Seite - 548 - in ExtremA 2019 - Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Österreich
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© 2020, Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen
ISBN Print: 9783847110927 – ISBN E-Lib: 9783737010924
3)Außerdementsteht durchTemperaturveränderungen imFelsunddenKlüf-
ten (Auftauen und Gefrieren) thermo-mechanischer Stress, welcher zu
Hangversagen führenkann(Luethi et al., 2015).
InÖsterreich wurden bisher einige Felssturzereignisse direkt mit dem Vor-
handensein oder Auftauen von Permafrostbedingungen in Verbindung ge-
bracht, sozumBeispieldaskleineBergsturzereignis2007anderBliggspitzemit
1–1,5Mio.m3 Felsmaterial, sowie verstärkte Steinschlag- undBlocksturzakti-
vität an zahlreichen Orten wie z.B. am Kitzsteinhorn mit Volumina bis zu
mehreren Hundert m3 oder dem Mittleren Burgstall (Pasterzenkees, Hohe
Tauern, Kärnten). Der Mittlere Burgstall (2933m) ist ein Gipfel, der in der
KleinenEiszeitvonverschiedenenZungendesPasterzenkeesumflossenwurde.
ImJahr2007ereignetensichmehrereFelsstürzevomSüdostgratdesBerges,die
zusammen ein Volumen von ca. 56.000m3 Material lieferten. Nachträgliche
Messungen der Felsoberflächentemperatur oberhalb der Anrisszone zeigten,
dassandemStandortPermafrostbedingungenknappunter0 8Cvorherrschten
(Kellerer-Pirklbauer et al., 2012a). Meistens liegen aber keine direktenNach-
weise für Permafrostvorkommen indenAnbruchgebietenvor, so dass Perma-
frost alsUrsacheoderEinfluss auf dasEreignis nicht belegbar ist. EinBeispiel
dafür ist der Felssturz amKleinenWiesbachhorn (3.283m, Fuschertal, Hohe
Tauern,Salzburg).Dort ereignete sich imOktober2017einFelssturzmitmehr
als 150.000m3Gestein. Das Ereignis entstand in ca. 3.000mHöhe an einem
Südost-exponiertenHang.DieGeländepositionbefindet sich in einemBereich
wo, gemäß dem Verbreitungsmodel Permakart 3.0, Permafrostbedingungen
möglich sind (Schrott et al., 2012). Bei dem Ereignis entstanden keinerlei
Schäden,dadieSturzmasse inunbewohntemGebietniederging.Allerdings fiel
dasGesteinauf einenGletscher,wodurch sich eine ca. 2kmlangeAuslaufzone
entwickelte.VieleEreignisse fanden inunmittelbarerUmgebungzunochexis-
tierenden Gletschern statt und weisen auf einen Kausalzusammenhang der
EntstehungvonMassenbewegungenzwischendemGletscherrückgangundder
Permafrostverbreitung hin (siehe Beitrag 22 zu Gletschergefahren in diesem
Band). Neben den Einflüssen der Permafrostbedingungen können hier auch
Druckentlastungen nach Abschmelzen des Gletschereises zumHangversagen
beigetragen haben. Eine Trennung der jeweiligen vorbereitenden und auslö-
sendenFaktoren ist indiesenFällen schwierig.AuchdemBergsturzereignis an
derBliggspitze2007gingenseit2003deutlicheVeränderungendesaufliegenden
Gletschers voraus, die von tiefer Spaltenbildung und dem Einleiten von
Gletscherwasser angezeigt wurden. Es liegt nahe davon auszugehen, dass der
vorhersehrsteilekalteGletscherteil sichstarkerwärmthatteunddadurchbeim
Erreichen von 0 8C an der Gletscher-BasisWasser in den darunterliegenden,
geklüfteten Fels eingeleitet hat,wodurchdieser tiefgreifend aufgetaut ist. Dies
Permafrostgefahren548
Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY-NC-ND 4.0
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Buch ExtremA 2019 - Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Österreich"
ExtremA 2019
Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Österreich
- Titel
- ExtremA 2019
- Untertitel
- Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Österreich
- Autoren
- Thomas Glade
- Martin Mergili
- Herausgeber
- Katrin Sattler
- Verlag
- Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1092-4
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 778
- Kategorie
- Geographie, Land und Leute