich eine Anspielung auf den
Gründer der österreichischen Sozialdemokratischen Partei, Viktor Adler (1852–1918).
Nach seiner Zeit im Bundesministerium hatte HT während einiger Jahre in verschiedenen
Organen der österreichischen Sozialdemokratie publiziert. Ob er tatsächlich jemals auch
Parteimitglied geworden ist, kann heute nicht mehr überprüft werden, da die entsprechen-
den Parteiakten die antidemokratischen Regime nicht überdauert haben. In der Familie
gibt es zu dieser Frage unterschiedliche Einschätzungen.
Veronika („Vroni“), die jüngste Tochter von ETC und HT, war 1927 neunjährig an Hirn-
hautentzündung verstorben ; zu Vroni Tietze siehe TB 1923–1926.
1938 fehlten Franz Reichsman zur Beendigung seines Medizinstudiums nur mehr zwei
Prüfungen. Als er kurz nach dem Einmarsch der deutschen Truppen Verwandte in einer
Wohnung in Wien aufsuchte, wurde er gemeinsam mit diesen von der Gestapo festgenom-
men. Er verbrachte zwei Monate in Gestapo-Haft, bevor er mithilfe des jugoslawischen
Botschafters seine Freilassung erwirken konnte.
„Unsere Agenden einem Advokaten übergeben“ – der Versuch einer fingierten Arisierung
des Wiener Hauses durch den Rechtsanwalt der Tietzes sowie einiger vertrauter „Schein-
bewerber“ misslang, da die Kaufanwärter von den Behörden als politisch nicht vertrauens-
würdig eingeschätzt wurden. Dass die Liegenschaft schließlich dennoch quasi in der Ver-
fügungsgewalt der Familie verblieb, ist dem Umstand zu verdanken, dass Therese Kurzweil
als langjähriger „arischer“ Haushälterin ein lebenslanges Wohnrecht eingeräumt worden war
(ÖStA, AdR, BMF, 06, VVSt, Liegenschaft 5479, K468). Nach dem Krieg übertrugen die
Eltern das Haus ihrer Tochter Burgl, die als Einzige gewillt war, nach Wien zurückzukehren.
8 Biblioteca Marciana (Markus-Bibliothek), Venedig.
Torcello – Insel im nördlichen, und Chioggia – Stadt im südlichen Teil der Lagune von
Venedig.
Die Bemerkung „Franz ist endlich frei geworden, aber erst 14“ bleibt rätselhaft, möglicher-
weise handelt es sich um eine Fehlstelle.
Maja Slotta, geb. Fraenkel, Tochter von ETCs Schwester Lili, war mit Ehemann, ihrer
kleinen Tochter Sabine und den Eltern bereits 1933 von Breslau nach São Paulo, Brasilien,
emigriert.
Trude Tietze hielt sich noch in Wien auf (TB 1938/2, 3.8., 19.8.).
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Tagebücher, Band II: Mit den Mitteln der Disziplin (1937–1938)
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- Titel
- Erica Tietze-Conrat
- Untertitel
- Tagebücher
- Band
- II: Mit den Mitteln der Disziplin (1937–1938)
- Herausgeber
- Alexandra Caruso
- Verlag
- Böhlau Verlag
- Ort
- Wien
- Datum
- 2015
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 3.0
- ISBN
- 978-3-205-79545-2
- Abmessungen
- 17.0 x 24.0 cm
- Seiten
- 346
- Kategorie
- Biographien