Seite - 455 - in ExtremA 2019 - Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Österreich
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© 2020, Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen
ISBN Print: 9783847110927 – ISBN E-Lib: 9783737010924
ZueinemzukünftigenverändertenFreizeitverhaltenmit einer erhöhtenRi-
sikobereitschaft ist festzuhalten, dass es sich hierbei um ein freiwillig einge-
gangenes, individuelles Risiko handelt. Die Entscheidung hierüber ist in der
Regel vonEinzelpersonen zu treffen und lässt sich nur inAusnahmefällen in-
stitutionell regeln. Häufen sich jedoch Fälle von extremen Risiken in diesem
Bereich, kann es dennoch zu normierten Vorgangsweisen beimUmgangmit
diesen Naturgefahren kommen (vgl. Lawinenwarnstufenmit entsprechenden
Verhaltensempfehlungen für Skitouristen, Wanderwege-Tool Tirol für stein-
schlagexponierteWanderwegemiteinemabgestuftenakzeptablenRestrisikoin
AbhängigkeitvonderSchwierigkeitdesbetroffenenWanderweges–vgl.LOLA,
2018etc.).
17.7 Perspektiven fürHandlungsoptionen
IndenallermeistenFällenistesauchmitaufwändigenSchutzmaßnahmennicht
möglich, eine vollständigeAbdeckung vonRisiken aus Steinschlag- und Fels-
sturzprozessen zu erreichen.Nebenderoft nicht gegebenenMachbarkeit sind
hierbei vor allemÜberlegungen zurWirtschaftlichkeit der Schutzmaßnahmen
unddieRelationvonKostenundRestrisiken bei verschiedenenMaßnahmen-
variantenmaßgeblich(EconoMe4.0,o. J.).AusdiesenGründensiehtz.B. auch
der Eurocode 7 (ÖNORM EN 1997–1:2014) vor, dass in Abhängigkeit vom
Schadenspotential beim Versagen eines Bauwerks (imÜberlastfall) eine be-
stimmte Zuverlässigkeitsklasse des Bauwerks anzustreben ist. Dies bedeutet,
dass die akzeptable Versagenswahrscheinlichkeit eines Bauwerkes – und hier
werden auchHochbautenwie z.B.Wohnhäuser betrachtet –mit steigendem
Schadenspotential geringerwerdensollte.Diese in Ingenieurskreisendurchaus
übliche Denkweise ist jedoch häufig schwierig zu kommunizieren, vor allem,
wenneszuSchadensfällenmitBetroffenenkommt.Dannist jederSachschaden
inakzeptabel und jedesMenschenleben unersetzlich. Es gilt daher, in der Be-
völkerung ein besseres Bewusstsein für solche bestehenden Restrisiken zu
schaffenunddiese auchklarunddeutlichzukommunizieren.
Häufig ist es hilfreich, Vergleiche zu Risiken in einem anderenKontext zu
ziehen. So ist die Teilnahme am Straßenverkehr als eine der gefährlichsten
Aktivitäten,diemaninMitteleuropaausübenkann,einzustufen.Dabeiwerden
Personenschaden-Risiken inKaufgenommen,dieoftmehrereZehnerpotenzen
größer sind als jene, die Personen imKontextmitNaturgefahren als inakzep-
tabel einstufen.
UmeineklarereVorstellungvondenUnsicherheitenundUnschärfen,diebei
derBewertungvonNaturprozessenunvermeidbarsind,zubekommenundauch
für alle Nachnutzer einer Expertise zugänglich zumachen, sollte besonderes
Perspektiven fürHandlungsoptionen 455
Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY-NC-ND 4.0
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Buch ExtremA 2019 - Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Österreich"
ExtremA 2019
Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Österreich
- Titel
- ExtremA 2019
- Untertitel
- Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Österreich
- Autoren
- Thomas Glade
- Martin Mergili
- Herausgeber
- Katrin Sattler
- Verlag
- Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1092-4
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 778
- Kategorie
- Geographie, Land und Leute