Seite - 151 - in ExtremA 2019 - Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Österreich
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© 2020, Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen
ISBN Print: 9783847110927 – ISBN E-Lib: 9783737010924
gehende Tageserwärmung der Luft und ein hohes Feuchteangebot, ambesten
überlappen. Inneralpin stellt das mangelnde Feuchteangebot, im Flachland
hingegendie schwächereTageserwärmungden limitierendenFaktordar.
Besonders gewitterreich ist die Alpensüdseite. Das europaweite Gewitter-
maximumumfasst den Schweizer Tessin, weite Teile Norditaliens, Slowenien
sowie den Südenund SüdostenÖsterreichs; das Feuchteangebot der warmen
AdriaverlängerthierdieGewittersaisonzudembisindenHerbsthinein(Schulz
et al., 2005;Kotroni undLagouvardos, 2016; Piper undKunz, 2017). Seit 1992
waren laut den Aufzeichnungen von ALDIS in 23 von 26 Jahren entweder
Kärntenoderdie SteiermarkdasösterreichischeBundeslandmitderhöchsten
Blitzdichte.
AufGemeindeebene ist diemittlere jährliche Blitzdichte inMiesenbachbei
Birkfeld (Bezirk Weiz, Steiermark) am höchsten. Diese Gemeinde liegt am
steirischen Randgebirge, wo auch die extremsten in Österreich bekannten
Wolkenbrüchekonzentriertsind(Schwarzl,1972;Watzinger,1997;Kirnbaueret
al., 2016).Bei vierEreignissenergabenentweder eineMessung (1947amSem-
mering)odereinehydrologischeRekonstruktion (1913 imStiftingtal beiGraz,
1915 inSchauereggamWechsel und1958beiAllerheiligen indenFischbacher
Alpen) Niederschlagsmengen vonmehreren hundertMillimetern binnenwe-
niger Stunden. Drei dieser Ereignisse wurden detailreich dokumentiert (For-
chheimer, 1913; Schoklitsch, 1914; Hader, 1951; Zettl, 1958; Schwarzl, 1972).
Informationüber das Ereignis von Schaueregg 1915 dürfte infolge der beiden
Weltkriege verloren gegangen sein; in Sekundärquellenwird esmit einem re-
konstruiertenNiederschlagsmaximumvonetwa650mminzweiStundensogar
alsder stärksteWolkenbruchüberhaupt inÖsterreichgeführt.
Auch inden letztenJahrentratenkonvektiveStarkregenmit100bis200mm
Niederschlagbinnenweniger Stundenvorrangig imSüdostenÖsterreichs auf.
ImFrühsommer2010warenkurznacheinanderHollenthonundTaucheninder
BuckligenWeltbetroffen, am16.April 2018HeiligenkreuzamWaasenunddas
Stadtgebiet von Graz. Ansonsten traten Niederschläge ähnlicher Größenord-
nung lediglich 2006 inWeikertschlag imnördlichenWaldviertel und 2016 im
grenznahenSimbachinBayernauf(Tabelle02undAbbildung07inKirnbaueret
al., 2016).
KonvektiveStarkregenwurdenbishernochkaummitWetterlagenverknüpft.
Jedenfallswerden sie nicht so sehrdurch einebestimmteWetterlage ausgelöst
wie flächige Starkniederschläge durch Vb-Tiefs. Offensichtlich können viele
unterschiedlicheWetterlagen die Bedingungen für einen konvektiven Starkre-
gen bereitstellen. Bereits Schwarzl (1972) schloss, dass die Hochwasser- und
Murenkatastrophe von 1958 in den Fischbacher Alpen nicht als beispielloser
»Exzess« der Natur gesehenwerden sollte, sondern sich bei neuerlichemZu-
sammentreffen der Bedingungen dort oder andernorts wiederholen könnte.
ZeitlicheundräumlicheVerteilung,historischeFallbeispiele 151
Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY-NC-ND 4.0
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Buch ExtremA 2019 - Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Österreich"
ExtremA 2019
Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Österreich
- Titel
- ExtremA 2019
- Untertitel
- Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Österreich
- Autoren
- Thomas Glade
- Martin Mergili
- Herausgeber
- Katrin Sattler
- Verlag
- Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1092-4
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 778
- Kategorie
- Geographie, Land und Leute