Seite - 329 - in ExtremA 2019 - Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Österreich
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© 2020, Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen
ISBN Print: 9783847110927 – ISBN E-Lib: 9783737010924
nitionendesBegriffsÜberlastfall,diesichaufNaturgefahrenallgemeinbezieht,
stammt von der Schweizerischen Plattform für Naturgefahren (PLANAT), die
einensolchenFall alsNaturereignis spezifiziert,das»soheftigeintritt, dassdie
getroffeneSchutzmassnahmenicht ausreicht« (PLANAT,2012, S. 5).
EinemeinheitlichenallgemeinenVerständnisdessen,wasinderWissenschaft
und Praxis im Alpenraum unter einemÜberlastfall verstanden wird, stehen
Unterschiede im Detail der bestehenden Definitionen gegenüber. Zur Be-
schreibungderSchlüsselbegriffe»Schutzmaßnahme«oder»Schutzziel«werden
alleine im deutschen Sprachraum vielfältige Termini wie Schutzkapazität,
Schutzwirkung, Bemessungsereignis, Abfuhrkapazität, Restrisiko, Dimensio-
nierungsszenarioundDimensionierungswassermengeherangezogen.Auchbei
derNennungmöglicherSchwellenwertezurAbgrenzungvonÜberlastfällen,die
zumeist nur für Hochwassergefahren angegeben werden, gibt es bedeutende
Unterschiede.SowirdzumBeispiel ineinerBroschüre fürdenösterreichischen
Hochwasserrisikomanagementplan derÜberlastfall dem Restrisiko ab einem
Ereignis>HQ100 zugeordnet (BMLFUW, 2015a, S. 7), also einemHochwasser,
das statistisch alle 100 Jahre erreicht oder überschrittenwird. In den techni-
schen Richtlinien für die Bundeswasserbauverwaltung RIWA-T findet sich
hingegen derHinweis auf denGrenzwertHQ300 (BMLFUW, 2015b, S. 34), also
einem Hochwasser, das statistisch alle 300 Jahre erreicht oder überschritten
wird. Schwellenwerte indieserHöhewerden im IRMverwendet undbeziehen
sichdannvorwiegendaufgrößereArealewie z.B.Flusseinzugsgebiete.
Diese systemorientiertenHerangehensweisensindvondenrein technischen
AnsätzenzurBeschreibungvonÜberlastfällen zuunterscheiden:
Aus der Perspektive des integralenRisikomanagements bedeutet einÜber-
lastfall, dass Schutzziele, welche im Rahmen eines Schutzkonzeptes definiert
wurden und mit Hilfe eines Systems an baulichen sowie nicht-baulichen
Schutzmaßnahmen angestrebt wurden, aufgrund eines intensiven Ereignisses
überschrittenwerden (vgl. Kapitel 13.3). In einem technischen, ingenieurbau-
lichenVerständnisbezieht sich einÜberlastfallmeistens auf denSchutzdurch
eineeinzelnebaulicheMaßnahme,derenstatischeBemessungsgrößen in ihren
JährlichkeitenweitüberdenüblichenSchutzzielen imRahmendes IRMliegen.
Für solche Hochwasserschutzmaßnahmen ist zu unterscheiden zwischen der
Betrachtung der Schutzfunktion auf der einen und der Gewährleistung der
Bauwerks- bzw. StandsicherheitaufderanderenSeite (sieheAbbildung01).
Die (Hochwasser-) Schutzfunktion beschreibt im Allgemeinen eine schüt-
zendeWirkung des Bauwerks auf die Unterlieger infolge einer planmäßigen
Wirkung (z.B. die Dämpfung einer Hochwasserwelle, der Rückhalt von Ge-
schiebe und/oder Holz oder die Stabilisierung einer erosionsgefährdeten
Wildbachstrecke).BezogenaufdieSchutzfunktionvorHochwassernbeschreibt
ein Überlastfall Abflüsse, welche das Bemessungsereignis der Hochwasser-
Terminologie 329
Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY-NC-ND 4.0
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Buch ExtremA 2019 - Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Österreich"
ExtremA 2019
Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Österreich
- Titel
- ExtremA 2019
- Untertitel
- Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Österreich
- Autoren
- Thomas Glade
- Martin Mergili
- Herausgeber
- Katrin Sattler
- Verlag
- Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1092-4
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 778
- Kategorie
- Geographie, Land und Leute