Seite - 304 - in ExtremA 2019 - Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Österreich
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© 2020, Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen
ISBN Print: 9783847110927 – ISBN E-Lib: 9783737010924
12.5 Umgangmit fluviatilenFeststoffgefahrenprozessen
12.5.1 HistorischerAbrissdespraktischenSchutzwasserbaus
IndenAlpenhatderMenschseit jeherversucht, seinenSiedlungsraumvorden
Naturgewalten zu schützen. Vonbesonderer Bedeutung sind hierbei dieWas-
sergefahren in Form vonÜberschwemmugen bis hin zu Vermurungen. Der
SchutzvordiesenGefahrenisteinederHauptaufgabenderWildbachverbauung
(Wildbäche) und des Schutzwasserbaus (Gebirgs- und Talflüsse). In beiden
Bereichen besteht auch ein enger, in den Anfängen durchaus unterschiedlich
ausgeprägter Austausch zwischen Praxis und wissenschaftlicher Entwicklung
neuerMethoden,Modelle, etc.
Im Schutzwasserbau bestanden die Anfänge des regionalen Hochwasser-
schutzes in der Regulierung (Begradigung, Einengung, Sohl- und Ufersiche-
rung)dergroßenTalflüsse. ImHinblickaufdenFeststoffhaushaltderGewässer
bestanddasZiel darin, einenGleichgewichtszustand zu erreichen, indemsich
dieGeschiebezu-und-abfuhrlangfristigausgleichen,umSohlanlandungenund
nachfolgendeÜberschwemmungen zu verhindern. Die praktischeUmsetzung
solcher Flusskorrekturen war eng mit den theoretischen Erkenntnissen zum
Geschiebetransportverbunden.ZahlreicheUntersuchungeninModellgerinnen
der damals neu errichtetenVersuchsanstalt der ETHZürich lieferten notwen-
digeGrundlagendatenzumGeschiebetransport.DasHauptaugenmerklagdabei
in der theoretischen (maximalen) Transportkapazität großer kiesführender
Flüsse. Es entstanden weltbekannte Formeln, die nach wie vor ihre (einge-
schränkte) Gültigkeit haben (u. a. Meyer-Peter und Müller, 1949; Einstein,
1950). Diese wichtigen Ansätze und Gleichungen wurden in den folgenden
Jahrzehnten kontinuierlich erweitert, unter anderem richtete sich der Fokus
zunehmend auch auf die Prozesse in steileren Gerinnen (u. a. Hänger, 1979;
Smartund Jäggi, 1983;Rickenmann, 1990).
SeitBeginndesWildbachschutzeswarenwichtigeSchwerpunktedieBindung
desGeschiebes sowohl in der Fläche (durchAufforstungen, Begrünungen) als
auch imGerinne (Konsolidierung).DasZiel bestand inderVerminderungdes
Geschiebeaufkommens im Erosionsgebiet und wohl auch deshalb hat die
Wildbachverbauung inÖsterreich ihre geschichtlichenWurzeln in der Forst-
wirtschaft. Im Laufe des letzten Jahrhunderts hat sich schließlich das Forst-
technische System derWildbachverbauung etabliert, was als weiteren Schwer-
punkt dieRetention andenGrabenausgängenunddieunschädlicheAbleitung
derWildbachprozesse in denVorfluter enthielt (Länger, 2009). In denvergan-
genen Jahrzehntenwurdendiese Schutzkonzepte umgezielteMaßnahmenzur
Dosierung und Filterung der Geschiebefracht während Extremereignissen er-
gänzt (Geschiebebewirtschaftung; Kettl, 1984; ASI, 2009a; Bergmeister et al.,
FluviatileFeststoffereignisse304
Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY-NC-ND 4.0
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Buch ExtremA 2019 - Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Österreich"
ExtremA 2019
Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Österreich
- Titel
- ExtremA 2019
- Untertitel
- Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Österreich
- Autoren
- Thomas Glade
- Martin Mergili
- Herausgeber
- Katrin Sattler
- Verlag
- Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1092-4
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 778
- Kategorie
- Geographie, Land und Leute