Seite - 149 - in ExtremA 2019 - Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Österreich
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© 2020, Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen
ISBN Print: 9783847110927 – ISBN E-Lib: 9783737010924
7.4.1 Starkregen
Starkregen tritt bevorzugt entlang der Alpenränder auf. Ein ausgeprägter Zu-
sammenhang zwischenmittleren Jahressummen und höchsten Tagessummen
des Niederschlages liegt auf der Hand. Unterschiede offenbaren sich erst im
Detail.
Die räumlichenVerteilungenvon Starkregenwurdenbisher nochnicht ex-
plizit, sondern allenfalls implizit über ihre Dauerstufen in flächige und kon-
vektive Ereignisse unterteilt. Watzinger (1997) untersuchte alle 24-stündigen
Stationsmessungen über 140mm inÖsterreich zwischen 1895 und 1992 und
führtedieMaximaentlangderAlpennord-und-südseitevorrangigaufflächige,
durch Stau unterstützte Niederschläge zurück. Eine weitere Häufung an den
südöstlichenAlpenausläufernwies erkonvektivenNiederschlagsspitzenvon in
Wahrheit wesentlich kürzeren Zeitdauern zu. Lorenz und Skoda (2001) ver-
knüpften Stationsdatenmit räumlichenNiederschlagsmustern aus einemnu-
merischenModell füreineAbschätzungstatistischerWiederkehrzeitenvon30-
minütigenbis 12-stündigenNiederschlägenauf einem6-km-Gitter.DieserDa-
tensatzwirdbis heute für Bemessungsniederschläge verwendet undbildet die
beiden unterschiedlichen Regimes ebenfalls deutlich ab, indem die regional
höchstenBemessungswertevonkurzenzulängerenDauerstufenallmählichvom
Südosten (Maximum konvektiver Ereignisse) zur Alpennord- und -südseite
(MaximumflächigerEreignisse)wandern.
FürflächigeStarkniederschlägelassensichinÖsterreichvierNaturräumemit
räumlicherundsaisonalerUnterscheidungidentifizieren(FormayerundKromb-
Kolb, 2009;Hofstätter et al., 2015):
– VonVorarlbergbisOberösterreichbringt vor allemNordwest-bisNordstau
über das ganze Jahr verteilt ergiebigeNiederschläge. DieDruckgegensätze,
diedieseStaueffektemaximieren, treten typischerweise andenFlankenvon
Tiefs atlantischenUrsprungs oder andenRückseiten vonabziehendenVb-
Tiefs auf. BemerkenswerteEreignisse in jüngererVergangenheit tratenetwa
im Februar 1990 sowie imMärz 2002 auf. Bei Zufuhr milder atlantischer
Luftmassen spielt imWinterundFrühjahrauchSchneeschmelze einegroße
Rolle,sodassesindiesenSituationenbesondersschwierigseinkann,dierein
meteorologischeKomponenteherauszufiltern.
– SüdstauanderVorderseitevonMittelmeertiefs (inklusiveentstehendenVb-
Tiefs)bewirktanderAlpensüdseitevonOsttirolüberKärntenbisinTeileder
Steiermark flächige Starkniederschlägemit einermaximalenHäufigkeit im
HerbstundWinter.EinhistorischherausragendesEreignistratimNovember
1966 auf (Troschl, 1967). Erst vor kurzemwarendieNiederschlägeund fol-
genden Hochwässer vom 27.–30.Oktober 2018 mit jenen von 1966 ver-
gleichbar.
ZeitlicheundräumlicheVerteilung,historischeFallbeispiele 149
Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY-NC-ND 4.0
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Buch ExtremA 2019 - Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Österreich"
ExtremA 2019
Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Österreich
- Titel
- ExtremA 2019
- Untertitel
- Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Österreich
- Autoren
- Thomas Glade
- Martin Mergili
- Herausgeber
- Katrin Sattler
- Verlag
- Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1092-4
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 778
- Kategorie
- Geographie, Land und Leute