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© 2020, Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen
ISBN Print: 9783847110927 – ISBN E-Lib: 9783737010924
Erosivität des Niederschlags (R-Faktor), Erodibilität des Bodens (K-Faktor),
LängeundNeigungdesHanges (LS-Faktor), Landnutzung (C-Faktor)undBo-
denschutzmaßnahmen (P-Faktor) berechnet. Dem empirischenModellansatz
derABAGundvergleichbarerModelle (z.B.RUSLE2,Fosteretal., 2003)stehen
Modellansätze gegenüber, die einen höheren Grad der Prozessorientierung
aufweisen, beispielsweiseWEPP (Nearing et al., 1989), EUROSEM(Morgan et
al., 1998), oderEROSION3D(Schmidt et al., 1999).
DadieABAGdafür entwickeltwurde, dendurchschnittlichenmittlerenBo-
denverlust eines Jahres abzuschätzen, können Informationen zu einzelnen,
meistsehrkurzzeitigenEreignissennichtberücksichtigtwerden(Morganetal.,
1998).FürdieModellierungvonextremenEreignissenderBodenerosionbedarf
es demnachphysikalisch- beziehungsweise prozessbasierterModelle. Die Ein-
fachheitderABAGbietetzwar fürEntscheidungsträgerplanerischeVorteile, ist
aber durch die Multiplikation vereinfachter Faktoren nicht in der Lage, die
einzelnen Mechanismen des Erosionsgeschehens abzubilden (Kirkby, 1980).
Nearing et al. (1989) konnte zeigen, dass sowohl empirische als auchprozess-
basierte Modelle dazu tendieren, besonders hohe Abtragsraten – und somit
Extremereignisse – zu unterschätzen. Probabilistische Modellierungsansätze,
wieMonteCarloSimulationen,zeigtenbishervielversprechendeErgebnissebei
der Reduktion des statistischen Fehlers von Ergebnissen deterministischer
Modellansätze (z.B. Brazier et al., 2000). Jedochbedarf es auch indieserHin-
sichtweitererForschung.
14.5.2 NeueAnsätzezurGewinnungprozessrelevanterDaten
DiebeiderVerwendungvonErosionsmodelleneingesetztenParameterwerden
im günstigsten Fall gemessen, im ungünstigen Fall geschätzt. Zudem gibt es
dann noch jene Modellparameter, die im Regelfall dazu verwendet werden,
Modellergebnisse zu kalibrieren, weil sie einerseits großen Einfluss auf die
Modellergebnisse haben, andererseits eine derart große Streuung aufweisen,
dass wederMessungen noch Schätzungenmit vertretbaremAufwand zielfüh-
rend sind.UmdiesemProblembesser gerechtwerden zukönnen, existiert ei-
nerseits eine Reihe von Ansätzen zur Abschätzung von Unsicherheiten bei
Modellergebnissen (siehe z.B. BevenundBinley, 1992), andererseits wirdna-
türlich auch anVerbesserungenderMessungenprozessrelevanterWerte gear-
beitet. Dabei ist erforderlich, dass dieseDaten eine hoheGenauigkeit und an-
gemessene räumlicheundzeitlicheAuflösungenhabensowie repräsentativ für
das abzubildendeGebiet und für den zu simulierendenErosionsprozess sind.
EinBeispielhierfür istdasHydrologicalOpenAirLaboratory(HOAL,Blöschlet
al., 2016) in Petzenkirchen, Niederösterreich, in welchem unterschiedlichste
Bodenerosion356
Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY-NC-ND 4.0
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Buch ExtremA 2019 - Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Österreich"
ExtremA 2019
Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Österreich
- Titel
- ExtremA 2019
- Untertitel
- Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Österreich
- Autoren
- Thomas Glade
- Martin Mergili
- Herausgeber
- Katrin Sattler
- Verlag
- Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1092-4
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 778
- Kategorie
- Geographie, Land und Leute