Seite - 296 - in ExtremA 2019 - Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Österreich
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© 2020, Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen
ISBN Print: 9783847110927 – ISBN E-Lib: 9783737010924
Der Begriff »Kolk« beschreibt eine lokale und häufig sehr tief reichende Ein-
tiefung der Gewässersohle. Kolke entstehen durch hohe, lokal wirkende Strö-
mungsbelastungen rotierender Wasserwalzen. Sie treten unter anderem im
NahbereichvonEinbauten imGewässer auf, indenendieWasserströmungab-
gelenkt wird (z.B. an Brückenpfeilern, in Außenkurven, in unbefestigten Be-
reichennachnatürlichenoderkünstlicherzeugtenAbstürzen, etc.).
DasmöglicheAusmaßderTiefenerosionsteht indirektemZusammenhang
mit jenemAnteil der Strömungskraft, der für die Erosiondes Sediments aus
der Sohle verfügbar ist. Massive Sohleintiefungen stellen sich demnach
überwiegendwährend (extrem)hoherAbflüsse ein.Es ist dadurchhäufig ein
Zusammenhang mit der Größe des Hochwassers (vgl. Beitrag 10 zuHoch-
wasser)gegeben.Durchdie limitierteVerfügbarkeitvonLockermaterial inder
Gewässersohle (Wildbäche, Zwangsgerinne), sehr hohe kritische Sohlschub-
spannungen oder eine sukzessive Reduktion des Längsgefälles als Folge der
Eintiefung (Gebirgs- und Talflüsse) ist das maximale Erosionsausmaß be-
schränkt.
12.3.4 Ufer-undSeitenerosion
Ufer- und Seitenerosionweisen ein sehr vielfältiges Erscheinungsbild imZu-
sammenhang mit fluviatilem Feststofftransport auf. Es reicht von der klein-
räumigen Erosion der Ufer (Uferanbrüche über eine Länge vonwenigenMe-
tern), über die Unterspülung und den daraus resultierenden Kollaps großflä-
chiger Böschungseinhänge, bis hin zur Aufweitung des Gewässers um ein
VielfachesdesursprünglichenZustandes.
DieUfer- und Seitenerosion tritt sowohl in steilenWildbächen, als auch in
Gewässern imLockermaterial (Gebirgs- undTalflüsse, Schwemmkegelgerinne
vonWildbächen) auf. Allerdings unterscheiden sich die Ausprägungen und
somitdieAuswirkungenaufmöglicheFolgeprozesse.
In flacherenGewässern imLockermaterial könnendieUfer-undSeitenero-
sion das ursprüngliche Gewässerbett sehr deutlich verbreitern. Bei entspre-
chendemSedimenteintragvonflussaufwärtsbildensichindiesenaufgeweiteten
Bereichen aufgrund der verringerten Transportkapazitäten folglich Ablage-
rungen (sieheProzessmusterAblagerung infolgeSedimentüberschuss),welche
wiederumdieTendenzzurSeitenerosionverstärken. InsteilenWildbächenmit
hochreichenden Böschungen resultiert aus starker Seitenerosion ein starker
Sedimenteintrag, welcher bei ausreichender Transportkapazität weitertrans-
portiertwirdundmöglicherweiseinUnterliegerabschnittenzuProblemenführt
(sieheProzessmusterAblagerung infolge Sedimentüberschuss). In bewaldeten
GebietenistauchderEintragvonWildholzausdenunmittelbarandasGewässer
FluviatileFeststoffereignisse296
Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY-NC-ND 4.0
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Buch ExtremA 2019 - Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Österreich"
ExtremA 2019
Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Österreich
- Titel
- ExtremA 2019
- Untertitel
- Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Österreich
- Autoren
- Thomas Glade
- Martin Mergili
- Herausgeber
- Katrin Sattler
- Verlag
- Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1092-4
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 778
- Kategorie
- Geographie, Land und Leute