Seite - 395 - in ExtremA 2019 - Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Österreich
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© 2020, Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen
ISBN Print: 9783847110927 – ISBN E-Lib: 9783737010924
und das räumlich begrenzte Auftreten der Schuttströme imWesten derMas-
senbewegung ist diedortige starkeHangwasserführung (Rieder, 2016).Ander
DeckengrenzeBünderSchiefer/InnsbruckerQuarzphyllitwerdengroßeMengen
anWasser, welche imOberhang in denZerrspalten versickern, in das Schutt-
stromareal eingespeist und nähren so die Bewegungen. Die Mächtigkeit der
Schuttströmeliegt zwischen30und40m.
Durch ein langjährig durchgeführtes Monitoringsystem, bestehend aus
kontinuierlichen Messungen von etwa 90 Oberflächenmesspunkten, die von
einer am Gegenhang gelegenen Totalstation eingemessen werden, sowie den
periodischdurchgeführtenMessungenderInklinometer,konntedieKinematik
unddaszeitlichvariableBewegungsverhaltenderMassenbewegungerfasstund
inBezug zudenSchädenandenHäuserngesetztwerden.DieBewegungen im
Bereich der Siedlung setzen sich aus einer langsameren Bewegung der tiefer-
liegenden Felsgleitmasse und einer schnelleren Bewegung der darauf aufla-
gerndenSchuttzungen zusammen (HofmannundSausgruber, 2017).Die akti-
ven basalen Scherzonen der Schuttzungen liegen dabei in Tiefen zwischen 14
und 37m.Über die Tiefe der basalen Scherzone der Felsgleitung liegt keine
Informationvor,dakeinesder InklinometerdieBasisderGleitungdurchörtert
hat.Sie ist aber jedenfalls tieferalsdie tiefsteBohrungmit120manzunehmen.
DieGeschwindigkeitderFelsgleitungkonnteeinerseitsausderVermessungvon
Punkten, die auf derMassenbewegung, aber außerhalb der Schuttstromareale
situiert sind und andererseits aus den Inklinometermessungen rekonstruiert
werden. Die jährlichen Verschiebungen liegen hierfür bei 0,5–1cm. Für die
auflagernden Schuttströme waren vor der Maßnahmensetzung die Bewe-
gungsraten zwischen 0,5 und 3,0cm/a. Die Schäden an denHäusern konnten
schließlich auf diskrete Scherbeanspruchungen der unterschiedlich schnell
bewegten Schuttströme/-zungen zurückgeführt werden.Weil die Bewegungen
sehr tief und die Bewegungsvektoren einheitlich in Fallrichtung des Hanges
orientiertsind, tretendieSchädennuranjenenHäusernauf,diesichnaheoder
auf den Scherzonen befinden. Alle anderenObjekte bewegen sichmehr oder
wenigergleichmäßig talwärts, ohnedass sieSchadenerleiden.DieAuswertung
derPiezometermessstellenerbrachte,dassdieBewegungsgeschwindigkeit vom
Wassereintrag in den Untergrund gesteuert wird. Eine Beschleunigung der
Hangbewegung sowohl in den Schuttströmenals auch in der Felsgleitungwar
abernurnachderSchneeschmelze imFrühsommer festzustellen,währendPe-
rioden ergiebigen Niederschlags keine Beschleunigungsphasen auszulösen
vermochten.Nachder Schneeschmelze stieg derWasserspiegel in denPegeln,
die imLockermaterial des Schuttstromareals ausgebautwurdenum1,5–2,5m,
in jenen, die im geklüfteten Gebirge der Felsgleitung ausgebaut wurden um
ca.1man.
EinschätzungdesSachstandesanhandvonFallbeispielen 395
Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY-NC-ND 4.0
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Buch ExtremA 2019 - Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Österreich"
ExtremA 2019
Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Österreich
- Titel
- ExtremA 2019
- Untertitel
- Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Österreich
- Autoren
- Thomas Glade
- Martin Mergili
- Herausgeber
- Katrin Sattler
- Verlag
- Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1092-4
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 778
- Kategorie
- Geographie, Land und Leute