Seite - 453 - in ExtremA 2019 - Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Österreich
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© 2020, Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen
ISBN Print: 9783847110927 – ISBN E-Lib: 9783737010924
17.6.2.2 Unsicherheiten inBezugaufProzessmodellierung
Aus derzeitiger Sicht besteht kein Grund zur Annahme, dass die amMarkt
etablierten physikalisch basierten 2D und 3D Modelle Extremereignisse in
Hinblick auf die Blockgröße nicht abbilden können. Grundsätzlich gäbe es
mehrere Faktoren, die bei Extremereignissen zu Problemen bei der naturge-
treuen Abbildung der in der Natur stattfindenden Prozesse führen könnten.
Diese sind:
1) dieGröße der Blöcke.Da für größere BlöckedieRauheit desUntergrundes
geringereAuswirkungenhatalsfürkleinere, isteinekorrekteDarstellungder
tatsächlichenBlockdimensionen bei der InteraktionBoden/Sturzblock ent-
scheidend.
2) dieBlockgröße inHinblickaufdieEnergie, die aufdenBodeneinwirktund
hier zu entsprechenden elasto-plastischenVerformungen führt. Diese sind
abhängigvonderEnergie.
3)DieInteraktionBlock/Wald:dadieseInteraktionbeijenenModellen,dieeine
solche Interaktion abbilden können, i.d.R. energieabhängig bewertetwird,
führen extreme Energien bzw. Blockgrößen hier bei der Betrachtung von
Einzelblöckennicht zuProblemen.
ModerneModellebildenfürEinzelblockstürzedieBodenkontakteunddiedabei
auftretenden Dämpfungsprozesse physikalisch weitgehend korrekt ab und
könnendaher ohne signifikante Einschränkungen auchExtremereignisse dar-
stellen. Problematisch ist hierbei lediglich der Absturz eines Blockverbandes
(Felssturz) zuwerten. Im Zuge des Prozesses kann es zu Veränderungen der
Topographie (Einschlagtrichter,…) und zu starken Funktionseinbußen des
Waldes kommen.Diese könnten in derModellierung nicht korrekt abgebildet
werden.
Kalibrierung der Steinschlagmodelle: In der Regel werden historische Er-
eignisse in Form von noch vorhandenen stummen Zeugen oder von doku-
mentierten Ereignissen (Ereignischronik) für die Kalibrierung der Modelle
herangezogen. Wenn diese Daten fehlen ist eine Kalibrierung schwierig. Im
UmkehrschlussbedeutetdasFehlenvonstummenZeugenabermeist, dassdie
Ereignisfrequenzgering ist unddaher auchdieGefährdung tendenziell gering
ist. Teilweise kannhier eineSimulationmitmehrerenverschiedenenModellen
mit gut abgesichertenParametersetsAbhilfe schaffen.
Einfluss/Berücksichtigung des Modellfaktors: dem Umstand, dass unter-
schiedliche Modelle unterschiedliche Ergebnisse liefern, kann nur mit ent-
sprechendgroßerErfahrungundeinerPlausibilisierungvonModellergebnissen
begegnet werden. So existieren zahlreicheDatensätze von 1:1 Sturzversuchen
miteinergutenDokumentationderGeschwindigkeitundSprunghöhen(Smith
EinschätzungdesSachstandesundderUnsicherheiten 453
Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY-NC-ND 4.0
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Buch ExtremA 2019 - Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Österreich"
ExtremA 2019
Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Österreich
- Titel
- ExtremA 2019
- Untertitel
- Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Österreich
- Autoren
- Thomas Glade
- Martin Mergili
- Herausgeber
- Katrin Sattler
- Verlag
- Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1092-4
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 778
- Kategorie
- Geographie, Land und Leute