Seite - 233 - in ExtremA 2019 - Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Österreich
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© 2020, Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen
ISBN Print: 9783847110927 – ISBN E-Lib: 9783737010924
Verschiebung der globalen atmosphärischenZirkulationverursacht sein. Eine
interessante Frage ist zum Beispiel, ob die für Hochwasser gefährlichen Vb-
Wetterlagen häufiger geworden sind. Auswertungen vonMessdaten zeigen je-
doch, dass dies nicht der Fall ist (Hofstätter et al., 2015, 2018; Blöschl et al.,
2018a),wennauchdieStarkniederschläge,besonders imNordenÖsterreichs in
den letzten Jahrzehnten etwas zugenommenhaben. Bei höherenLufttempera-
turenkannjedochauchdielokaleKonvektionaufgrunddergeringerenStabilität
derAtmosphäreunddesgrößerenWasserhaltevermögenszunehmen.Nachder
Clausius-ClapeyronBeziehungsteigtdasWasserhaltevermögenderAtmosphäre
umetwa7%proGradTemperaturerhöhung. Inwieweit sichdies auf Starknie-
derschläge auswirkt, wird in der Literatur noch diskutiert (Kirnbauer et al.,
2016; Lexer et al., 2018). Trendanalysen der beobachteten jährlichen Hoch-
wasserabflüsse inÖsterreich (Abbildung02) zeigen, dass in 29%derGebiete
mit Flächen< 500km2derHochwasserabfluss signifikant angestiegen ist. Für
GebietemitFlächen>500km2sindes17%.BeideZunahmensindvorallemauf
einenAnstiegderSommerhochwasser zurückzuführen.
Neben demKlima sindÄnderungen der Landnutzung ein Faktor, der die
Größe vonExtremhochwässern beeinflussen kann.Der Einfluss der Landnut-
zung ist auf Einzugsgebietsebene schwer greifbarwegender räumlichenHete-
rogenität der damit verbundenen Prozesse (Rogger et al., 2017; Alaoui et al.,
2018). Klar ist, dass der Einsatz schwerer landwirtschaftlicherMaschinen zu
Bodenverdichtung führen kann – in Europa sind rund 33Millionen Hektar
durch Bodenverdichtung betroffen (Birkas, 2008). Diese wirkt sichwiederum
ungünstig auf die Infiltration und damit dieHochwasserentstehung aus. Um-
gekehrtsindWaldbödenoft lockerer,dadurchkanndieInfiltrationgrößersein.
Inwieweit diese Effekte auf Flussgebietsebenewirksam sind, ist allerdingswe-
nigerklar(Blöschl,2018b).MithydrologischenModellenkannderEinflussvon
Landnutzungsänderungen auf Hochwasser simuliert werden (Salazar et al.,
2012).Dabei zeigt sich, dass derEinflussmit derGrößedesEreignisses inder
Regel abnimmt. Das bedeutet, dass Extremhochwässer weniger durch Land-
nutzungsänderungen beeinflusst sind als kleinere Ereignisse (Salazar et al.,
2012).
Die dritte Einflussgröße sind wasserbauliche Maßnahmen. Wenn sich die
Hochwasserwelle imFlusssystemausbreitet,wirdsievondenEigenschaftendes
GerinnesunddesVorlandesbeeinflusst.DerVerlust vonRetentionsflächen im
Vorland kann zu einer Erhöhung des Hochwasserscheitels führen. Der wich-
tigste Parameter zur Beurteilung, ob eine Erhöhung stattfindet, ist dasWas-
servolumen, das imVorland zurückgehaltenwerdenkann,währenddieVege-
tation für die Größe desHochwassersmeist eine untergeordnete Rolle spielt.
Dieses Volumenmuss imBereich desHochwasserscheitels zur Verfügung ge-
stelltwerden.ZumBeispiel zeigten Skublics et al. (2016), dass derVerlust von
AktuelleGefahrensituationund ihreVeränderungen 233
Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY-NC-ND 4.0
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ExtremA 2019
Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Österreich
- Titel
- ExtremA 2019
- Untertitel
- Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Österreich
- Autoren
- Thomas Glade
- Martin Mergili
- Herausgeber
- Katrin Sattler
- Verlag
- Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1092-4
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 778
- Kategorie
- Geographie, Land und Leute