Seite - 404 - in ExtremA 2019 - Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Österreich
Bild der Seite - 404 -
Text der Seite - 404 -
© 2020, Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen
ISBN Print: 9783847110927 – ISBN E-Lib: 9783737010924
Spektakulärstes Beispiel indieser fürMassenbewegungen so anfälligen tek-
tonischenEinheit ist aberderGschliefgraben amTraunsee-Ostufer,Gemeinde
Gmunden,OÖ(Weidinger,2009,2012,2017).DiesesbereitsseitdemMittelalter
bekannte Erd- und Schuttstromsystemmachte zuletzt in den Jahren 2007–08
von sich reden, als eine 3,8Millionenm3 große Masse gegen den Traunsee
drängte und 12 bewohnte Objekte gefährdete (Abbildung08b). Neben der
Umsetzung zahlreicher (Sofort-)Maßnahmen zur StabilisierungderGroßmas-
senbewegungwirdderenlandseitigerBereichbisheuteundinweitererZukunft
mithilfe eines umfangreichenMultiparameter-Systems überwacht (Weidinger
undKöck,2009;Poiseletal.,2012;Supperetal.,2012).ImHinblickaufeinnoch
umfassenderesMonitoring wurde imApril 2013 der subaquatische Ausläufer
des Gschliefgrabenfächers unter Einsatz von Fächerecholot und parametri-
schemSedimentecholot (sub-bottom-profiler) hydrographischvermessen.Die
Ergebnisse dieser Untersuchungen belegen, dass diese Großmassenbewegung
periodisch zurmarkant erhöhten und teilweise zerstörerischenAb- undUm-
lagerung von Sedimenten bis in größere Seetiefen geführt hat, waswiederum
historischeDokumentebestätigt,dassAnfangdes18. JahrhundertsHäusersamt
Wirtschaftsgrund indenTraunseeverfrachtetwurden(Weidinger, 2009;Heine
et al., 2016).
16.3.3.3 Erd-undSchuttströme imRhenodanubikum
Massenbewegungen im Rhenodanubikum (= Flyschzone) sind häufig keine
rasch ablaufenden, katastrophalen Prozesse, sondern eher eine Vielzahl von
morphologischenVeränderungen, diemittel- bis langfristig zu einer sukzessi-
ven Umgestaltung der Landschaft führen. Allerdings sind kleinräumig er-
scheinende Erdströmeund Stauchwülste oft nur die Randerscheinungen grö-
ßererBewegungssysteme, die imZuge vonStarkniederschlagsperioden zuRe-
aktivierungundextremenZuständen führenkönnen.
So findensichetwaanderGmundnerberg-OstflankeoderanderGrünberg-
Westflanke beiderseits des Traunsee-Nordufers große Bewegungssysteme.Das
bekanntesteBeispiel fürdiese tiefgreifendeAuflockerungundstarkeBewegung
imFlyschistderHöhenzugzwischenMondsee-OstendeundAttersee-Südende,
wosichübereineLängevon10kmdieHängenachSüdenundOstenabsetzen
undregelrecht auflösen (Weidinger, 2012).AberauchamAttersee-Ostuferund
weiter nach Osten finden sich – wenn auch überwiegend oberflächennahe –
Erdstrommassen.DasPhänomentritt u.a. amHäfelberg, amGahbergundam
Richtbergauf.Erst in jüngsterZeitwarendavondieKammerl-oder Jägermais-
Rutschungbetroffen.Dort lösten sich imJahre1959300.000m3aus einerAus-
bruchsnische 130m über demAttersee und senkten die Uferstraße ab (Wei-
dinger,2012).AuchdieRohrleiten-RutschungbeiWeyreggamAttersee-Ostufer
Felsgleitung,
FelslawineundErd-/Schuttstrom404
Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY-NC-ND 4.0
zurück zum
Buch ExtremA 2019 - Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Österreich"
ExtremA 2019
Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Österreich
- Titel
- ExtremA 2019
- Untertitel
- Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Österreich
- Autoren
- Thomas Glade
- Martin Mergili
- Herausgeber
- Katrin Sattler
- Verlag
- Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1092-4
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 778
- Kategorie
- Geographie, Land und Leute