Seite - 408 - in ExtremA 2019 - Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Österreich
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© 2020, Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen
ISBN Print: 9783847110927 – ISBN E-Lib: 9783737010924
toring-MethodenzunehmendanRelevanzgewinnen(z.B.LiDAR, InSAR:Rott
undNagler, 2006;Barbouxet al., 2015; Janeras et al. 2017;Fey, 2018).
Auch für die erstmalige Entstehung von langsamenund schnellen Felsglei-
tungensindbruchmechanischeProzesseverantwortlich,diezurAusbildungvon
internenundbasalenScherzonenführen.DieseScherzonenbestehenmeist aus
neugebildetenbindigenund/odernicht-bindigenStörzonengesteinen(Kakirite,
fault gouge and breccia), die geomechanische und hydraulische Lockerge-
steinseigenschaftenaufweisen. IneinigenFällenkannauchbeobachtetwerden,
dass bereits bestehende tektonische Störungszonen als Scherzonen von Fels-
gleitungen reaktiviert werden. Sind die zumTeil zusammenhängenden Scher-
zonenerstmaligentstanden,wirddieweitereHangdeformationimWesentlichen
durchKriech- undGleitprozesse in diesenZonenbestimmt.Häufig ist zu be-
obachten,dassdiedarüber liegendebewegteGleitmassenurdurchgeringe In-
terndeformationenbeeinflusst ist.Obes imRahmendieses erstmaligenHang-
versagens zu i) einer exponentiell beschleunigtenBewegungmit eventuell ka-
tastrophalem Hangversagen, zu ii) einer langsamen vorwiegend konstanten
Bewegungmit periodischen Beschleunigungsphasen, oder iii) zu einer Bewe-
gungmit kontinuierlich abnehmendenGeschwindigkeiten und eventuell voll-
ständigerStabilisierungkommt, istvoneinerVielzahlanFaktorenabhängig.So
haben z.B.Änderungen des Poren- bzw. Kluftwasserdrucks, fortschreitende
VeränderungenderGeometrie, Teilschollenbildung imHangfußbereich, Inter-
aktionmitTalalluvionenund/oderzeitlichundräumlichvariableEigenschaften
derScherzoneneinenwesentlichenEinfluss aufdasDeformationsverhalten.
Langsame Felsgleitungen sind häufig durch Teilschollenbildung gekenn-
zeichnet (z.B. Zangerl et al., 2015): es entstehen unterschiedlich große und
unterschiedlich aktive Blöcke, die wiederumdurch Scherzonen vomRest ab-
getrennt sind.DieseZerlegungkanndazu führen,dass anderOberflächeoder
im Untergrund differentielle Verschiebungen auftreten, die langfristig zu
SchädenanInfrastrukturundBauwerkenführenunddiegeplanteLebensdauer
derselbendrastischverkürzenkönnen.ZusätzlichkönnendieseTeilschollenvor
allem imHangfußbereichdurch InteraktionmitdemVorfluter sichzuraschen
sekundärenGleitungenentwickeln,diewiederumdasgesamteSystemnachteilig
z.B. durchdieAuslösungneuerBeschleunigungsphasenbeeinflussenkönnen.
ImHinblick auf Erd- bzw. Schuttströmewurden in den letzten Jahren vor-
wiegend Reaktivierungen und Beschleunigungen bestehender Systeme (wie
Gschliefgraben oder Rohrleitengraben) beobachtet, die Siedlungsgebiete ge-
fährdeten und die Durchführung von Schutzmaßnahmen umgehend nötig
machten. Eine große Herausforderung stellt dabei die Prognose potentieller
Reaktivierungen dar, da auch inGebieten, die in den letzten Jahrzehnten un-
auffällig waren, sehr wohl neue und unerwartete Phasen erhöhter Aktivität
auftretenkönnen. Felsgleitung,
FelslawineundErd-/Schuttstrom408
Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY-NC-ND 4.0
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Buch ExtremA 2019 - Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Österreich"
ExtremA 2019
Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Österreich
- Titel
- ExtremA 2019
- Untertitel
- Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Österreich
- Autoren
- Thomas Glade
- Martin Mergili
- Herausgeber
- Katrin Sattler
- Verlag
- Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1092-4
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 778
- Kategorie
- Geographie, Land und Leute