Seite - 626 - in ExtremA 2019 - Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Österreich
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© 2020, Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen
ISBN Print: 9783847110927 – ISBN E-Lib: 9783737010924
Zunächst führten intensive Landnutzung (u. a. durchAlmenundWaldweide)
und vorindustrielle Holznutzung (z.B. für Salinen und Erzgewinnung) zu
massivem Waldverlust, der in den letzten beiden Jahrhunderten durch die
Forstwirtschaft sowieAuflassungundExtensivierung landwirtschaftlicherFlä-
chenzwar rückgängiggemachtwurde,dabeiaber teilweiseWaldgesellschaften,
BaumartenmischungenundWaldzustände erzieltwurden, die inmanchenRe-
gionen hinsichtlich ihrer Stabilität und Schutzwirkung kritisch zu beurteilen
sind.
Der Beitrag »Schutzwald und Extremereignisse« beleuchtet im Folgenden
drei Aspekte, welche die Schutzwirkung des Waldes gegen Naturgefahren
maßgeblichbeeinflussen:Erstens,dieextremniedrigeWaldbestockungdieetwa
inder2.Hälftedes19.Jhs.inÖsterreichzufindenwarundeinengesellschaftlich
relevanten Verlust der Schutzwirkung nach sich zog, infolgedessen es zur
GründungvonSchutzeinrichtungenundzurEtablierungvonSchutzstrategien
kam. Zweitens, den Einfluss von Klimawandel und Extremereignissen auf
Waldstruktur, -entwicklung und -stabilität, auch aus Sicht des Forstschutzes.
Und drittens wird zusammengefasst, gegenüber welchen »extremenNaturge-
fahrenprozessen« – wie sie in den Alpen typischerweise auftreten – die
SchutzwirkungdesWaldes limitiert ist.
25.2 DerSchutzwald–SchutzdurchWald
»Es gibtWohltaten, die derMensch nichtmehr hoch genug einschätzt, wenn er sie
langegenießendurfteundsichansiewieanetwasSelbstverständlichesgewöhnte.Bis
dann Katastrophen kommen, die ihm die verloren Werte zeigen! So geht es im
staatsbürgerlichen, sogeht es imwirtschaftlichenLeben.DiewohltätigenWirkungen
desWaldeswerdenauchalsetwasSelbstverständlicheshingenommen,siesindauchso
natürlich!Großer Schaden folgte,wennmandenWohltäter vernachlässigte oder gar
vernichtete.« (Kautz, 1922)
25.2.1 ExtremeWaldentwicklung–einhistorischerAbriss
Früh wurde die Schutzwirkung des Waldes vor allem gegen Lawinen und
Wildbächeerkannt,denndieeinstschonungsloseAbholzungundBrandrodung
vonganzenBerghängenhatte oft katastrophale Folgen für den Schutz vorNa-
turgefahren.Währendvor10.000bis5.000 JahrenprimärKlimavariationen für
Änderungen derWaldgesellschaften und Fluktuationen derWaldgrenze ver-
antwortlichwaren,dominiertedanachdermenschlicheEinfluss (Staffler et al.,
2011). Invielen inneralpinenTälernwurdendie sonnseitigenFlankenteilweise
SchutzwaldundExtremereignisse626
Open-Access-Publikation im Sinne der CC-Lizenz BY-NC-ND 4.0
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Buch ExtremA 2019 - Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Österreich"
ExtremA 2019
Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Österreich
- Titel
- ExtremA 2019
- Untertitel
- Aktueller Wissensstand zu Extremereignissen alpiner Naturgefahren in Österreich
- Autoren
- Thomas Glade
- Martin Mergili
- Herausgeber
- Katrin Sattler
- Verlag
- Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co
- Datum
- 2020
- Sprache
- deutsch
- Lizenz
- CC BY-NC-ND 4.0
- ISBN
- 978-3-7370-1092-4
- Abmessungen
- 15.5 x 23.2 cm
- Seiten
- 778
- Kategorie
- Geographie, Land und Leute