Seite - 338 - in ExtremA 2019 - Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Österreich
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© 2020, Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen
ISBN Print: 9783847110927 – ISBN E-Lib: 9783737010924
Überlastfällen, verschiedene Handlungsoptionen verstärkt ökonomisch zu be-
werten.Dabeimüssen sowohl die Schutzleistungen derÖkosystemewie auch
mögliche direkte und indirekte Folgen eines potenziellen Überlastfalls be-
rücksichtigtwerden.
Hierzu zählt auch eine Betrachtung von Kosten-Nutzen-Beziehungen aus
SichtweisedesGesamtsystems,bzw.beiWassergefahreneinesEinzugsgebietes.
Im Sinne der Grundsätze des konstruktivenWasserbaus ist ein (Standsicher-
heits-)Versagen technischer Schutzmaßnahmen beiÜberlastfällen des Hoch-
wasserschutzes nur dann tolerierbar, wenn sich hieraus keine relevante zu-
sätzlicheGefährdungderUnterlieger ergibt oderdiese äusserst unwahrschein-
lich,d.h.extremseltenauftritt.Diesbedeutetaberauch,dassz.B.dasVersagen
eines niedrigenAbsturzes oberhalb einesWildbach-Schlüsselbauwerkes nicht
weitergehendbetrachtetwerdenmuss.
Wenn allerdings eine relevante Gefährdung für Unterlieger besteht, insbe-
sonderebeigrößerenRückhaltebauwerkenbzw.Stauanlagen,sinddieFolgenim
Fall eines Versagens der Bauwerke grundsätzlich zu bewerten.Hierzu ist es
notwendig, eingeeignetesBruchszenario (z.B.dieGrößeunddieEntwicklung
einer Dammbresche oder das Versagen eine Staumauer) in vereinfachender
Weise zudefinierenunddiehieraus sichpotentiell entwickelndeFlutwelleund
deren räumliche bzw. zeitlicheVerbreitungmit geeigneten rechnerischenVer-
fahrenzubestimmen.
InAbhängigkeitdesTyps,derBauweise,derAusführungundvieler anderer
Aspekte (u. a. Topographie, Vegetation) besitzen die technischen Schutzmaß-
nahmen inderRegel Reserven, welche eineüberdasdefinierte Schutzziel hin-
ausgehende, imSinne desHochwasserschutzes günstigeWirkungbesitzen. Es
liegt in der Verantwortung der an der Planung, der Genehmigung und der
Ausführung beteiligten Fachleute bei der endgültigen Konzeption und Reali-
sierungdieserBaumaßnahmeneine angemesseneAbwägung zwischenSicher-
heits-undWirtschaftlichkeitsüberlegungenzu treffen.
Einweiterer, generell bedeutender Aspekt ist die zielgerichtete und an die
Bedürfnisse der einzelnenNutzergruppen angepassteKommunikationvonRi-
siken.ZwischenWissenschaftlernund inder Praxis tätigen Fachleuten imAl-
penraum sind dementsprechende Kommunikationsprozesse in den letzten
Jahren erfolgreich institutionalisiert worden, z.B. durch PLANALPundEUS-
ALP (siehe Kapitel 13.4). Ebenso bedeutend aber oft nichtmit angemessener
Prioritätbehandelt istdieKommunikationmitderBevölkerung.Dieseerfordert
ausmehrerenGründen einen durchdachten, strategischenAnsatz. Zumeinen
muss der Austauschmit der Bevölkerung in verständlicher Sprache erfolgen.
Zudem ist es notwendig, eine sinnvolle zielgerichteteAuswahlderweiterzuge-
bendenErkenntnisse zu treffen, umeine Informationsüberflutung zu vermei-
den. DesWeiteren besteht die Gefahr, durch schlecht vorbereitete und in un-
ÜberdasErwartetehinaus–derUmgangmitÜberlastfällen338
Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY-NC-ND 4.0
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Buch ExtremA 2019 - Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Österreich"
ExtremA 2019
Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Österreich
- Titel
- ExtremA 2019
- Untertitel
- Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Österreich
- Autoren
- Thomas Glade
- Martin Mergili
- Herausgeber
- Katrin Sattler
- Verlag
- Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1092-4
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 778
- Kategorie
- Geographie, Land und Leute